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Wie Felde zum schnellen Internet kam

Glasfaservernetzung Wie Felde zum schnellen Internet kam

In der Gemeinde Felde soll es bald schnelles Internet geben. TNG realisiert die Glasfaser-Vernetzung in einer abgespeckten Erschließungsfläche entlang der Dorfstraße vom Bahnhof in Brandsbek aus bis kurz vor den alten Dorfkern. Ein erster Anlauf war an hohen Kosten gescheitert: Vielen Bürgern waren die Anschlussgebühren zu teuer.

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Holger Hildebrandt von der Firma Karstens aus Kiel verlegt die letzten Leerrohre für das Glasfasernetz in Felde. Ab der nächsten Woche sollen die Glasfaserleitungen in die Rohre eingeblasen werden, um dann mittels Licht Daten schnell zu transportieren und die Haushalte mit Internetanschlüssen zu versorgen.

Quelle: Sven Janssen

Felde. Am Rande des Naturparks Westensee ist die Ortschaft Felde berühmt für ihre lange Leitung – aber nur als besonders weitgestrecktes Straßendorf und aufgrund seiner notorisch zerstrittenen Gemeindevertretung. Ansonsten ist die Verbindung zur Außenwelt auf dem neusten Stand. Der Zug hält inzwischen alle halbe Stunde zwischen Kiel und Rendsburg, die Autobahn ist nicht weit, es gibt ein Interkommunales Gewerbegebiet, eine ärztliche Gemeinschaftspraxis und eine Apotheke, Einzelhandel und Banken, Kindergarten und Schule, rege Sportvereine. Und die Kirche wird – meistens – im Dorf gelassen. Bald wird es hier sogar turboschnelles Internet geben.

Die Kieler Firma TNG Stadtnetz GmbH hatte es sich auf die Fahnen und uns Einwohnern auf allerlei Plakate geschrieben: Felde braucht den schnellen Anschluss. Möglicherweise war es auch dem ortsansässigen TNG-Geschäftsführer sauer aufgestoßen, dass man sich mit müden zwei Megabit pro Sekunde Übertragungsgeschwindigkeit noch im Zeitalter der piependen Einwahlrouter zu bewegen schien, während man seinen Provider schon monatlich für sechs Mbit/s oder gar mehr entlohnte.

Mit einer beachtlich aufwendigen Marketing-Offensive versuchte TNG die Felder Land- und Pendlerbevölkerung für eine lichtgeschwindige Zukunft auf der Datenautobahn zu begeistern. 60 Prozent der Haushalte, so die Berechnung der Wirtschaftlichkeitsauguren, waren nötig, den weitverzweigten Ort mit Glasfaser-Anbindung zu versehen. So ist es nicht gekommen. Offenbar war für viele Bewohner der finanzielle Aufwand eines Hausanschlusses im Bereich von 350 Euro und die naturgemäß obligatorische Vertragsbindung ein doch noch zu hoher Preis für die versprochene Beschleunigung. Ein Viertel aller Haushalte ließ sich aber während der Aktionsphase im Frühsommer 2014 locken. TNG realisiert nun die Glasfaser-Vernetzung in einer abgespeckten Erschließungsfläche entlang der Dorfstraße vom Bahnhof in Brandsbek aus bis kurz vor den alten Dorfkern.

Ein gutes Jahr später reißen die kleinen Bagger die Gehwege auf, prägen Absperrbaken das Ortsbild, führen Behelfsbrücken zu den Hauseingängen. Die Verkabelung dauert tatsächlich etliche Wochen, überrascht dann aber mit relativ unkomplizierten individuellen Anschlussverzweigungen und geringen Schäden in den Vorgärten. Man hat sich kaum versehen, da ragt das – technisch für physikalische Analphabeten irgendwie unbegreifliche –Plastikkabel schon an der eigenen Hauswand aus der Erde.

Deutlich schwieriger kann es sein, auch die vertraglichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Denn man ist ja meist gebunden – zum Beispiel mit einem sich jeweils automatisch verlängernden Telekom-Paket. Wer den Ausstieg gerade noch rechtzeitig durch eine ordentliche Kündigung geschafft hat, reibt sich dennoch erstaunt die Augen: TNG bietet – entgegen ersten vollmundigen Ankündigungen – erst dann Ersatz mit Telefon- und Internetanschluss, wenn tatsächlich das Glasfasernetz voll funktionsfähig angeschlossen und freigeschaltet ist. Man habe nun mal keine Rechte, Kunden über die bestehenden Leitungen zu versorgen, heißt es. Es droht also eine klaffende Versorgungslücke von mehreren Monaten, da beispielsweise die unbewegliche Deutsche Telekom in ihrer hochgradig nervtötenden Callcenter-Weisheit partout keine „weich“ kündbare Übergangslösung akzeptieren will und der neue Partner erst in unbekannter Zukunft anschlussfähig ist. Da hilft dann nur noch ein dritter Anbieter wie O2, der wenigstens einen monatlich kündbaren Vertrag zur Überbrückung zu bieten hat. Dann scheint tatsächlich niemand mehr auf der langen, aber schnellen Leitung in Felde zu stehen.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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