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Eingesperrt in der Kombüse

Escape Games made in Kiel Eingesperrt in der Kombüse

Rieke Muuß aus Kiel und ihre Brüder Felix und Fridolin haben sich in Norddeutschland mit sogenannten Escape Games selbstständig gemacht. Mit "Hidden in Hamburg" ist sie jetzt auf Erfolgskurs.

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Die Kielerin Rieke Muuß (25) hat „Hidden in Hamburg“ gegründet. Bei dem Escape-the-Room-Spiel auf dem Schiff „Rickmer Rickmers“ müssen Gruppen Rätsel lösen und sich dadurch aus der Kombüse befreien.

Quelle: Anne Holbach

Hamburg. Es ist kühl in der Kapitänskajüte auf der „Rickmer Rickmers“. Rechts stehen fünf mit Schlössern verriegelte Holzkisten, ein grün-roter Papagei thront in einem Käfig darüber. Auf dem Schreibtisch liegt ein vergilbter Brief. „Piraten haben das Schiff geentert und die Crew hier eingesperrt“, sagt Rieke Muuß. „Nur wenn sie alle Rätsel im Raum löst, kann sie entkommen, bevor das Schiff sinkt.“

 Die 25-jährige Kielerin ist die Chefin von „ Hidden in Hamburg“, einem Anbieter von Escape-the-Room-Spielen. Dabei werden Personen in einen Raum gesperrt und müssen versuchen, sich innerhalb von 60 Minuten mit Hilfe von versteckten Hinweisen wieder zu befreien. Es gilt eine Morsenachricht zu entschlüsseln, Rechenaufgaben zu lösen oder eine Flaschenpost zu finden.

 Die Geschäftsidee kam Rieke Muuß nach einem Auslandssemester in Budapest. „Das war damals die Hauptstadt der Escape Games in Europa, dort habe ich das Spiel das erste Mal ausprobiert“, sagt sie. „Ich wollte mich nach meinem Marketing-Studium gerne selbstständig machen und mir gefiel das Konzept.“ Sie erstellte einen Businessplan, ging an ihr Erspartes und nahm einen Kredit auf.

 „Eigentlich war niemand aus meinem Umfeld skeptisch – außer mir. Vor der Eröffnung brauchte ich Baldrian für den Tag und Baldrian für die Nacht“, erzählt die 25-Jährige. Im Februar 2015 eröffnete sie schließlich „Hidden in Hamburg“ mit zwei Rätselräumen in der Rothenbaumchaussee in Hamburg. Im September kamen die Kombüse und die Kapitänskajüte auf dem Museumsschiff „Rickmer Rickmers“ als Spielorte dazu.

 Riekes Familie hat sie von Anfang an unterstützt, inzwischen sind auch ihre beiden großen Brüder eingestiegen. Felix (32) teilt sich die Geschäftsführung mit ihr in Hamburg, Fridolin (29) kümmert sich um einen Ableger in Braunschweig. „Wir sind alle leidenschaftliche Drei-Fragezeichen-Fans“, sagt sie. „Da hat die Begeisterung hierfür sicherlich ihren Ursprung.“

 Die Ratespiele denkt sich die Unternehmerin selbst aus. „Am Anfang habe ich viele Rätsel entwickelt, die nicht funktionierten. Inzwischen habe ich Erfahrung, was aufgeht und was nicht.“ Sind die Aufgaben zu knifflig, seien die Kunden schnell entmutigt, zu leicht dürften sie aber auch nicht sein. „Ich denke, ein gesundes Mittelmaß ist wichtig. Die Gruppen sollen ja nicht schon in einer Viertelstunde wieder draußen sein.“

 Als Rieke Muuß vor anderthalb Jahren an den Start ging, gab es nur zwei Konkurrenten in Hamburg, heute sind es elf. „Bundesweit ist Hamburg inzwischen die am dichtesten besiedelte Stadt, was Escape Games angeht“, sagt sie. Aber die Konkurrenz belebe das Geschäft. In Deutschland gibt es derzeit in 83 Städten rund 190 Anbieter. Doch trotz des umkämpften Markts läuft ihr Geschäft: Das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen und beschäftigt inzwischen 20 Mitarbeiter. „Wir können gut davon leben“, sagt Rieke Muuß. 80 Gruppen pro Woche spielen bei ihr im Durchschnitt. An den Wochenenden kommen vor allem Privatkunden, die Junggesellenabschiede oder Geburtstage feiern. Auch Touristen und Schulklassen zählen zu den Besuchern. Werktags sind es meist Geschäftskunden, die das Spiel als Teambuilding-Maßnahme oder für Firmenfeiern buchen. Je nach Gruppengröße und Location kostet der Spaß 70 bis 150 Euro.

 Im Spätsommer wollen die Geschwister in Hannover einen Escape Room eröffnen. Auch in ihrer Heimatstadt Kiel haben sie sich schon nach Räumlichkeiten umgeschaut, aber noch nichts passendes gefunden. „Damit würden wir uns einen Traum erfüllen“, sagt Rieke Muuß. Zuerst wird aber in Hamburg expandiert, ab Ende des Jahres soll auch auf dem Frachtschiff „Cap San Diego“ an den Landungsbrücken gespielt werden.

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