14 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Rheinmetall muss sich neu orientieren

Fusion Rheinmetall muss sich neu orientieren

Die deutsch-französische Rüstungsfusion ist ein Schlag für den Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern. Denn Rheinmetall (Düsseldorf) und Krauss-Maffei Wegmann (KMW/München) kennen sich seit Jahrzehnten – nicht nur als Wettbewerber, sondern als Partner, die gemeinsam zentrale Rüstungsprojekte umgesetzt haben.

Voriger Artikel
Oettinger warnt vor digitaler Überlegenheit der USA
Nächster Artikel
Ist der Ostseepark ein Shoppingcenter?

 Am Mittwoch fand in Paris die Unterzeichnung der deutsch-französischen Fusion der Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Nexter Systems statt.

Quelle: Peter Steffen/dpa

Kiel. So haben die Unternehmen beim Kampfpanzer Leopard eng kooperiert, aber beispielsweise auch beim Radschützenpanzer Boxer und dem Schützenpanzer Puma, der gerade erst offiziell an die Bundeswehr übergeben wurde. 350 Puma im Wert von rund 4,3 Milliarden Euro werden beide Firmen in den nächsten Jahren an die Bundeswehr ausliefern. Zentrale Komponenten für Puma und Boxer wurden von Mitarbeitern des Kieler Rheinmetall-Standorts in Suchsdorf entwickelt. Auch das gepanzerte Patrouillenfahrzeug AMPV, eine Art militärisches SUV, haben Rheinmetall und KMW zusammen entwickelt. Nach dem Zusammenschluss von KMW und Nexter dürften solche Kooperationen wohl eher schwieriger werden. Und Rheinmetall muss eventuell sogar fürchten, dass das neue deutsch-französische Unternehmen Technologie übernimmt.

 Die Fusion hatte sich seit über einem Jahr angebahnt. Rheinmetall-Chef Armin Papperger hatte aber bis zuletzt für einen Zusammenschluss der beiden deutschen Panzerbauer geworben. Noch Mitte Juli, da waren in Paris und in München die Verhandlungen zwischen Nexter und KMW fast schon auf der Zielgeraden, soll er einen weiteren Vorstoß gestartet haben, heißt es in Branchenkreisen. Aber der sei wie schon alle Gespräche vorher daran gescheitert, dass beide Unternehmen jeweils für sich die Führungsrolle beansprucht hätten, ist zu hören.

 Konkrete Gespräche über einen Zusammenschluss mit KMW bestätigt Rheinmetall zwar nicht. Doch Pappberger hatte mehrfach öffentlich erklärt, dass er einen solchen Schritt für sinnvoll hält: „Es wäre schlauer gewesen, hätten wir mit KMW zunächst über eine nationale Fusion nachgedacht und dann über eine Kooperation auf europäischer Ebene“, sagte er vor wenigen Tagen der „Rheinischen Post“ (Düsseldorf). Darüber hinaus zeigte er sich gelassen. KMW und Nexter kämen zusammen gerade einmal auf einen Umsatz von zwei Milliarden Euro, Rheinmetall peile gerade allein im Rüstungsgeschäft drei Milliarden an. Weitere 2,5 Milliarden Euro erwirtschaften die Düsseldorfer mit Technologie für die großen Autohersteller.

 In der Branche wird nun mit Spannung darauf geschaut, welchen Weg Rheinmetall einschlägt. Denn der Konzern mag zwar größer sein als das neue Panzer-Unternehmen, er ist im internationalen Maßstab aber relativ klein. Verhandlungen mit ThyssenKrupp über die Übernahme der Marinesparte, den Werften in Kiel und Hamburg, hatte Papperger im Frühjahr dementiert. Mehrfach wurde spekuliert, Rheinmetall sei an Teilen des Rüstungsgeschäfts von Airbus interessiert. In Branchenkreisen hieß es ebenfalls, der Konzern strecke seine Fühler nach dem finnischen Panzerbauer Patria und der italienischen Rüstungsfirma Finmeccanica aus.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Kommentar

Ein deutsches Familienunternehmen schließt sich mit einem französischen Staatskonzern zusammen, um gemeinsam Panzer zu entwickeln und zu bauen. Da treffen größtmögliche Kulturunterschiede aufeinander. Aber offensichtlich passt es. Zumindest zwischen den beiden Eigentümern der Unternehmen Krauss-Maffei Wegmann und Nexter.

mehr
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3