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Gigaliner haben eine Zukunft

Feldversuche im Land Gigaliner haben eine Zukunft

134 Lang-Lkw, davon vier aus Schleswig-Holstein, rollen noch bis zum 31. Dezember 2016 im Rahmen eines von der Bundesanstalt für Straßenwesen betreuten Feldversuches durch Deutschland. "Ich halte es für vertretbar, Schleswig-Holstein daran teilhaben zu lassen“, sagte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD).

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Voigt-Logistik bedient seinen Kunden Aco mit einer regelmäßigen Gigaliner-Verbindung zwischen Neumünster und Büdelsdorf.

Quelle: Voigt-Logistik

Büdelsdorf. Die Entscheidungshohheit hätte allerdings der Bund. „Wenn die Ergebnisse dieses Versuchs weiterhin so positiv sind, unterstütze ich einen anschließenden Regelbetrieb“, sagt Meyer auf einer Veranstaltung der Logistik-Initiative Schleswig-Holstein in Büdelsdorf.

In der schleswig-holsteinischen Regierungskoalition ist der Einsatz sogenannter Gigaliner umstritten. Im Koalitionsvertrag von 2012 heißt es: „Der Einsatz von Lang-Lkw wird von uns abgelehnt. Darum wird sich Schleswig-Holstein aus dem Feldversuch zurückziehen. Für uns steht die Förderung des kombinierten Verkehrs im Vordergrund.“ Seinen Sinneswandel begründet Meyer so: „Die drei Speditionen im Norden, die in diese neue Fahrzeugtechnik investiert haben, müssen Vertrauensschutz genießen und dürfen demnach auch vorerst bis Ende 2016 weiterfahren.“ Auch wenn laut aktuellen Umfragen knapp 80 Prozent der Menschen den Lang-Lkw ablehnten, müssten Politiker die Fakten bewerten: „Die Ökobilanz spricht für den Lang-Lkw, allerdings stehe ich auch weiterhin zu der Förderung des Kombi-Verkehrs.“

Die Branche brauche anschließend Klarheit, wie es weitergehe, mahnte er vor rund 60 Logistikern in der Aco-Academy an. Allerdings sei es auch weiterhin Ziel der Landesregierung, mehr Verkehr von der Straße auf alternative Verkehrsträger zu verlagern. „In Deutschland wird das Binnenschiff vernachlässigt, das spüren wir beispielsweise am nur zögerlichen Ausbau und der Instandsetzung des Nord-Ostsee-Kanals“, sagte der Minister. Mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen, sei ebenfalls wichtig. Allerdings dürfe, so Meyer, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nicht durch mangelnde Flexibilität oder eine hohe Kostenstruktur der Bahn beeinträchtigt werden. „Wir brauchen eine leistungsfähige Logistik im Norden, dazu müssen der A20-Ausbau, der Ausbau der A7 und der Bau der Fehmarnbeltquerung beitragen.“

Thorsten Witt, Logistleiter der Aco Severin Ahlmann-Gruppe, wies auf das aus seiner Sicht erwiesene Einsparpotenzial der Lang-Lkw hin: „Wir setzen ein Fahrzeug zwischen Büdelsdorf und Neumünster ein, das spart uns etwa 500 Fahrten jährlich mit dem konventionellen Lkw.“ Auch betriebswirtschaftlich sei das Fahrzeug sinnvoll, dennoch „wird die Ware, die auf der Schiene ist, nicht auf die Straße wandern“, sagte Witt. Dem widersprach Nabu-Landesvorsitzender Ingo Ludwichowski vehement: Er befürchtet durch den Kostenvorteil des Lang-Lkw eine weitere Verlagerung des Güterverkehrs auf die Straße. „Die Bahn als umweltfreundlichster Verkehrsträger gerät dadurch in Gefahr. Zudem kann der Feldversuch mit Gigalinern keine repräsentativen Zahlen liefern, dafür ist die Stichprobe zu klein und nicht breit genug gestreut.“ Aus Sicht des Naturschutzbundes ist der Güterverkehr, der vermieden wird, der umweltfreundlichste. „Deshalb brauchen wir eine Regionalisierung der Märkte“, forderte Ludwichowski.

Für Holger Matzen, Vorsitzender der Logistik-Initiative, ist ein besseres Image der Branche insgesamt wichtig: „Wenn die Landesregierung mehr Industrie möchte, muss auch die Logistik gefördert werden. Dazu gehören auch innovative Verkehrsmittel wie der Lang-Lkw.“ Matzen verwies auf den bis 2030 verlängerten erfolgreiche Feldversuch mit dem Fahrzeug in Dänemark. Dort fahren derzeit 675 solcher Fahrzeuge ohne Probleme. Grenzüberschreitender Verkehr mit Lang-Lkw sollte deshalb künftig genehmigt werden, „das ist ökonomisch und ökologisch einfach sinnvoll“.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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