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Geschichten von Gescheiterten

Fuck-up-Nacht in Kiel Geschichten von Gescheiterten

„Wenn jemand mit seiner Unternehmensidee keinen Erfolg hatte, gilt er als Loser“, sagt Peter Bielenberg. Niemand erzählt besonders gerne von seinen Niederlagen, er hat das am Mittwoch auf der „Fuck-up-Nacht“ freiwillig getan. Und möchte, dass andere Unternehmer aus ihren Fehlern lernen können.

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Kiel. Das Thema ist alles andere als sexy und trotzdem sind rund 130 Menschen gekommen, um die Geschichten der Gescheiterten zu hören. Hier sitzen Anzugträger im gesetzten Alter neben Studenten und jungen Startuppern. „Wir wollen Mut machen und motivieren“, sagt Gründungsberaterin Maren Vokuhl von der IHK Kiel, die die Veranstaltung zum zweiten Mal gemeinsam mit dem Kieler Innovations- und Technologiezentrum (Kitz) organisiert. „Man kann fünfmal scheitern, wenn dann beim sechsten Mal ein Erfolg wie zum Beispiel Paypal entsteht, fragt danach keiner mehr“, sagt Kitz-Geschäftsführer Andree Mehrens.

Aus Erfahrungen schöpfen

Bei Anders Fonager Christensen aus Flensburg war es ein Wohnprojekt auf dem Land, das schief lief. Es gab Ärger mit den künftigen Nachbarn und Baugenehmigungen, immer mehr Beteiligte sprangen ab. Plötzlich stand der heute 56-Jährige alleine da und die Projektgesellschaft musste aufgelöst werden. „Ich habe eine Menge Geld versenkt“, sagt er. „Aber ich habe dann aus dem Scheitern heraus eine eigene Geschäftsidee entwickelt.“ Christensen machte sich selbstständig und berät nun Baugemeinschaften, die innovative Wohnprojekte aufziehen möchten. Er schöpft dabei aus seinen Erfahrungen.

21518 Unternehmen gingen pleite

21518 Unternehmen sind laut Bundesamt für Statistik im vergangenen Jahr in Deutschland pleitegegangen. Das sind nicht nur 6,9 Prozent weniger als 2015, die Fallzahl sank damit auch insgesamt auf den niedrigsten Stand seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999. Auch Schleswig-Holstein liegt im Bundestrend: Gab es hier 2015 noch 1027 Pleiten, so mussten 2016 nur noch 956 Unternehmen Insolvenz anmelden. Die meisten Firmen gingen in den Kreisen Stormarn (107), Pinneberg (97), Rendsburg-Eckernförde (82) und Segeberg (81) insolvent.

„Spitzenreiter bei den Branchen ist der Einzelhandel“, sagt Michael Schmidt von der IHK Kiel. Grund sei vor allem das wachsende Online-Geschäft. Auch im Gastgewerbe und im Dienstleistungssektor gebe es im Land besonders viele Insolvenzen. Gerade junge Unternehmen haben häufig Schwierigkeiten. „Im Schnitt schaffen es über 50 Prozent der Neugründungen nicht über die ersten zwei Jahre“, so Schmidt.

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Ein Artikel von
Anne Holbach
Wirtschaftsredaktion

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