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Ein mageres Erntejahr für den Norden

Getreide- und Rapsernte Ein mageres Erntejahr für den Norden

Nach mehreren Rekordjahren in Folgen fällt die Bilanz der diesjährigen Getreide- und Rapsernte mau aus: Aufgrund eines verregneten Sommers, Schädlingen und Pflanzenkrankheiten sowie mäßiger Erzeugerpreise und hoher Trocknungskosten müssen Schleswig-Holsteins Ackerbauern mit deutlichen Einbußen rechnen.

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Nach mehreren Rekordjahren in Folgen fällt die Bilanz der diesjährigen Getreide- und Rapsernte mau aus.

Quelle: Volker Rebehn

Liensfeld. „Die Situation für unsere Landwirte ist insgesamt schwierig“, sagte am Dienstag Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bei der Erntepressekonferenz auf einem Hof in Liensfeld (Kreis Ostholstein).

 Nach aktuellen Zahlen der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein fällt die Weizenernte mit 1,6 Millionen Tonnen um etwa 16 Prozent schlechter aus als im Vorjahr. Bei Raps wird ein Rückgang um ebenfalls 16 Prozent auf 300000 Tonnen erwartet. Nach Schätzungen der Kammer wird ein typischer Ackerbaubetrieb mit 120 Hektar und der Fruchtfolge Raps, Weizen, Gerste deshalb etwa 40000 Euro weniger erlösen als noch 2015. „Insgesamt bleibt immer weniger Geld für die Landwirte liegen, um zu investieren“, sagte Habeck.

 Wegen der ergiebigen Regenfälle ab Mitte Juni konnten bislang noch nicht alle Felder abgeerntet werden, etwa 25 Prozent Weizen und Roggen würden noch auf dem Halm stehen, sagte Kammer-Präsident Claus Heller. Mit der im langjährigen Mittel durchschnittlichen Ernte müssten die Landwirte aber lernen umzugehen: „Auf fette Jahre folgen magere.“ Als „Lehre für die Zukunft“ könne Bauern deshalb nur geraten werden, Rücklagen für die mageren Jahre zu schaffen und ihre Betriebe auf veränderliche Märkte einzustellen. Wichtig sei zudem, mit Hilfe der Bank über die Runden zu kommen: „Das Ziel muss sein, die Liquidität auf den Betrieben auch weiterhin sicherzustellen.“

 Deshalb würden künftig verstärkt Anbaufaktoren wie Fruchtfolge, angepasste Saattermine und -sorten eine „bedeutende Rolle in den Anbauüberlegungen spielen“, sagte Heller. Die geplante Verschärfung der Düngeverordnung und der daraus resultierende mögliche Wegfall vieler Pflanzenschutzwirkstoffe sei nur mit geänderten Anbausystemen erfolgreich zu meistern.

 Bauernpräsident Werner Schwarz mahnte deshalb erneut an, die Neufassung des Düngerechts möglichst schnell zu verabschieden. „So eine Verordnung muss aber bedarfsgerecht für unsere Landwirte sein, Ertragsstabilität hängt entscheidend von Pflanzenschutz und Düngung ab.“ Einer angedachten Besteuerung solcher Wirkstoffe erteilte Schwarz eine Absage: „Das ist der falsche Weg. Ohne Pflanzenschutz wäre in diesem Jahr die Ernte noch schlechter ausgefallen.“ Widerspruch kam von Minister Habeck, der es für falsch hält, mehr Pestizide zu spritzen. Auch verlange das EU-Recht, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu verringern. „Das kann für Deutschland ernste Konsequenzen nach sich ziehen, wenn die Wasserrichtlinie nicht eingehalten wird.“

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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