12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Wie teuer ist uns der Ökostrom?

Energiediskurs Wie teuer ist uns der Ökostrom?

Von sieben auf 26 Prozent ist der Anteil von Ökostrom dank des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) seit dem Jahr 2000 bis heute gestiegen. Allerdings hat diese Erfolgsgeschichte auch zu einer gewissen sozialen Schieflage geführt. Experten raten in Kiel zum Energie-Soli.

Voriger Artikel
Weniger Kürbisse in Schleswig-Holstein
Nächster Artikel
Früherer Conergy-Chef Ammer freigesprochen

Von sieben auf 26 Prozent ist der Anteil von Ökostrom dank des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) seit dem Jahr 2000 bis heute gestiegen.

Quelle: Ingo Wagner/dpa

Kiel. Die EEG-Umlage, die allein seit 2010 von zwei auf jetzt mehr als sechs Cent pro Kilowattstunde hochschnellte, führt zu einer Umverteilung von unten nach oben. Das rechnete am Montagabend auf dem mit 130 Teilnehmern bestens besuchten Kieler Energiediskurs im Wissenschaftszentrum Volkswirt Carsten Schröder seinem Publikum vor. Schröder, der von 2007 bis 2014 Juniorprofessor in Kiel war und jetzt Leiter des Bereichs „angewandte Panel-Analysen“ im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ist, kam in seinem Vortrag über die Akzeptanz der Energiewende zu dem Schluss, dass an der Kostenschraube nur noch sehr begrenzt gedreht werden kann, wenn der Abschied von Atom und Kohle eine Mehrheit der Deutschen hinter sich haben soll.

 Schon die reine EEG-Umlage, die derzeit für einen Zwei-Personen-Haushalt bei etwa 160 Euro im Jahr liegt, erhöht nach Schröders Erhebungen das Armutsrisiko von 13,2 auf fast 13,5 Prozent. Immerhin 1,5 Prozent ihres verfügbaren Einkommens müssten Geringverdiener für die Energiewende aufbringen, Gutverdiener dagegen nur 0,25 Prozent. Verstärkt wird dieser Ungleichheitseffekt laut Schröder noch dadurch, dass die Förderung aus der EEG-Umlage fast ausschließlich Besserverdienenden zugute kommt: „Es sind eben nicht die Mieter, die sich Photovoltaik aufs Dach stellen, sondern die Hausbesitzer.“

 Durchgerechnet hat der Mann vom DIW auch, wie die Sache gerechter gestaltet werden könnte. So gut wie nichts brächte es demnach, einen Sockel von 500 oder 1000 Kilowattstunden im Jahr von der Umlage zu befreien. Durchaus wirksam wäre dagegen ein Energie-Soli, der genauso wie der einheitsbedingte Solidaritätszuschlag ans zu versteuernde Einkommen gekoppelt sein müsste.

 Unabhängig davon befragten die Forscher auch 3000 Deutsche danach, wie stark ihre Zustimmung zur Energiewende von den Kosten abhängt. Ergebnis: Sollte der Anteil an erneuerbaren Energien um weitere 15 Prozentpunkte wachsen, wäre die Mehrheit nur noch dann dabei, wenn die EEG-Umlage um höchstens einen Cent steigen würde. „Dieser Wert hat uns selber überrascht, weil die bekundete Zahlungsbereitschaft gewöhnlich eher hoch ist, wenn es nur hypothetisch ans Portemonnaie geht“, erläuterte Schröder.

 Die Kostenfrage sei „eine ganz zentrale“, räumte denn auch Staatssekretärin Ingrid Nestle vom Kieler Energiewendeministerium ein. Sie verwies jedoch darauf, dass dank des Ökostroms mehr Geld im Land bleibe, „statt in die Taschen von Ölscheichs oder Gazprom zu fließen“.

 Als „sehr interessantes Modell“ bezeichnete Helge Spehr von den Stadtwerken Rendsburg die Idee vom Öko-Soli. Dies nicht zuletzt deshalb, weil so die wahren Kosten der Energiewende transparent gemacht werden könnten. Ansonsten zeigte sich Spehr, der auch Vorsitzender des Verbands der Schleswig-Holsteinischen Energie- und Wasserwirtschaft (VSHEW) ist, eher frustriert über die Rolle, die kleine und mittlere Stadtwerke bei der Energiewende spielen. Die Kraft-Wärme-Kopplung, in der regionale Versorger traditionell stark seien, werde kaum noch gefördert, beim Windstrom sei die Rendite „so mager, dass es kaum lohnt, noch einzusteigen“, die geplante Einführung digitaler Stromzähler sei teuer, marktfern und den Kunden kaum noch zu vermitteln.

 Akzeptanzprobleme scheint die Energiewende also nicht nur bei den Verbrauchern, sondern auch bei den Versorgern zu bekommen. Und auf dem Land sowieso: Zahlreiche Anhänger des Vereins „Gegenwind“ machten beim Kieler Energiediskurs ihrem Ärger über den stetigen Ausbau der Windkraft Luft und betonten, dass wegen der Lärmbelästigung und der Beeinträchtigung des Landschaftsbildes die Grenze längst erreicht sei.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3