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Die Wirtschaft scharrt mit den Hufen

Ende der Iran-Sanktionen Die Wirtschaft scharrt mit den Hufen

Der Iran meldet sich als Handelspartner zurück – ein Markt von 80 Millionen Menschen, ein Land mit hohen Ölvorkommen und riesigem Nachholbedarf. Auch die schleswig-holsteinische Wirtschaft will wieder an die guten Handelsbeziehungen anknüpfen. Doch der Iran-Boom ist kein Selbstgänger.

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Beispiel Stahlindustrie: In vielen Branchen hat der Iran Emargo-Lücken mit Hilfe der Chinesen schließen können. Gleichwohl gilt ein großer Teil der Produktionsanlagen als veraltet.

Quelle: Abedin Taherkenareh/dpa

Kiel. Sollten Deutschland und die Islamische Republik nach dem Ende der Sanktionen wieder an ihre guten Handelsbeziehungen anknüpfen, könnten sich die Absatzchancen hiesiger Unternehmen vervierfachen, prognostiziert der Bundesverband der Deutschen Industrie.

„Die Potenziale sind groß, auch für schleswig-holsteinische Exporteure“, sagt Bernd Bösche, Chef der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer GmbH (WTSH). Aber ein El Dorado, bei dem nach Aufhebung der Sanktionen das Gold auf der Straße liegt, sei das Iran-Geschäft nicht. Die Investitionsrisiken in einer der geopolitisch instabilsten Regionen der Erde dämpfen den Optimismus. Und die Konkurrenz ist härter als je zuvor. Vor allem die Chinesen haben die Positionen besetzt, die zuvor Lieferanten aus dem Westen innehatten.

"Die Banken müssen sich bewegen"

Hafenwirtschaft, Pharma, Maschinenbau, Fördertechnik, erneuerbare Energien: Die Liste der Branchen mit guten Chancen ist lang. Zu den Unternehmen, die sich neue Perspektiven ausrechnen gehört der Pumpenhersteller Edur aus Kiel: „Der Iran war für uns immer ein starker und interessanter Partner“, sagt Geschäftsführer Jürgen Holdhof, der sich von der Aufhebung der Sanktionen eine Wiederbelebung der Aktivitäten erhofft. Der Mittelständler produziert Industriepumpen für den Maschinen- und Anlagenbau. „Uns liegen mittlerweile diverse Anfragen für Vertretungen im Iran vor“, berichtet Exportleiter Joachim Thiele. Das Unternehmen bereite sich intensiv darauf vor, die Geschäftstätigkeit im Iran wieder aufzunehmen. Dazu gehört vor allem, dass sich Zahlungsverkehr und Finanzierung normalisieren. „Die Politik hat geliefert, nun müssen sich die Banken bewegen“, sagt Holdhof.

Große Hoffnungen verknüpft Mirko Engel mit dem Embargo-Ende. Er ist Geschäftsführer des Hamburger Ventilherstellers Leser, der mit 320 Mitarbeitern in Hohenwestedt Sicherheitsysteme produziert, die verhindern, dass petrochemische Anlagen bei plötzlichem Überdruck explodieren: „Der Iran ist für uns einer der wichtigsten Märkte im erweiterten Nahen Osten.“ Obwohl Leser von den Sanktionen nur indirekt betroffen war, waren die Ausfuhren in den Iran um die Hälfte eingebrochen. Nun soll es wieder aufwärts gehen, doch Engel glaubt nicht, dass alles wieder so wird, wie es einmal war: „Die Konkurrenz ist härter geworden, die Risiken sind gewachsen.“

Gute Planung ist wichtig

Während sich Vertreter anderer Länder die Klinke in die Hand geben, plant das Wirtschaftsministerium in Kiel derzeit noch keine Delegationsreise: „Wir beobachten den Markt sehr genau“, sagt Minister Reinhard Meyer. Erst im November habe es vielversprechende Gespräche bei einem Besuch einer iranischen Delegation in Brunsbüttel gegeben. Für hektische Aktivität besteht nach Einschätzung von WTSH-Chef Bernd Bösche auch kein Grund, stattdessen gehe es um eine gute Planung: „Wer vor Ort ist, wenn alle da sind, geht schnell in der Masse unter.“

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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