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Erdbeeren früher reif im Folientunnel

Ernte Erdbeeren früher reif im Folientunnel

Man muss schon ganz genau hinschauen, um die ersten Blüten an Erdbeerpflanzen auf den Feldern der 89 Obstbauern in Schleswig-Holstein zu entdecken. Dennoch könnte es laut Landwirtschaftskammer ab Anfang Mai losgehen mit der Ernte der ersten reifen Früchte.

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Beste Wuchsbedingungen unter dem sonnendurchfluteten Tunneldach: In diesem 100 Meter langen mobilen Gewächshaus auf Gut Warleberg sollen ab Anfang bis Mitte Mai die ersten Erdbeeren geerntet werden. Damit die Pflanzen nicht unter der Feuchtigkeit leiden, muss hier täglich in der Mittagszeit gelüftet werden.

Quelle: Frank Peter

Neuwittenbek. „Wir hoffen auf eine möglichst lange Verkaufssaison und stabile Preise“, sagt Obstbauer Frederik Kerlen.

Der Betriebsleiter der 2009 gegründeten Obstbau GbR, die zum Gut Warleberg in Neuwittenbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde) gehört, baut in diesem Jahr auf 14,5 Hektar Erdbeeren an, die zur Familie der Rosengewächse zählen. Und weil die Nachfrage nach den süßen Früchtchen groß ist – 2015 wurden hier etwa 160 Tonnen verkauft – setzt Kerlen in diesem Jahr erstmals auch auf Foliengewächshäuser. Sieben dieser Tunnel stehen nebeneinander auf einem Feld hinter dem Gutshof. 100 Meter ist jeder lang, jeweils acht Reihen Erdbeeren auf kleinen Dämmen finden Platz – und befahrbar sind die Tunnel ebenfalls. Tägliches Lüften, bewässern, auf Schädlinge prüfen: ein enormer Aufwand, den der wirtschaftliche Erfolg am Ende rechtfertigen soll.

Katastrophale Preise

Alleine die Materialkosten betragen 60 000 Euro, der Aufbau der mobilen Gewächshäuser dauerte mit sechs Mitarbeitern eine Woche. „So können wir die Saison mit speziellen Sorten und Techniken wie der Verfrühung oder Verspätung auf insgesamt etwa dreieinhalb Monate strecken. Im Freien alleine wäre nach vier bis sechs Wochen Schluss“, sagt der 39-jährige Diplom-Agrarwissenschaftler.

Zuerst wird ab Anfang bis Mitte Mai die Sorte „Clery“ direkt ab Hof oder auf den 14 Verkaufsständen in Kiel und dem Umland feilgeboten, später folgen Sorten, die unter Vlies und Folien gereift sind, anschließend Freilandware, auch für Selbstpflücker. „Es ist sehr wichtig, die Mengen so steuern zu können, damit wir sie nach Möglichkeit auch alle selber direkt verkaufen können“, betont Kerlen. Der Großhandel mache „katastrophale Preise, teilweise weniger als ein Euro pro Kilogramm. Dann brechen wir lieber schon mal eine Fläche um“.

Tilmann Keller vom Obstbauberatungsring des Alten Landes kennt die Gründe für die Preissensibilität der Landwirte: „Der steigende Mindestlohn für die Erntehelfer macht es immer schwerer, kostendeckend zu arbeiten. Die Zahl der Betriebe wird deshalb weiter zurückgehen.“ Wurden Erntehelfern bis 2014 oftmals Löhne unterhalb von sieben Euro gezahlt, sind es ab November 2017 bereits 9,10 Euro. „Wir müssen Kostendisziplin halten und dies bei unserer Preisgestaltung berücksichtigen“, sagt Kerlen. 81 Cent pro Kilogramm betrage derzeit im Schnitt der Pflücklohn, hinzu kämen steigende Kosten für Logistik, Maschinen und Material.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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