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Ohne Risiko ist kaum was drin

Expertenrat am Telefon Ohne Risiko ist kaum was drin

Zwei Stunden lang liefen die Drähte heiß: Zinsen im Dauertief machen es Sparern und Anlegern schwer. Wie legt man sein Geld am besten an? Welche Anlage lohnt sich und passt zu mir? Hilfestellung und guten Rat zur Geld- und Vermögensanlage gab es bei einer Telefonaktion unserer Zeitung mit einem Expertenteam vom Bundesverband deutscher Banken. Ein Auszug zum Nachlesen:

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Sie hatten viel zu tun: Geld-Experten Matthias Krohm, Heike Schumann und Jörn Kirstein (von links).

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Frage: Wie lege ich am besten das Geld aus dem Verkauf einer Wohnung an? Bisher liegt es auf einem Tagesgeldkonto und bringt kaum Zinsen.

Lassen Sie einen Teil kurzfristig verfügbar auf dem Tagesgeldkonto als Reserve für Notfälle. Wie Sie das übrige Geld anlegen, hängt von Ihren Anlagezielen und Ihrer Risikoneigung ab. Im festverzinslichen Bereich ist derzeit keine nennenswerte Rendite zu erzielen. Wenn Sie mehr möchten und das Geld für einige Jahre anlegen können, sind Mischfonds möglicherweise eine Lösung. Einzelheiten besprechen Sie am besten mit Ihrem Berater.

Welchen Anlagehorizont sollte man haben, um in Mischfonds anzulegen?

Sinnvoll sind wenigstens fünf Jahre, besser zehn Jahre. Achten Sie auch auf die Höhe des Ausgabeaufschlags, der beim Kauf einmalig anfällt und der die Rendite am Anfang mindert.

Welche Wertpapiere sollte ich auf jeden Fall meiden?

Wertpapiere, die Sie nicht verstanden haben oder deren Risiken Sie nicht durchschauen. Und Wertpapiere, die ein höheres Risiko haben als Sie eigentlich eingehen möchten.

Lohnt es jetzt noch in Aktien anzulegen?

Die Aussichten für die Aktienmärkte sind weiterhin positiv, nicht zuletzt wegen der hohen Liquidität. Da auch die Gewinne der Unternehmen gestiegen sind, sind Aktien im Schnitt nicht überteuert – allerdings auch nicht mehr billig.

Sind Aktien von Schwellenländern attraktiv?

Langfristig ja. Um hier eine breite Risikostreuung zu erreichen, empfiehlt es sich einen entsprechenden Fonds mit Aktien aus Schwellenländern gegenüber Einzelaktien zu bevorzugen.

Ich bin 60 Jahre alt, die aktuelle Aktienquote beträgt 66 Prozent. Soll ich die Quote reduzieren?

Mit Blick auf den in einigen Jahren anstehenden Ruhestand könnte man die Aktienquote reduzieren, um Risiken zu mindern und mehr Sicherheit in die Vermögensanlage zu bringen. Allerdings müssen Sie sich dann auch auf weniger Rendite einstellen. Es ist eine Frage der persönlichen Einstellung – wollen Sie lieber mehr Sicherheit oder dh mehr Rendite?

Bei meiner Lebensversicherung sinkt die Verzinsung von Jahr zu Jahr. Kann sie auch unter den Garantiezins von vier Prozent fallen?

Der Garantiezins wird auf den Sparanteil der Lebensversicherung gezahlt und ist für die gesamte Vertragslaufzeit fix. Sinken kann also nur der sogenannte Überschusszins, der über den Garantiezins hinaus gezahlt wird. Bei den aktuell niedrigen Zinsen müssen Sie damit rechnen, dass über Ihren Garantiezins hinaus keine zusätzlichen Überschusszinsen mehr gezahlt werden.

Meine Lebensversicherung wird in drei Jahren fällig. Sie stammt aus den 90er Jahren und hat noch einen Garantiezins von vier Prozent. Soll ich wegen ständig sinkender Verzinsung vorzeitig kündigen?

Eine vorzeitige Kündigung hätte finanzielle Nachteile. Sie würden den sogenannten Schlussüberschuss verlieren, der üblicherweise am Ende der regulären Laufzeit gezahlt wird. Sie haben außerdem noch einen Vertrag mit einem attraktiven Garantiezins. Für neue Verträge beträgt der Garantiezins nur noch 1,25 Prozent.

Was ist mit meinen Rentenfonds, wenn die Zinsen steigen?

Bei steigendem Zinsniveau drohen Kursverluste für festverzinsliche Wertpapiere. Dies gilt besonders für Anleihen mit langen Restlaufzeiten. Das würde sich entsprechend negativ auf die Wertentwicklung von Rentenfonds auswirken.

Ich habe über 100000 Euro in Rentenfonds, die gut gelaufen sind und mir bisher eine sehr gute Rendite brachten. Soll ich die jetzt verkaufen und das Geld stattdessen in Aktienfonds anlegen?

In der Tat sind große Wertsteigerungen bei Rentenfonds kaum noch zu erwarten. Bei einer nachhaltigen Zinswende drohen vielmehr Kursverluste. Da sind die künftigen Renditechancen bei Aktienfonds größer. Schichten Sie aber nicht gleich alles in Aktienfonds um, gehen Sie schrittweise vor. Und achten Sie grundsätzlich auf eine breite Streuung Ihres Vermögens.

Ich bin 70 Jahre und habe 300000 Euro Festgeld. Soll ich lieber eine Wohnung kaufen, vielleicht auch eine Ferienwohnung, da es fast keine Zinsen mehr gibt?

Die Erfahrung zeigt, dass Immobilien in guter Lage immer ihren Preis haben. Doch Sie sollten einen Immobilienkauf sorgfältig überlegen und nicht allein von den aktuell niedrigen Zinsen abhängig machen. Berücksichtigen Sie auch die steuerliche Seite, besprechen Sie das mit Ihrem Steuerberater vor einem Kauf.

 Sind Aktienanleihen wegen der hohen Zinsen empfehlenswert?

Bei Aktienanleihen darf man nicht allein auf die hohen Zinsen schauen. Wenn Sie am Ende die zugrunde gelegten Aktien eingebucht bekommen, müssen Sie mit Verlusten rechnen. Schauen Sie sich also auch genau die Aktien an, auf die sich die Aktienanleihe bezieht.

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)