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Geschäftsidee mit Geschmack

Frauen wagen Schritt in Selbstständigkeit Geschäftsidee mit Geschmack

Die besten Partys finden in der Küche statt. „Hier werden die Lebensgeschichten erzählt“, sagt Silvia Janzen. Warum also dieses Zusammenfinden nicht aus der privaten Wohnungsküche herausholen und zum Geschäftskonzept machen?

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Silvia Janzen setzt in der Küche Ahoi auf den Mix verschiedener Geschäftsideen. Das Konzept geht auf, ist aber auch ein echter Fulltime-Job.

Quelle: Sven Janssen

Kiel.  Diese Idee für die Küche Ahoi kam der 49-Jährigen vor etwa einem Jahr. „Mit 50 kann man ja noch mal etwas neues wagen. Ich wollte einen Erlebnisraum für Kommunikation und zum Kochen schaffen“, sagt die gebürtige Schleswig-Holsteinerin. Ohne viel Schickimicki – einfach etwas bodenständiges und ehrliches. „Und was ist ehrlicher als Kochen? Wenn du Sachen in den Topf reinschmeißt und es am Ende nicht schmeckt, lässt sich da schlecht was beschönigen.“

 Doch allein auf das Anbieten vegetarischer und veganer Küche mit regionalen Produkten wollte sich Janzen nicht verlassen. Neben dem Café-Betrieb wird die Küche zum Herzen des im Februar in der Scharnhorststraße am Blücherplatz eröffneten Lokals, in dem Koch-Events und -kurse stattfinden. Die Gäste feiern mal Junggesellinnenabschied, mal mit den Firmenkollegen bis hin zur Kochsause zum 40. Geburtstag.

 Abseits des Kochens bietet die Küche Ahoi auch die Möglichkeit, sich einen Büroschreibtischplatz zu mieten. So möchte Silvia Janzen kreative Köpfe zusammenbringen. Zudem bietet sie selbst Unternehmensberatung und Unterstützung bei die Entwicklung von Marketing-Strategien an. Neben einer guten Geschäftsidee spielen aber noch andere Faktoren eine Rolle, um als Selbstständiger erfolgreich zu sein, wie Werner Kässens, Geschäftsführer der Kieler Wirtschafts- und Strukturentwicklungsgesellschaft (Kiwi), sagt. Auch die Konkurrenz am Markt sei entscheidend. Mit seinem Konzept sollte der Unternehmensgründer bestenfalls eine neue Nische abdecken.

 Silvia Janzen wagte den Schritt in die Selbstständigkeit bereits von 25 Jahren. Noch bis Ende des vergangenen Jahres war sie als Geschäftsführerin in der Werbebranche tätig. „Ich hatte schon immer viele Ideen, meinen eigenen Willen und ich bin nicht risikoscheu“, sagt sie. In die Küche Ahoi steckte die Geschäftsfrau Eigenkapital. Als jahrelang Selbstständige wurden ihr keine Fördermittel oder Kredite gewährt.

 Im bundesweiten Trend sind es Werner Kässens zufolge immer häufiger Frauen, die sich für die Selbstständigkeit entscheiden. „Gerade Frauen, die eine Familie gegründet haben, wollen in ihrer Arbeit flexibel sein können“, sagt auch Gothart Magaard, Bischof des Sprengels Schleswig und Holstein. Mit dem kirchlichen Dienst in der Arbeitsqwelt (KDA) will die Nordkirche an der Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft mitwirken. Zudem gebe es Branchen, in denen Selbstständigkeit immer selbstverständlicher werde, sagt Diplom-Psychologin Cornelia Rövekamp. Sie hat in einer Studie Erfolge und Misserfolge von Kleinstunternehmern analysiert. Zu den von ihr genannten Branchen zählen etwa die Bildung mit Lehrberufen oder auch die Kreativsparte mit Künstlern oder Schauspielern.

 Für Silvia Janzen hat ihr Mix funktioniert, bislang seien sie und ihr Team „sehr zufrieden“. Doch vor allem in der Anfangsphase sei es ein echter Fulltime-Job: Meistens arbeite sie sieben Tage in der Woche, manchmal vom frühen Morgen bis in den späten Abend hinein. Bei einem solchen Pensum sei vor allem der Rückhalt durch Familie und Freunde wichtig. „Und man muss auf sich aufpassen“, sagt Silvia Janzen. Sport treiben, sich gesund ernähren und auch mal feiern gehen.

 Die Entscheidung für die Küche Ahoi sei aber definitiv richtig gewesen. Und wenn alles gut läuft, gibt es vielleicht in ein paar Jahren noch eine zweite oder dritte Küche Ahoi.

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Ein Artikel von
Susann Burwitz
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