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Sind kleine Cent-Münzen noch sinnvoll?

Mit Video Sind kleine Cent-Münzen noch sinnvoll?

Für die einen sind sie ein bewährtes Zahlungsmittel, für andere nur Ballast im Portemonnaie: Wie sinnvoll sind die Ein- und Zwei-Cent-Münzen heutzutage noch?

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Italien will ab 2018 keine Ein- und Zwei-Cent Münzen mehr prägen.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Was waren das für Zeiten, als die Achtung vor kleinen Geldbeträgen noch als Tugend für Sparsamkeit galt. „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“ Doch die Beliebtheit der kleinen Münzen rutscht allmählich in den Keller.

Kürzlich vermeldete Italien, ab 2018 keine Ein- und Zwei-Cent Münzen mehr prägen zu wollen. Es ist dann das fünfte Euro-Land, in dem das Kleinstgeld als Zahlungsmittel zwar bestehen bleibt, aber nicht weiter produziert wird. In Finnland, Belgien, Irland und den Niederlanden werden die Münzen bereits nicht mehr ausgegeben. Wie steht es hierzulande um sie? Zählen sie noch oder können sie weg?

Verzicht auf kleine Münzen

Für Regine Tepe, Hauptkassiererin beim Kieler Modehaus Meislahn, ist die Sache klar. „Ich finde, dass man die Münzen eigentlich nicht braucht. Die Kunden sehen das auch. Wenn es glatte Beträge gibt, ist alles doch viel einfacher.“

Ob bei Hochzeitsgeschenken, der Bezahlung von Brautschuhen oder in Kombination mit Salz und Brot beim Einzug in ein neues Heim – in puncto Bräuchen erfreuen sich die 1,67 Millimeter dicken und 2,3 sowie drei Gramm schweren Scheibchen nach wie vor größter Beliebtheit. Mittlerweile machen die Ein- und Zwei-Cent-Münzen fast die Hälfte (48,1 Prozent) aller in Umlauf gebrachten Euro-Münzen aus. Als das Euro-Bargeld 2002 eingeführt wurde, lag ihr Anteil bei 31,2 Prozent.

Nachteile für den Kunden sieht der Verbraucherschützer nicht

Für Michael Herte, Referent für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, ist die milliardenfache Prägung der Münzen ein „volkswirtschaftlicher Unsinn“. Denn die Herstellung und logistische Vertreibung einer Ein-Cent-Münze koste 1,6 Cent. Aus diesem Grund entschieden sich die Italiener gegen eine weitere Herstellung. Dort werden Händler in Zukunft genauso wie in den Niederlanden bei Barzahlungen Beträge, die auf ein, zwei, sechs oder sieben Cent enden, abrunden und Beträge, die auf drei, vier, acht oder neun Cent enden, aufrunden. In Finnland muss bei einer Barzahlung laut Gesetz immer auf fünf Cent gerundet werden.

Der Handel sieht die Diskussion skeptisch

Ist das nicht ein Nachteil für den Verbraucher? Diese Befürchtung hat Herte nicht. „Dass mit der kaufmännischen Auf- und Abrundung eine verdeckte Preiserhöhung Einzug halten würde, kann ich mir aktuell nicht vorstellen.“ Kaufmann Marten Freund vom Kieler Lebensmittelmarkt „Schlemmer-Markt Freund“ hält nichts von einer Auf- oder Abrundung der Beträge: „Ich bin dafür, alles so zu lassen. Für uns wäre das sonst ein immenser Aufwand.“ Zudem liefen ohnehin 50 Prozent der Bezahlvorgänge über die EC-Karte.

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Ein Artikel von
Florian Sötje
Volontär

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