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Eine Werkstatt für Menschen mit Visionen

Fab Lab im Wissenschaftspark Eine Werkstatt für Menschen mit Visionen

„Einfach mal anfangen“, sagt Florian von Wieding. So könnte man die Idee hinter dem neuen fablab.sh im Wissenschaftspark zusammenfassen. Hier sollen Ideen verwirklicht und selber Hand angelegt werden. Am Freitag, den 15. Januar, wird das Fab Lab offiziell eröffnet.

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Der 3-D-Drucker wartet auf den Einsatz: Michel Voigt, Volker Breust und Florian von Wieding (von links) haben in den vergangenen anderthalb Monaten viel Arbeit in die Werkstatt gesteckt, damit das Fab Lab rechtzeitig zur Eröffnung fertig wird.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Fab Lab ist die Abkürzung für „fabrication laboratory“, also ein Fabrikationslabor. Es ist eine Hightech-Werkstatt, in der Laien mit Profigeräten einfach Dinge herstellen können. Vorbild sind Techshops in der USA, wo technisch Interessierte schon seit Jahren gemeinsam an 3-D-Druckern und Lasercuttern basteln.

 In der Fraunhoferstraße stehen die drei 3-D-Drucker noch still, am Freitag feiert das Fab Lab seine offizielle Eröffnung. Auf der Fensterbank stehen selbst gegossene Betonlampen, die Arbeitstische sind Eigenbau. Rechts wartet eine Industrienähmaschine auf ihren ersten Einsatz, Drehbank und Lasercutter stehen bereit. „Warum braucht Kiel ein Fab Lab? Weil jede Stadt eins haben sollte“, sagt von Wieding mit einem Grinsen. Dem 30-jährigen Maschinenbauer kam die Idee, so eine Werkstatt hier aufzubauen, nach einer Hausarbeit an der Fachhochschule. Kurz darauf lernte er den Produktdesigner Volker Breust kennen, der die gleiche Vision hatte.

 „Allein in der Werkstatt oder im Hobbykeller stehen, ist doch blöd“, sagt der 47-Jährige. Immer mehr Menschen lebten in Wohnungen, hätten keinen Platz für eine eigene Werkstatt oder kein Geld, um sich teure Geräte anzuschaffen, die sie nur selten brauchten. Dem Produktdesigner ist der Austausch wichtig. „Ich finde es toll, dass man hier mit Leuten aus verschiedenen Fachrichtungen zu tun haben wird.“

 Ein interdisziplinärer Arbeitsraum und eine Ideenschmiede soll das Fab Lab werden. Menschen mit Visionen sind die Zielgruppe, sagt von Wieding: „Das können Muthesius-Studenten sein oder junge Leute aus der Start-up-Szene, aber auch ein 50-Jähriger, der ein Projekt verwirklichen will.“

 Eine Minute am Lasercutter soll etwa 80 Cent kosten. Für die einzelnen Werkstattbereiche gibt es auch Flatrates, die im Monat zwischen 20 und 30 Euro kosten. „Ich muss nicht Tausende von Euro in die Hand nehmen, um einen Prototypen in einer Fabrik herzustellen“, sagt Breust. „Das macht auch das Scheitern billiger.“

 Träger des Projekts ist die opencampus.sh, finanziert aus Mitteln des Landes. Rund 60 bis 80000 Euro kostet der Aufbau eines Fab Labs im Durchschnitt. „Wir haben mit wenig Geld viel geschafft“, sagt von Wieding. Sechs Leute ist das Team stark, die meisten sind ehrenamtlich dabei. Viel ist hier in den vergangenen anderthalb Monaten im Eigenbau entstanden. Und noch fehlen dem Fab Lab einige Dinge, wie eine Laser-Sinter-Maschine oder eine CNC-Fräse. „Wir suchen noch nach Unternehmen, die Kooperationspartner werden möchten und uns fördern wollen“, sagt von Wieding.

Eröffnung am Freitag

Am Freitag um 13 Uhr eröffnet das fablab.sh in der Fraunhoferstraße 2-4, Ecke Grippstraße. Künftig ist die Werkstatt immer dienstags zwischen 15 und 21 Uhr, mittwochs von 14 bis 20 Uhr und donnerstags von 14 bis 19 Uhr geöffnet. Montags finden Einführungsworkshops statt.

Die Idee kommt aus Amerika

Die Idee , eine Einrichtung aufzubauen, in der man (fast) alles selbst herstellen kann, stammt vom US-Amerikaner Neil Gershenfeld. Der Physikprofessor wollte, dass seine Studenten nicht nur konsumieren, sondern selbst kreativ werden.

2002 schuf er für eine Veranstaltung am „Center for Bits and Atoms“ in Massachusetts die erste Werkstatt und setzte eine weltweite Bewegung in Gang. Fab Labs sollen die Herstellung von Produkten demokratisieren, sodass Menschen Ideen umsetzen können, deren Fertigung sonst zu kostspielig wäre.

Heute gibt es Fab Labs in 65 Ländern, in Deutschland eröffnete das erste vor sechs Jahren in Aachen. In Schleswig-Holstein gibt es seit 2014 ein Fab Lab in Lübeck.

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Ein Artikel von
Anne Holbach
Wirtschaftsredaktion

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