15 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Finn macht’s für alle einfach

Erfinder aus Glückstadt Finn macht’s für alle einfach

Ein Abiturient aus Glückstadt bereitet dem Chaos auf dem Wohnzimmertisch ein Ende: Er erfand eine handtellergroße Fernbedienung, die mit ein paar Tasten TV, Filme und Musik steuert. Für die Entwicklung warb Finn Plotz bei Investoren über eine Million Euro ein.

Voriger Artikel
Neue Koordinierungsstelle für Landwirtschafts-Exporte
Nächster Artikel
Neue Großaktionäre für Waggonvermieter VTG

Der Geistesblitz kam ihm im Garten – zweieinhalb Jahre später denkt der Glückstädter Finn Plotz darüber nach, die ersten festen Mitarbeiter einzustellen.

Quelle: wel

Glückstadt. Finns Eltern sind offenbar nicht die einzigen, die die Fernbedienung regelmäßig zur Verzweiflung bringt: Um ihre Heimkino-Anlage zu bedienen, brauchten sie regelmäßig die Hilfe ihres Sohnes. Gut, dass sich der damalige Gymnasiast für Technik begeistert und selbst schon mal zum Lötkolben greift. Irgendwann war Finns Geduld am Ende und der Erfindergeist entfacht. „Es war ein schöner Sommertag im Juli 2013, als ich im Garten plötzlich den Geistesblitz hatte: Man müsste die Fernbedienung so einfach machen, dass jeder ohne technische Kenntnisse das Fernsehprogramm, seine Filme und die Lieblingsmusik mit einem Gerät steuern kann“, erzählt Finn Plotz. „Und das Beste war: Ich hatte die Lösung vor Augen.“

Dann passierte etwas, was wohl die wenigsten Leute tun würden, die eigentlich fürs Abi büffeln müssen: Der damals 18-Jährige war fest entschlossen, eine eigene Firma zu gründen, mit der er seine Erfindung auf den Markt bringen könnte. „Es war kein vorübergehendes Ferienprojekt. Halbe Sachen kamen für mich nicht in Frage.“ Wer ist dieser Zwanzigjährige, der derart selbstbewusst über sein Startup-Unternehmen spricht? Warum brütet einer lieber mit einem Freund monatelang über einem Prototyp, als mit den anderen im Schwimmbad den Sommer zu genießen?

"Habe viele Jahre gekellnert"

Ein groß gewachsener junger Mann begrüßt mit festem Händedruck und offenem Gesichtsausdruck seinen Besucher im Café Nettchen, das seinem Vater gehört. „Ich habe viele Jahre gekellnert und mit Kunden und Mitarbeitern zu tun gehabt. Dabei lernte ich zwei wichtige Dinge: Menschenkenntnis und hart zu arbeiten.“ Doch sein Projekt habe er ganz ohne Mithilfe des Vaters durchgezogen, betont Finn. Er habe sie nun mal in sich – diese Hartnäckigkeit, ein derart komplexes Ziel trotz aller Rückschläge zu verfolgen.

In einem schwarzen Kasten hat er sein „Baby“ dabei – eine der ersten Vion-Fernbedienungen aus der Serienproduktion, die im Februar in einem chinesischen Werk gestartet ist. Als das Teil auf dem Tisch liegt, wird klar: Der Tüftler hat die Fernbedienung völlig neu gedacht: Wie ein großer Stein vom Strand liegt die schwere, verchromte Konstruktion in der Hand, die plastische Bedienfläche hält gerade eine gute Handvoll Tasten bereit. Zu diesem Schmuckstück, das gerade mit dem renommierten iF Design Award ausgezeichnet wurde, gehört eine kleine, schwarze Box, die computergesteuerte Schaltzentrale. „Mit Vion muss ich nicht verschiedene Geräte mühevoll verbinden, denn in der Box sind alle Funktionen bereits vereint“, erklärt der Erfinder. Verschiedene TV-Receiver sind dort ebenso eingebaut wie der Onlinezugriff auf Musikdienste wie Juke oder Spotify über WLAN. Der Nutzer kann aus Tausenden Filmen einer Online-Videothek (kostenpflichtig) ebenso zugreifen wie auf die (kostenlosen) Mediatheken der TV-Sender. Er braucht die Fernbedienung nicht zu programmieren oder konfigurieren, sie funktioniert mit jedem Flachbildfernseher und jeder Stereoanlage.

Die ersten Geräte sind raus

Die ersten 2500 Geräte haben das chinesische Werk in Shenzhen, in dem auch Sony produzieren lässt, in diesen Tagen verlassen. „Und schon fast alle Geräte sind reserviert“, sagt Finn selbstbewusst, so als hätte er den Erfolg der immerhin 279 Euro teuren Innovation glasklar vorhergesehen. Demnächst kommen die Geräte in die Läden. Bis das Projekt soweit gedeihen konnte, musste der Gymnasiast einen mühevollen Weg gehen: Investorengespräche, Fabrikbesichtigungen, Termine mit Designern und Ingenieuren, auch eine tolerante Abmachung mit dem Schulleiter über ausfallende Schulstunden gehörten dazu.

Von Joachim Welding

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3