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Kartellamt überprüft Preise im Norden

Fernwärme Kartellamt überprüft Preise im Norden

Missbrauchen Energieversorger in Schleswig-Holstein ihre Marktstellung, um von Kunden überhöhte Preise bei der Lieferung von Fernwärme zu verlangen? Damit hat sich die Landeskartellbehörde seit 2014 beschäftigt und die Preisstruktur von den 53 Unternehmen in Schleswig-Holstein durchleuchtet.

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Fernwärme gilt als umweltfreundlich, erfordert aufgrund des aufwendigen Leitungsnetzes jedoch eine hohe Anschlussdichte.

Quelle: hfr

Kiel. Erstes Ergebnis der Untersuchung: Die Preise schwankten im Betrachtungszeitraum 2012/13 zwischen sechs und 16 Cent je Kilowattstunde. „Bei vergleichbaren Netzstrukturen waren starke Preisunterschiede festzustellen“, sagte Ministeriumssprecherin Nicola Kabel.

 Zudem gebe es bei zahlreichen der untersuchten Unternehmen – Namen nannte die Sprecherin nicht – „ein großes Verbesserungspotenzial hinsichtlich der Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Preisbildung“, sagte Kabel: „Verbraucher müssen verstehen, was sie bezahlen.“ Vor allem die Kosten für den eingesetzten Brennstoff sowie die Anzahl der versorgten Verbraucher pro Netzkilometer, die auch als Wärmeliniendichte bezeichnet wird, sind von Bedeutung für die Höhe des Fernwärmepreises. Die Behörde werde im nächsten Sommer die aktuellen Preise abfragen und dann Fälle mit deutlich überdurchschnittlichen Preisen eingehend prüfen. Bei Anfangsverdacht auf missbräuchlich überhöhte Preise würden entsprechende Verfahren eingeleitet.

 Nach Informationen unserer Zeitung haben acht untersuchte Unternehmen Fernwärme 20 Prozent über dem Preisdurchschnitt verkauft, fünf Unternehmen lagen 20 Prozent unter dem Schnitt. Dass dies durchaus branchenüblich ist, zeigen seit 2012 laufende Untersuchungen des Bundeskartellamtes und weitere Landesbehörden: Erst vor wenigen Tagen einigte sich die Wettbewerbsbehörde mit den Stadtwerken Leipzig auf eine Senkung der Fernwärmepreise im Volumen von mehr als acht Millionen Euro jährlich. Weitere Ermittlungsverfahren, darunter auch gegen Hansewerk Natur (Hamburg), dauerten an, berichtet ein Behördensprecher.

Mehr Transparenz

 „Da muss mehr Transparenz her“, forderte auch Margrit Hinz, stellvertretende Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH). Preise müssten im Internet in einfachen Bestandteilen (Grund- und Arbeitspreis) veröffentlicht und nachvollziehbar sein. „Verbraucher sind oftmals derzeit nicht in der Lage, aus der Vielzahl der Preisbausteine ihren individuellen Wert nachzuvollziehen.“ Fernwärme könne effizient und umweltfreundlich sein, allerdings sei dafür eine hohe Anschlussdichte notwendig.

 Wenn Fernwärme aber aus Kohle erzeugt würde, wäre etwa eine Gas-Brennwertheizung gerade bei gut gedämmten Häusern ökologisch sinnvoller. Aus Sicht der Verbraucherzentrale müssten deshalb nicht nur die regionalen Monopole der Energieerzeuger überprüft werden, notwendig sei auch die Einrichtung einer Schiedsstelle und eine Aktualisierung der 1980 verabschiedeten Fernwärmeverordnung, um die Rechte der Verbraucher bei ungerechtfertigten Preiserhöhungen zu wahren.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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