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Die Zeiten werden hart bleiben

Förde Sparkasse Die Zeiten werden hart bleiben

Kostendruck, Filialschließungen, Personalabbau – und dann noch ein großer Schließfachaufbruch: Es hat schon mal mehr Spaß gemacht, Sparkassen-Chef zu sein. Für das Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres hat Götz Bormann ein wenig schmeichelhaftes Urteil.

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Negativzinsen für private Kunden wird es nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden Götz Bormann „auf absehbare Zeit“ bei der Förde Sparkasse nicht geben.

Quelle: Frank Peter

Kiel. „Noch zufriedenstellend“ sei 2016 für die Förde Sparkasse gelaufen. Die Chance, dass die Bewertung für 2017 besser ausfallen wird, ist gering: „Ich glaube nicht, dass wir in überschaubarer Zeit die Zinswende sehen“, sagte Bormann am Dienstag zur Bilanz-Vorstellung.

Und so wird der Druck auf die Erträge auch die größte Sparkasse des Landes weiter herausfordern. Im vergangenen Jahr hatte das Institut (rund 1300 Mitarbeiter) die Reißleine gezogen und mit dem Abbau von 120 Vollzeitstellen und einem Schnitt ins Filialnetz für Schlagzeilen gesorgt. Angesichts der Rahmenbedingungen, so Bormann, sei mit diesen Schritten das Ende der Fahnenstange aber nicht erreicht. Für das laufende Jahr jedoch gebe es in dieser Hinsicht keinerlei Planungen.

Als Folge der niedrigen Zinsen bröckelte der Zinsüberschuss um vier Prozent auf 142,5 Millionen Euro ab. Das Betriebsergebnis vor Bewertung schrumpfte sogar um knapp zwölf Prozent. „Mit jedem Jahresring“, den die Niedrigzinsphase ansammle, gräbt sie sich nach Worten Bormanns tiefer in die Bilanz: „Das trifft nicht nur uns, das trifft alle.“ Da Kreditausfälle in größerem Umfang das Ergebnis nicht belasteten, konnte das Institut seine Eigenkapitalausstattung weiter verbessern: um 35 Millionen auf 613 Millionen Euro.

Es werde keine Negativzinsen geben

Im abgelaufenen Jahr strömten der Förde Sparkasse 361 Millionen Euro an Einlagen zu – ein sattes Plus von sieben Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Früher hätte sich eine Bank noch darüber gefreut, wenn Kunden ihr mehr Geld anvertrauen. In der jetzigen Situation allerdings schwächt jeder Euro zusätzlich die Ertragslage, denn Geld, das sie anderweitig nicht anlegen können, müssen die Kreditinstitute bei der Europäischen Zentralbank parken und dafür 0,4 Prozent Zinsen bezahlen. Dennoch, so Bormann, werde es bei der Förde Sparkasse für private Anleger „auf absehbare Zeit“ keine Negativzinsen geben.

Deutlich verhaltener entwickelt sich das Darlehensgeschäft: Um gerade 0,6 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro konnte die Förde Sparkasse das Volumen an Kundenkrediten steigern – ein Hinweis auf den scharfen Wettbewerb. Nach wie vor lebhaft verläuft das Immobiliengeschäft: Insgesamt finanzierte die Förde Sparkasse im vergangenen Jahr 2400 private Immobilienkäufe mit einem Neugeschäftsvolumen von rund 300 Millionen Euro.

Und die Folgen einer drohenden HSH-Nordbank-Abwicklung? Mit rund 500 Millionen Euro haben die Sparkassen im Land bereits für ihre Beteiligung an der ehemaligen Landesbank bluten müssen. Weitere Belastungen in bedeutender Höhe sind nach Überzeugung Bormanns nicht wahrscheinlich: „Hier geht es um eine am europäischen Markt bestens eingeführte Bank mit guter Expertise auf wichtigen Märkten. Ich bin sehr zuversichtlich, dass der Verkauf gelingen wird.“

Dichteste Filialnetz in der Region

Mit einem Wachstum ihrer Bilanzsumme um 325 Millionen auf 7,2 Milliarden Euro hat die Förde Sparkasse ihre Position als größte der zwölf Sparkassen in Schleswig-Holstein weiter ausgebaut. Trotz der zunehmenden Digitalisierung, so Bormann, behalte die persönliche Beratung vor Ort aus Sicht der Kunden hohen Stellenwert. Und so bedeuteten die Anpassungen des Zweigstellennetzes keineswegs einen Rückzug aus der Fläche. Mit 86 Standorten, darunter 46 personenbesetzten Filialen, 36 SB-Filialen und vier Haltepunkten des roten Sparkassentrucks, verfüge das Institut nach wie vor über das dichteste Filialnetz in der Region.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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