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Ganz viel dazubezahlt

Fielmann Akademie Ganz viel dazubezahlt

Es war ein Auftakt mit maximalem Aufmerksamkeitswert: Mit einem dreitägigen Festspektakel ging vor genau zehn Jahren die Fielmann Akademie Schloss Plön an den Start.

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Von der staatlichen Lehranstalt zur Elite-Schule für Optiker: Die Restaurierung des Plöner Schlosses und die Einrichtung der Akademie kosteten 35 Millionen Euro. Den Löwenanteil steuerte Fielmann bei.

Quelle: Dirk Schneider

Plön. Mit diesem Riesenprojekt hatte Brillen-König Günther Fielmann nicht nur eine europaweit bedeutende Elite-Schule für den Optiker-Nachwuchs geschaffen, sondern das arme Land Schleswig-Holstein auch noch von der Last eines wertvollen, allerdings unbezahlbaren Kulturdenkmals befreit.

Es war eines der spektakulärsten Immobiliengeschäfte der Landesgeschichte. Im Jahr 2000 kauft der Erfolgsunternehmer dem Land das stark sanierungsbedürftige Schloss für 5,9 Millionen Euro ab. Klingt wie ein Schnäppchen, doch am Ende musste Fielmann noch ganz viel dazubezahlen: In enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege lässt er die frühere Residenz der Herzöge von Schleswig-Holstein-Plön umfassend renovieren und zum Schulungszentrum umbauen. Die Gesamtkosten betrugen 35 Millionen Euro, davon steuerte Fielmann 23 Millionen bei, der Rest kam vom Land. Bei der Übernahme sei das Schloss, das jahrzehntelang als staatliche Lehrstätte genutzt worden war, „in einem beklagenswerten Zustand“ gewesen, sagte Fielmann damals.

Anfänglich große Skepsis

Die sehr aufwendige Wiederherstellung dauerte insgesamt vier Jahre. Zum Vergleich: Die Errichtung des Gebäudes im 17. Jahrhundert – während des Dreißigjährigen Krieges – hatte gerade einmal drei Jahre in Anspruch genommen.

Anfänglich war die Skepsis groß in der Region: Würde hier nicht der Allgemeinheit wertvolles Kulturgut entrissen? Doch heute überwiegt breite Zustimmung. Von einem „echten Glücksfall für die Stadt Plön“ spricht Bürgermeister Jens Paustian. Fielmann habe nicht nur alle Versprechen bezüglich einer vorbildlichen Restaurierung und einer weitgehenden Öffnung des Schlosses gehalten – „die qualifizierten Führungen werden sogar kostenfrei angeboten"–, sondern bringe sich und die Akademie mit Veranstaltungen wie dem Anleuchten oder dem White-Dinner-Picknick auf der Schlossterrasse in das städtische Gemeinwohl ein.

Auch Imke Langfeldt, damalige Vorsitzende des Handels- und Gewerbevereins, stand dem Schlossverkauf zunächst kritisch gegenüber. „Es war aber unglaublich, was für eine große Unterstützung und neue Impulse wir später durch Fielmann-Mitarbeiter bekommen haben.“ Der positive wirtschaftliche Einfluss auf Handel und Gastronomie sei schwer messbar, so Langfeldt. „Ich bin aber überzeugt, dass die Akademie einen unheimlich großen Gewinn für Plön darstellt.“ Dazu zähle auch, dass Plön durch hochkarätige Großveranstaltungen rund um das Schloss immer wieder in den Medien präsent sei.

Jahr für Jahr mehr als 7000 Mitarbeiter

Ziel des Unternehmers war es, einen „Campus der Augenoptik“ zu erschaffen, einen Ort, an dem Fielmann seine Mitarbeiter – vom Auszubildenden bis zum Meister – zentral qualifizieren und weiterbilden kann. Die Erwartungen in das Projekt hätten sich „in vollem Umfang“ erfüllt, bilanziert der Optik-Riese heute: „In der Fielmann Akademie Schloss Plön schulen wir Jahr für Jahr mehr als 7000 Mitarbeiter und bilden sie zu den besten Augenoptikerinnen und Augenoptikern der Branche aus.“ So klingt Selbstbewusstsein.

Geschäftlich geht die Rechnung weiter auf, das Wachstum des Branchenprimus’ ist ungebrochen: Vor einer Dekade verkaufte Fielmann mit gut 11000 Mitarbeitern in 570 Niederlassungen knapp sechs Millionen Brillen jährlich, 2015 waren es 7,8 Millionen Brillen, mehr als 17000 Mitarbeiter und annähernd 700 Filialen.

Ulrich Metschies und Dirk Schneider

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