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Vom Tiger, einer Maus und ganz vielen Rüben

Ernte in Schleswig-Holstein Vom Tiger, einer Maus und ganz vielen Rüben

„Die Zuckerrübe ist die Königin der Ackerfrüchte. Sie ist so ein bisschen Primadonna, anspruchsvoll, aber wenn man mit ihr kann, kann man richtig was draus machen“, sagt Jürgen Hinrichsen, schlägt den Kragen seiner Jacke hoch und schaut auf den großen Berg imposanter knolliger Erdfrüchte.

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Er hat seinen Traumjob gefunden, auch wenn er zurzeit Überstunden macht: Henrik Quentmayer fährt den Rübenroder mit Namen Tiger.

Quelle: Sonja Paar

Tolk. Es ist noch früh am Morgen. Der Himmel ist grau verhangen und auf dem Feld am Rande von Tolk (Kreis Schleswig-Flensburg) weht eine steife Brise. Hinrichsen ist selbst Rübenbauer und Gebietsbetreuer der Transportgesellschaft Schleswig-Holstein (TG). Auf 16 Hektar baut er Zuckerrüben an. Die sind bereits gerodet. Nun ist er im Auftrag der TG unterwegs. „Ich spreche mit den Landwirten, wie sie ihre Zuckerrüben in der Miete richtig aufschütten können, damit unsere Maus diese gut verladen kann“, erklärt er. Wer nicht aus der Landwirtschaft stammt, fragt sich, wie der Hersteller das gelbe Riesengefährt, das die Zuckerrübenberge aufnimmt, reinigt und auf Lkw verlädt, auf den Namen Maus taufen konnte. Doch dazu später mehr.

 In der Verlademaus auf fast drei Metern Höhe sitzt Jens Petersen, ebenfalls Landwirt, und pflügt sich durch die Knollen, während Ruben Hammele für jeden gefüllten Lkw eine Rübenprobe in einen Sack befördert und die einzelnen Ladungen etikettiert. „Das ist ein echter Knochenjob. Die Erntezeit, die bei uns Kampagne heißt, dauert vier Monate. Die ist Ruben bei Wind und Wetter mit den schweren Rüben hier draußen zu Gange und schickt die Proben für die Messung des Zuckergehaltes ins Labor“, erklärt Hinrichsen. Er schaut sich die Straße an, auf der die Lkw gerade davonfahren, und runzelt die Stirn. „Rüben haben ein großes Gewicht, und wir bewegen enorme Mengen. Da müssen wir sehen, dass wir die Gemeinden nach der Ernte nicht mit den verschmutzten Straßen alleine lassen.“ Auch in Tolk wird sich der Gebietsbetreuer um die Reparatur der Bankette und das Reinigen der Straße kümmern. Dann geht wieder einmal das Telefon. Eine der vier Verlademäuse der TG ist ausgefallen. Und wenn die Maus steht, stehen auch die Lkw. Hinrichsen muss umplanen.

 Henrik Quentmayer steht auf einem Feld ganz weitab. Die Leute sagen, hier könne man schon morgens sehen, wer mittags zum Essen kommt. Quentmayer mag diese Weite und die ebene Landschaft. Er ist der Herr über einen Tiger. Tiger? „Ja, so heißt der Rübenroder.“ sagt Quentmayer. Der Tiger, Anschaffungskosten 400000 Euro, arbeitet hier auf ebener Fläche einen Hektar Rüben in der Stunde weg, und Quentmayer hat auf seinem Sitz hoch oben seinen Traumjob gefunden, auch wenn er gerade Überstunden schiebt. „Jetzt im Herbst werden es auf den Feldern auch mal mehr als zwölf Stunden. Wir müssen ja das gute Wetter ausnutzen.“ Vergangene Woche war er sogar in Dänemark im Einsatz. Das Schlimmste sei dann die Strecke zurück – mit 27 Kilometer pro Stunde gemütlich über die Landstraße.

 Die Rüben, die er erntet, sehen aus wie explodierte Radieschen. „Das sind Futterrüben“, erklärt Hinrichsen. Nördlich des Nordostseekanals gehe die Ernte komplett in die Biogasanlagen der Region. Die Zuckerfabrik in Uelzen sei so weit weg, dass sich der Transport dorthin nicht lohne. „Der Transport kostet 17 Euro pro Tonne bei einem Warenwert von gut 30 Euro. Das ist Wahnsinn“, so Hinrichsen. Für die Biogasanlagen ist der Zuckergehalt unwichtig, also verlegen sich die Landwirte darauf, andere Züchtungen anzubauen.

 Hinrichsen sieht als Landwirt Biogasanlagen kritisch. Doch er weiß auch, dass mit dem Wegfall der Marktordnung in zwei Jahren die Rübenpreise schwanken werden. Spätestens dann werden die Biogasanlagen eine Alternative.

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Zuckerrübe
Foto: Henrik Quentmayer erntet ausnahmsweise mit der Hand.

Seit Mitte September haben die Rübenbauern im Norden die Feldfrucht auf etwa 6000 Hektar Anbaufläche geerntet, jetzt, Mitte November, soll die Rodung beendet sein.

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