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Sig Sauer will wieder wachsen

Eckernförder Waffenhersteller Sig Sauer will wieder wachsen

Beim Gewehr- und Pistolenhersteller Sig Sauer stehen die Zeichen auf Wachstum: Nachdem noch vor zwei Jahren die Zukunft des Standortes Eckernförde auf der Kippe stand, soll dort nun verstärkt in die Entwicklung neuer Produkte und eine Modernisierung der Fertigung investiert werden.

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Der Sig-Sauer-Standort in Eckernförde stand bis vor zwei Jahren noch auf der Kippe: Nach Modernisierungsarbeiten sollen dort jetzt wieder Militär- und Sportwaffen in großer Stückzahl produziert werden.

Quelle: dpa

Eckernförde. „Nach einer längeren Restrukturierungsphase hat sich seit 2015 die Situation in Eckernförde stabilisiert“, sagt der seit April amtierende neue Deutschland-Geschäftsführer Franz von Stauffenberg. Die Gesellschaft sei wieder „in der Gewinnzone“ und befinde sich mit Fokus auf den deutschen Markt auf Wachstumskurs.

Anders sah es noch vor zwei Jahren aus: Weil das Unternehmen verdächtigt wurde, in illegale Waffenlieferungen nach Kolumbien und Kasachstan verstrickt zu sein, ließ die Kieler Staatsanwaltschaft das Unternehmen mehrfach durchsuchen, die Verfahren gegen Verantwortliche von Sig Sauer laufen noch. Teile der Produktion wurden zu einer US-Tochter verlagert, das Personal in Eckernförde von zuvor mehr als 250 auf 50 gekürzt. „Wir kooperieren nach wie vor mit der Staatsanwaltschaft“, sagt von Stauffenberg und ergänzt: „Wir haben für verschiedene Exportaufträge Ausfuhrgenehmigungen bekommen und rechnen auch damit, diese zukünftig zu bekommen.“ Von Stauffenberg plädiert deshalb für einheitliche europäische Richtlinien beim Waffentransport: „Das würde für Transparenz beim Export sorgen und den Wettbewerb weniger verzerren. Und natürlich bin ich für eine engmaschige Kontrolle von Rüstungsgütern.“

Sig Sauer hat das Personal in Eckernförde bereits wieder auf 87 Mitarbeiter aufgestockt. „Wir wollen wachsen, investieren signifikant und werden natürlich auch die Zahl der Mitarbeiter ausbauen. Wenn ich nicht an die Produkte und den Standort glauben würde, dann hätte ich die Aufgabe nicht angenommen“, sagt der 40-Jährige mit dem prominenten Familiennamen, der als Oberstleutnant der Reserve selber Waffenexperte ist und auch Ausbilder am Zentrum für spezielle Operationen der Bundeswehr war.

Sig Sauer will weiterhin ausgewählte Behörden und Militärorganisationen in Europa und in der Nato beliefern. „Wir stellen unsere Produkte gerade sämtlichen Behörden vor. Mit uns ist bei sämtlichen Ausschreibungen zu rechnen“, sagt von Stauffenberg, der seit 15 Jahren im Rüstungsbereich arbeitet.

Nach Informationen unserer Zeitung geht es dabei unter anderem um das Nachfolgemodell des G36-Gewehrs der Bundeswehr und des französischen Famas-Sturmgewehrs. Auch die Polizei und andere Behörden in Europa rüsten nach den jüngsten Anschlägen weiter auf – in den kommenden Monaten rechnet Sig Sauer mit mindestens 20 zusätzlichen Ausschreibungen für Pistolen und Sturmgewehre. Um diese lukrativen Aufträge bewirbt sich auch der deutsche Hersteller Heckler & Koch.

„Wir sind auf dem deutschen Behördenmarkt aufgetreten, um einen Teil des Marktes mit hochwertigen Produkten auszurüsten“, sagt von Stauffenberg. Sig Sauer sei finanziell gesund und könne bei Bedarf investieren und „schnell agieren“. Weltweit verzeichnete die Sig-Sauer-Group 2015 einen Umsatz von 350 Millionen Euro (Vorjahr: 276 Millionen), davon entfielen etwa elf Millionen auf das Deutschland-Geschäft. In Eckernförde ist demnach geplant, Baugruppen der modularen Sturmgewehrfamilie (MCX), Pistolen (P320) sowie Sportpistolen der X-Linie zu fertigen.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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