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Wie steht’s um König Kohle?

Global Economic Symposium Wie steht’s um König Kohle?

Mehr denn je geht es auf der Welt um die Kohle. Im wahrsten Sinne des Wortes: Wie ein roten Faden zog sich am Schlusstag die Diskussion um die Energieversorgung mit dem fossilen Brennstoff durch das international hochrangig besetzte Global Economic Symposium (GES) in Kiel.

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 Global Economic Symposium vom 12. bis 14. Oktober 2015 im Kieler Hotel Atlantic: Abschluss-Plenum mit Pascal Lamy (Schweiz) am Rednerpult.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Der Umgang mit der Kohle ist eine Schlüsselfrage unserer Zeit. Da war man sich einig. Doch wie es um den Gesundheitszustand von „König Kohle“ bestellt ist, darüber gingen die Meinungen weit auseinander.

 Gleich am Vormittag hatte der indischstämmige Ex-Investment-Banker Sony Kapoor aus England mit seinen schmissigen Thesen für Aufhören gesorgt. Kapoor arbeitete einst für die spätere Pleitebank Lehman Brothers, war aber noch vor der großen Krise 2007 frustriert aus der Geldwelt ausgestiegen, um sich fortan einen Namen als Kritiker des globalen Finanzsystems zu machen. „Die Kohle liegt längst im Sterben“, sagte Kapoor in Kiel. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Welt es sieht. Ihr Tod wird kommen – plötzlich und brutal.“ Kapoor beobachtet genau, wie sich mehr und mehr Staaten, gerade im internationalen Verbund, um immer striktere Regulierungen beim Klimaschutz bemühen. Kein anderer fossiler Energieträger setzt im Vergleich derart viel des Treibhausgases CO2 frei wie Kohle. Wenn sich also zunehmend Staaten verpflichten, Emissionen zu reduzieren, werden Öl- und Kohlekonzerne Verluste erleiden, so Kapoor. Je nach Fortschritt der Bemühungen wüchse das Risiko für die Investoren. Das macht keiner mehr lange mit, glaubt Kapoor, der als Kopf der Denkfabrik „Re-Define“ Regierungen, Zentralbanken, EU und Großinvestoren berät. Und an Finanzmärkten sterben die Blasen nun mal „plötzlich und brutal“.

 Der Siegeszug der Kohle funktioniert, weil sie weiterhin spottbillig ist und sich dennoch große Profite mit ihr realisieren lassen. Ginge es allein um Faktoren wie Umweltschädlichkeit und Gesundheitsgefahr für Mensch und Tier, bliebe sie längst im Boden. Der gewaltige Flächenverbrauch beim Abbau samt der Freisetzung giftiger Schwermetalle stand bei GES-Teilnehmern außer Frage. Deshalb appellierte Barbara Unmüßig, NRO-Aktivistin, auch Vorstandsmitglied der Grünennahen Heinrich-Böll-Stiftung, für einen schnellen Ausstieg aus dem Kohleabbau. „Die reichen Länder sind gefragt, den Wandel weg von den fossilen Stoffen voranzutreiben“, so Unmüßig. Die armen Länder jedoch, die voll auf die Kohle setzen, dürften die Fehler der Reichen nicht wiederholen.

 Laut Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa (OECD) von Ende September subventionierten die 34 OECD-Staaten und plus sechs Schwellenländer Kohle, Erdgas und Erdöl zuletzt noch immer jährlich mit bis zu 178 Milliarden Euro. Allerdings sei die Tendenz rückläufig. Mehrere GES-Teilnehmer wiesen darauf hin, dass zwar – gerade in Schwellenländern wie China, Malaysia, Indien und in Osteuropa – eine Vielzahl an neuen Kohlenkraftwerken geplant gewesen sei. Doch nur etwa ein Drittel davon sei auch realisiert worden. Zeichen, dass die Zukunft der Kohle tatsächlich bröckelt?

 Prof. Ottmar Edenhofer, Chefökonom am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, wollte dem Optimismus nicht folgen: „Wir befinden uns mitten in einer Kohle-Renaissance.“ Arme, aber schnell wachsende Länder würden gerade massiv auf Kohle setzen, besonders in Afrika. Sie müsse dringend teurer werden. Deshalb plädierte Edenhofer erneut für den Abbau von Subventionen und darüber hinaus für eine CO2-Bepreisung. Beide so zur Verfügung stehenden Mittel ließen sich weitaus sinnvoller einsetzen, für mehr Gesundheit, mehr Bildung, bessere Infrastrukturen, weniger Armut, weniger Ungleichheit, also für mehr Wohlergehen. „Wohlergehen“ allerdings wird allerdings überall auf der Welt unterschiedlich definiert. Ein Fall fürs nächste GES.

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