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Abwrackprämie soll Dorschfischer entlasten

Fangmengen Abwrackprämie soll Dorschfischer entlasten

Viele Fischer im Land bangen um ihre Existenz, weil die Fangmenge für den Dorsch 2017 drastisch gekürzt werden soll. Jetzt stellte das Bundesministerium für Landwirtschaft eine Abwrackprämie und vier Millionen Euro in Aussicht, um die Betriebe durch das Krisenjahr 2017 zu führen.

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Ulrike Rodust, SPD-Fischereiexpertin: „Die Lage ist dramatisch. Deshalb müssen wir tragfähige Modelle entwickeln.“

Quelle: Björn Schaller

Lübeck. Nach einer Empfehlung des Internationalen Rats für Meeresforschung (ICES) soll die Quote für den westlichen Dorsch im kommenden Jahr um 85 Prozent reduziert werden. Nach den Daten des ICES ist der Dorsch-Jahrgang 2015 nahezu komplett ausgefallen. „Die Lage ist dramatisch. Vor dem Problem der schlechten Bestandsentwicklung des Dorsches die Augen zu verschließen und wie bisher weiterzumachen, ist keine Option. Deshalb müssen wir tragfähige Modelle entwickeln“, sagte Ulrike Rodust (SPD), schleswig-holsteinische Fischereiexpertin im EU-Parlament, die Vertreter aus Politik, Fischerei und Forschung zu einem ersten Krisentreffen eingeladen hatte.

 Möglich wird die millionenschwere Subvention erst durch den Ostseemanagement-Plan, der gerade von EU-Parlament und -Rat beschlossen wurde: So kann den Fischern in extremen Krisensituationen finanziell unter die Arme gegriffen werden. „EU und Bundesregierung teilen sich die vier Millionen Euro“, sagte Walter Dübner vom Bundeslandwirtschaftsministerium. „Wie wir das Geld genau verteilen, müssen wir bei den nächsten Treffen noch erarbeiten.“

 Einig waren sich die Beteiligten bereits darin, den Fischern eine Abwrackprämie für ihre Kutter anzubieten. Damit sollen Schiffe ganz oder zeitlich befristet stillgelegt, zudem soll älteren Fischern ein sozialverträglicher Ausstieg ermöglicht werden. „Unsere Schiffe gleichen der Pkw-Flotte auf Kuba, sie sind stark renovierungsbedürftig“, sagte Peter Breckling vom Deutschen Fischereiverband. Etwa 400000 Euro sollen für die Ausbildung des Fischer-Nachwuchses ausgegeben werden. Ulrike Rodust ist sich sicher: „Wenn wir jetzt handeln, wird der Beruf des Fischers 2020 wieder attraktiv sein.“ Silke Schneider, Staatssekretärin im Landes-Ministerium für Landwirtschaft, plädierte für ein „solidarisches Miteinander“. Das beträfe auch die vielen Freizeitangler im Land. Sie fangen 2500 Tonnen Dorsch pro Jahr. Sollte die Quotenkürzung umgesetzt werden, würden die 240 Berufs-Dorschfischer im Norden nur noch 360 Tonnen fangen dürfen. „Wir können uns vorstellen, die Mindestgröße für die Entnahme des Dorsches von 38 auf 42 Zentimeter anzuheben und Laichgebiete für Freizeitangler zu sperren. Eine begrenzte Fangmenge von zehn Dorschen pro Tag lehnen wir aber ab“, so Christel Happach-Kasan, Sprecherin des Angelfischer-Verbands.

 Die endgültige Entscheidung über die Fangmengen wird der EU-Ministerrat im Oktober fällen.

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Ein Artikel von
Sven Hornung
Redakteur für besondere Aufgaben

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Der Dorsch ist das Sorgenkind der Ostsee. Die Gründe sind vielschichtig: falsche Berechnungen, Einfluss des Salzwassergehalts und eine Quote, die entgegen der wissenschaftlichen Erkenntnisse seit Jahren zu hoch angesetzt wurde. Aktuell können nur zwei, drei Dorschjahrgänge befischt werden, über fünf sollten es eigentlich sein.

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