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Schließungen wirbeln gehörig Staub auf

Förde Sparkasse Schließungen wirbeln gehörig Staub auf

Dass die größte Sparkasse Schleswig-Holsteins ihr Filialnetz straffen würde, das war seit Wochen bekannt. Die Tiefe des Einschnittes ist jedoch deutlich heftiger als bislang erwartet und sorgt auch für heftige Kritik.

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Auch die Filiale der Förde Sparkasse am Vinetaplatz im Kieler Stadtteil Gaarden wird Mitte November geschlossen.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Bis Mitte November will die Förde Sparkasse acht ihrer 54 personenbesetzten Filialen entweder schließen oder in Selbstbedienungsstandorte umwandeln. Als Grund für diese Vorstandspläne, die der 18-köpfige Verwaltungsrat des Instituts am Donnerstag nach intensiver Diskussion mehrheitlich besiegelt hatte, nennt die Sparkasse unter anderem „Veränderungen des Kundenverhaltens und steigende Anforderungen an die Beratungsqualität“. Vom Umbau des Filialnetz ist das gesamte Geschäftsgebiet der Förde Sparkasse betroffen. Geschlossen werden die Filialen Eckernförde-Nord, Osdorf, Preetz-Nord und Preetz-Süd sowie Schönkirchen-Süd. In SB-Filialen umgewandelt werden die Standorte Karby, Kiel-Vinetaplatz und Plön-Ost.

 „Immer mehr Menschen in der Region erledigen alltägliche Bankgeschäfte online oder über unsere SB-Geräte“, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung der Bank: „Die Förde Sparkasse investiert daher in den Ausbau digitaler Kanäle, um nicht nur vor Ort, sondern auch im Netz einen schnellen Zugang zu Service- und Beratungsangeboten zu ermöglichen.“ Die Kunden würden auf die jeweils nächstgelegene Filiale übergeleitet. Insgesamt 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind von den Maßnahmen betroffen. „Alle werden künftig an den neuen Standorten eingesetzt, die bekannten Ansprechpartner ändern sich für die Kunden somit nicht.“ Darüber hinaus betont das Institut: „Bei den strategischen Überlegungen haben gute Erreichbarkeit, erweiterte Öffnungszeiten und neue SB-Terminals an den verbleibenden Geschäftsstellen eine wichtige Rolle gespielt.“ Mit 82 Filialstandorten (einschließlich SB) unterhalte die Förde Sparkasse auch künftig „das mit Abstand dichteste Filialnetz im Geschäftsgebiet.“

 Die gesamte Kreditwirtschaft steht seit Langem unter wachsendem Kostendruck. Auch Sparkassen-Chef Götz Bormann hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass aufgrund der niedrigen Zinsen im Einlagengeschäft kein Geld mehr zu verdienen sei. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Nutzungszahlen in den Filialen durch den Boom des Online-Banking immer weiter zurückgehen.

 „Diese Entscheidung ist schmerzhaft, aber nicht zu vermeiden – wir haben sie uns nicht leicht gemacht“, sagt der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). Oberstes Ziel müsse es sein, die Förde Sparkasse als gesundes Unternehmen langfristig zu sichern. Die Kundennähe des Institutes stehe dabei jedoch nicht zur Disposition: Mit der vom Vorstand „sorgfältig und transparent begründeten Maßnahme“ sei es auch weiter möglich, die schwierige Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und Präsenz in der Fläche zu bewahren.

 Der Eckernförder Kreistagsabgeordnete Jörg Hollmann (CDU), der auch Mitglied der Sparkassen-Verbandsversammlung ist, spricht hingegen von mangelnder Ausgewogenheit und einer „Benachteiligung des ländlichen Raumes“. Bereits in der Verbandsversammlung Ende August sei deutlich geworden, dass der Vorschlag des Vorstandes „aufgrund der mangelnden und vergleichbaren Faktenlage“ nicht nachvollziehbar und wenig transparent sei: „Die Mitglieder im Verwaltungsrat, die zugestimmt haben, sollten den betroffenen Menschen vor Ort erklären, auf welcher Grundlage sie diese weitreichende Entscheidung getroffen haben.“ Es sei „schon beachtlich“, dass ein Verwaltungsrat sich so über das Votum der Verbandsversammlung hinwegsetze: „Das ist eine neue Qualität in der Zusammenarbeit des Zweckverbandes der Förde Sparkasse.“

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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