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Einigen Windparks droht das Aus

Schleswig-Holstein Einigen Windparks droht das Aus

Diese Ankündigung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) für einen Offshore-Ausbaustopp schreckt die Branche und die Landespolitik auf: Etwa 50 küstenfernen Windparkprojekten in der Nord- und Ostsee droht das Aus. Das Amt setzt damit die von der Bundesregierung beschlossene Deckelung im Erneuerbare-Energien-Gesetz um.

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Durch den Wegfall der geplanten Projekte stünden viele der 19000 Arbeitsplätze in der Windkraftbranche und in der Zulieferindustrie auf dem Spiel.

Quelle: Ingo Wagner/dpa

Kiel. Jetzt wird der Ruf nach einer Reform laut. Laut einem Schreiben an die Windpark-Projektierer will das BSH keine Offshore-Parks genehmigen, die weiter als 100 Kilometer entfernt von der Küstenlinie geplant sind. Begründet wird dies mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, mit der die Bundesregierung die Strompreise konstant halten will. Statt zehn sollen bis 2020 nur noch 6,5 Gigawatt Leistung offshore gebaut werden. 2030 sollen dann 15 Gigawatt (zuvor 25) installiert sein. Dafür reichen die bislang beantragten Anlagen in küstennahen Gewässern aus, teilt eine BSH-Sprecherin mit. „Nach jetzigem Stand sind weitere Projekte unwirtschaftlich und energiepolitisch nicht zielführend“, fügt sie hinzu. Elf Parks mit einer Leistung von 2,7 Gigawatt sind am Netz, zwei weitere werden 2015 noch folgen.

 Die Stiftung Offshore-Windenergie hält die Drosselung der Ausbauziele für „zu wenig ambitioniert“. Durch den Wegfall der geplanten Projekte stünden viele der 19000 Arbeitsplätze in der Windkraftbranche und in der Zulieferindustrie auf dem Spiel. „Die Unternehmen müssen ohne Deckelung selbst über ihr unternehmerisches Risiko entscheiden dürfen“, sagt ein Sprecher. Wenn eine Energiewende weg von Kohle- und Atomkraftwerken gewünscht sei, dürfe die Windkraft nicht ausgebremst werden. Auch der Bremer Offshore-Entwickler WPD reagierte mit „großem Unverständnis“. Laut Branchenkreisen wurden für geplante Offshore-Windparks bereits mehr als 100 Millionen Euro investiert – Schadenersatzklagen gegen negative BSH-Bescheide werden nicht ausgeschlossen.

 Die Opposition im Kieler Landeshaus fordert nun eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. „Es muss überarbeitet werden“, sagt der FDP-Energieexperte Oliver Kumbartzky. Es sei unverständlich, warum man die Chancen einer zukunftsfähigen Offshore-Industrie nicht noch intensiver nutze. Die Energiewende nehme inzwischen „abstruse Züge“ an, sagt auch CDU-Experte Jens Christian Magnussen. „Was vor nicht allzu langer Zeit noch die Technologie für verlässlichere Energieversorgung durch höhere Windausbeute war, wird heute wieder in Frage gestellt.“ Unterdessen verteidigt Landesenergieminister Robert Habeck (Grüne) das Vorgehen. Zunächst müsse die Branche zeigen, dass ein gesicherter, zeitlich getakteter und abgestimmter Ausbau erreicht werden könne. Danach könne man mit der Bundesregierung über weitere Ausbaupläne verhandeln.

Von Jan v. Schmidt-Phiseldeck und Jens Kiffmeier

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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