8 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Wirtschaft in Schleswig-Holstein schlägt Alarm

Gewerbesteuer Wirtschaft in Schleswig-Holstein schlägt Alarm

Der Trend zu höheren Gewerbesteuern in Schleswig-Holstein ist ungebrochen. Auch in diesem Jahr hat jede siebte Kommune mit mehr als 2000 Einwohnern ihren Hebesatz angehoben – nachdem 2015 sogar jede dritte Gemeinde an dieser Steuerschraube gedreht hat.

Voriger Artikel
Flugbegleiter-Streik: Bisher 82 Flugausfälle in Hamburg
Nächster Artikel
Sie ist die beste Jung-Tischlerin im Norden

Friederike C. Kühn: Die stetig steigende Steuer- und Abgabenlast schreckt Unternehmer langfristig ab.

Quelle: hfr

Kiel. Kiel erhöht die Gewerbesteuer im kommenden Jahr. Die Wirtschaft im Land warnt vor massiven Standortnachteilen.  Wie aus dem „Realsteueratlas“ der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein zudem hervorgeht, bittet bei der Grundsteuer B fast jede vierte Kommune Immobilieneigentümer und damit auch viele Unternehmen stärker zur Kasse. „Die stetig steigende Steuer- und Abgabenlast schreckt Unternehmer langfristig ab“, kritisiert IHK-Präsidentin Friederike C. Kühn. Die angespannte finanzielle Situation einer Kommune dürfe „nicht reflexartig zu Steuererhöhungen führen“. Zudem müsse in Zeiten hoher Steuereinnahmen auch eine Absenkung des Hebesatzes erfolgen.

 Der durchschnittliche Gewerbesteuerhebesatz in Schleswig-Holstein ist in diesem Jahr von 352 auf 356 Prozent gestiegen. Dabei liegt die Spannweite zwischen 255 Prozent in Bosau (Kreis Ostholstein) und 450 Prozent in Lübeck. Am zweitkräftigsten mit 430 Prozent langt Kiel hin. Trotz wütender Proteste aus der Wirtschaft hatte der Rat 2015 bereits eine Anhebung auf 450 Prozent zum kommenden Jahr beschlossen.

 Mit Unverständnis reagiert der Unternehmensverband Kiel auf die Entwicklung. Sprecherin Lisa Preuß: „Die Kommunen riskieren, dass sich größere Unternehmen aus Schleswig-Holstein zurückziehen und Neuansiedlungen von Gewerbe unattraktiver werden.“ Die Erhöhung in Kiel laufe allen Bemühungen entgegen, ein gründerfreundliches Klima in der Landeshauptstadt zu schaffen. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) kontert: „Im bundesweiten Vergleich liegt Kiel im Mittelfeld.“ Die Stadt müsse auf eine Stabilisierung ihrer Einnahmen achten, behalte dabei jedoch die Zumutbarkeit für die Unternehmen im Blick. Im Übrigen habe die Stadt die Gewerbesteuer seit 1993 nicht mehr angehoben.

 Auch nach Überzeugung des Städteverbandes Schleswig-Holstein greift die Kritik der IHK „viel zu kurz“. Das Hebesatz-Niveau in den Kommunen des Landes sei insgesamt noch immer unterdurchschnittlich, „die kommunalen Bedingungen für die Wirtschaft nicht schlechter als in anderen Bundesländern“, sagt Jochen von Allwörden, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Verbandes.

 Das Hebesatzgefälle bei der Grundsteuer B schwankt im Land zwischen Null Prozent in Mini-Steuerparadies Norderfriedrichskoog und 500 Prozent in Kiel und Lübeck. Kommunen, die vom Land Konsolidierungshilfen erhalten – darunter auch Kiel – sind zu Mindesthebesätzen verpflichtet. Bei der Gewerbesteuer sind das 430, bei der Grundsteuer B 500 Prozent.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Kommentar

Nach ganz fest kommt ganz lose. Wer kennt sie nicht, diese Schrauber-Weisheit? Für unsere klammen Kommunen heißt das: Gewerbesteuersätze zu erhöhen, ist finanziell verlockend, solange es Unternehmen gibt, die auch Gewerbesteuer zahlen.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3