17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Erbstreit: Auf die Taktik kommt es an

Rechtsanwaltskammer Erbstreit: Auf die Taktik kommt es an

Wenn ein Angehöriger stirbt und es ums Erbe geht, können aus Geschwistern schon einmal Feinde werden. Dabei gibt es einen Weg, Gerichtsprozesse zu vermeiden. Mit „Mediation im Erbrecht: Familienfrieden wahren“ wollen drei Anwaltsmediatoren in Kiel über einen Weg zur außergerichtlichen Einigung informieren.

Voriger Artikel
Otto Group auf Gewinnkurs
Nächster Artikel
Speisekarte bald ohne Dorsch?

Wenn es ums Geld geht, können auch aus Geschwistern Feinde werden. Die Einschaltung eines Mediators kann Erbstreitigkeiten oftmals in friedlichere Bahnen lenken.

Quelle: jesadaphorn

Kiel.  Einer von ihnen ist Andreas Kühnelt, selber Mediator und Fachanwalt für Erbrecht. „Das Erbrecht ist von vielen Emotionen begleitet, die in Konflikte ausarten können, die niemandem nützen“, sagt der 56-Jährige. Eine Mediation kann diese Situation auflösen, wenn die Konfliktparteien freiwillig und selbstbestimmt daran teilnehmen. Ziel einer Mediation ist es, mit Unterstützung eines neutralen außergerichtlichen Vermittlers – zum Beispiel eines geschulten Rechtsanwalts oder auch von Trägern psychosozialer Berufe – eigenverantwortlich zu einer Lösung zu kommen, die anschließend in einer rechtsverbindlichen Vereinbarung festgehalten wird. Der Mediator wird dabei nach Stundenhonorar oder über eine Einigungsgebühr bezahlt, die Kosten unter den Betroffenen geteilt.

 In einem ersten Gespräch werden dabei die unterschiedlichen Positionen gebündelt: „Ich frage zuerst danach: Welches Ziel wird wirklich verfolgt?“, sagt Kühnelt. Oftmals ginge es nämlich gar nicht um die Immobilie, sondern um tieferliegende Wunden in der Beziehung zum Verstorbenen oder unter den Geschwistern. „Die Verarbeitung der Vergangenheit ist der erste Schritt zu einer möglichen Lösung“, sagt der Rechtsanwalt. Zunächst müssten sich die Betroffenen über ihre wirklichen Interessen im Klaren sein, anschließend würden in einer zweiten Sitzung nach Prüfung möglicher steuerlicher oder kostenbezogener Punkte Lösungen erarbeitet. „Jeder Beteiligte gibt seine persönliche Wunschliste ab, der Fantasie wird dabei freien Lauf gelassen“, sagt Kühnelt. Diese Liste wird anschließend immer weiter verdichtet – nach Möglichkeit bis hin zu einer gemeinsamen Lösung, die anschließend juristisch fixiert wird.

 „Eine Mediation geht nicht nur wesentlich schneller und ist kostengünstiger als ein Rechtsstreit. Ein Richter kann im Gegensatz dazu nur über einen Anspruch entscheiden und hat keine Zeit, die Interessen zu klären“, sagt Kühnelt. Zwar sei auch eine Mediation „kein Wundermittel“, würde den Beteiligten aber Klarheit über ihre wirklichen Interessen vermitteln. Kühnelt: „Eine Mediation soll befrieden – langfristig ist das die bessere Lösung für alle.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3