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Städte suchen händeringend Personal

Fachkräftemangel in SH Städte suchen händeringend Personal

Immer mehr Städte in Schleswig-Holstein haben erhebliche Probleme, Personal für die kommunalen Aufgaben zu finden. Die Landeshauptstadt Kiel, die dieses Jahr ihre Stellenzahl um 272 aufstockte, konnte bisher nur die Hälfte davon besetzen.

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 Susanne Schöttke, Geschäftsführerin im Verdi-Bezirk Kiel-Plön.

Quelle: verdi

Kiel/Lübeck/Neumünster. Die Suche etwa nach Sozialpädagogen, Erziehern, Ingenieuren oder Technikern wird immer schwieriger. Der Kieler Personaldezernent Wolfgang Röttgers (SPD) bringt die Lage so auf den Punkt: Der Aufwand für die Betreuung von Flüchtlingen oder den Ausbau der Kinderbetreuung wächst für viele Städte, sodass alle nach Fachkräften suchen. Werde der Markt enger, seien Private bereit, mehr zu zahlen. Die Landeshauptstadt hat zudem das Problem, dass in den nächsten Jahren viele Beschäftigte in den Ruhestand gehen. „Wir müssen spätestens ab 2018 mehr ausbilden.“

Sozialpädagogen gesucht

In anderen Städten des Landes ist die Situation ebenso dramatisch. Lübeck fehlen derzeit vor allem Lebensmittelexperten, so dass die Zahl der Routinekontrollen bereits reduziert worden ist. „So gravierend, dass eine konkrete Gefährdung für die Bürger bestünde, ist die Lage aber nicht“, sagte eine Stadtsprecherin. Aktuell werden in der Hansestadt darüber hinaus besonders Amtstierärzte, Humanmediziner und Sozialpädagogen gesucht. Weil viele Mitarbeiter kurz vor dem Ruhestand stehen, erwartet Lübeck auch bei Schulsekretärinnen, Reinigungskräften und Ingenieuren in den nächsten Jahren Probleme.

Zu viele Zeitverträge

Ähnlich der Trend in Neumünster: Auch dort fehlen Lebensmittelkontrolleure, aber die Liste der Bereiche mit Bewerbermangel ist noch viel länger. „Der Markt in den Berufsfeldern Informationstechnik, Ärzte im Gesundheitsdienst und Amtstierärzte ist für öffentliche Arbeitgeber sehr schwierig“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt, die zugleich mit Blick auf die Gehaltsmöglichkeiten beklagt, „dass wir mit der Konkurrenz der freien Wirtschaft oftmals nicht mithalten können“. Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, Telearbeit und Sozialleistungen versucht Neumünster dennoch bei Bewerbern zu punkten. Der Kreisverwaltung Segeberg, die ebenfalls keine konkreten Zahlen nennt, geht es ähnlich. Dort fehlen besonders Verwaltungsfachangestellte und Sozialpädagogen.

Susanne Schöttke, Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Kiel-Plön, freut sich zumindest, dass die Probleme nun erkannt werden. „Über viele Jahre hat keine systematische Nachbesetzung stattgefunden.“ Zu viele Zeitverträge, Arbeitsverdichtung und schlechtere Gehälter seien für die Situation in vielen Städten mitverantwortlich. Jetzt gelte es, eine Art „Zukunftsstrategie“ zu entwickeln, um das Problem in den nächsten Jahren zu entschärfen.

Von Martina Drexler und Kristian Blasel

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