22 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Die Probleme überwinden Grenzen

Global Economic Symposium Die Probleme überwinden Grenzen

Experten beim Global Economic Symposium (GES) in Kiel sprechen sich für eine stärkere Rolle der EU in der Flüchtlingsfrage aus. Zu Beginn des zweiten Tages hatte sich auch IfW-Präsident Dennis Snower für mehr Kooperation unter den Staaten ausgesprochen – nicht nur bei Flüchtlingen: „Probleme kennen keine Grenzen.“

Voriger Artikel
Gewerkschaft lehnt Schlichtung ab
Nächster Artikel
Dea übernimmt norwegisches Öl- und Gasgeschäft von Eon

„Menschen mit globaler Identität kümmern sich auch um die Probleme, die nicht in ihrer direkten Nachbarschaft liegen“, sagt Prof. Dennis Snower.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Die Verschuldung von Staaten, Privatleuten und Unternehmen, die internationalen Flüchtlingsströme, der Hunger in großen Teilen der Welt und die Umweltbelastungen standen am zweiten Tag des Global Economic Symposiums (GES) in Kiel im Mittelpunkt der Diskussionen. Das sind alles „Probleme ohne Grenzen“, wie Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), am Morgen feststellte. Patentrezepte zur Lösung der Probleme wurden am Dienstag auch in Kiel nicht präsentiert. Aber auf ein paar neue Lösungsansätze einigten sich die GES-Experten.

Doch zu Beginn des Tages erläuterte Dennis Snower zunächst, warum in diesem Jahr die Diskussion über Werte, über die ethischen Grundlagen als verbindende Elemente der Weltgesellschaft, das übergeordnete Thema aller Veranstaltungen ist. Zahlreiche Probleme machten vor Grenzen keinen Halt. „Dennoch leben wir in einer Welt mit nationalen, kulturellen und religiösen Grenzen“, sagte er. Einige davon seien zwar abgerissen worden, andere aber gewachsen. Und eine „wachsende soziale Ungleichheit in Ländern und zwischen den Staaten hat neue Grenzen geschaffen“. Es führt also, so die Sicht der GES-Organisatoren und der GES-Teilnehmer, kein Weg daran vorbei: Die Weltgemeinschaft muss sich auf gemeinsame Werte einigen, und zwar auf solche, die zu mehr Zusammenarbeit zwischen Staaten und Organisationen führen.

 Die große Kunst aber wird es laut Snower sein, diese gemeinsamen Werte auch über die eigenen sozialen Gruppen (Familie, Länder etc.) hinaus anzuwenden. Das aber geht seiner Ansicht nach nur, wenn wir alle in auch eine globale Identität entwickeln. Der IfW-Präsident, US-Bürger, der bis zu seinem 17. Lebensjahr in Wien lebte, später in den USA und London studierte und arbeitete und jetzt in Kiel seinen Wohnsitz hat, machte es am Beispiel der Flüchtlinge deutlich: „Wir müssen uns entscheiden: Weisen wir sie als Fremde zurück oder heißen wir sie als Teil von uns willkommen.“ Der Schlüssel für mehr Kooperation liegt für Snower im Mitgefühl – und darin, dass Menschen mit globaler Identität sich auch um die Probleme kümmern, die nicht in ihrer direkten Nachbarschaft liegen.

 Die Flüchtlinge, die derzeit nach Europa strömen, machen das deutlich. Und die Veranstaltung zu dem Thema zog denn auch die meisten Teilnehmer an. Patentlösungen für die aktuellen Probleme gab es keine. Aber die Experten stimmten dem britischen Publizisten Philippe Legrain zu: „Wir brauchen die Migranten dringend in unseren Ländern und müssen sie daher willkommen heißen.“ Vorrangige Aufgaben der EU aus seiner Sicht: Flüchtlingen aus Syrien oder Afrika eine sichere Passage zu geben und so den Tod Tausender zu verhindern – und ein Arbeits-Visum schaffen.

 Reisefreiheit fordert auch Safet Gerxhaliu, der Präsident der Handelskammer des Kosovo. Und Unterstützung der EU, in seinem Land ein funktionierendes Rechtssystem als Basis für eine geordnete wirtschaftliche Entwicklung aufzubauen. Mathias Lücke, Experte vom Kieler IfW, sieht ohnehin die EU viel stärker in der Pflicht. Sie sollte die finanzielle und administrative Verantwortung für das Asyl-System in Europa übernehmen. Zustimmung dafür gab es von Frank Laczko von der International Organization for Migration. Er zog den Kreis angesichts von 60 Millionen Flüchtlingen weltweit aber noch weiter: „Wir brauchen endlich eine globale Antwort auf diese Herausforderung.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3