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Der Chef spricht Klartext

HSH Nordbank Der Chef spricht Klartext

Über verbesserte Margen, gesunkene Kosten, stabile Gewinnaussichten wollte die HSH Nordbank bei ihrer Halbjahrespressekonferenz berichten. Doch der mögliche Ankauf fauler Schifffahrtskredite durch die Länder wurde zum beherrschenden Thema.

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Ein Scheitern der HSH Nordbank würde nicht nur die Steuerzahler im Norden treffen. Auch die Zukunft von fast 2500 Vollzeitstellen in Kiel und Hamburg (Foto) steht auf dem Spiel.

Quelle: dpa/Bodo Marks

Hamburg. Während Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) am Vortag noch recht vage berichtet hatte, Bank, EU-Kommission und Länder würden über „weitere Schritte zur Entlastung der Bank beraten“, sprach der ansonsten in der Öffentlichkeit eher vorsichtig agierende Vorstandschef Constantin von Osterreich am Freitag Klartext: „Wir können die Altlasten nicht tragen und müssen uns davon trennen.“ Ziel sei es, vor allem faule Schiffskredite von der Bank auf die Eigentümer zu transferieren. „Es muss ein vernünftiger Weg gefunden werden, dass wir die Altlasten an die Haupteigentümer Hamburg und Schleswig-Holstein übertragen.“ Von Oesterreich und sein Finanzchef Stefan Ermisch erwarten, dass die seit zwei Jahren laufenden Gespräche im Herbst zu einem Ergebnis führen.

Hamburg und Schleswig-Holstein, denen die HSH mehrheitlich gehört, stehen mit Garantien von zehn Milliarden Euro für drohende Kreditausfälle gerade. Hinzu kommen Lasten in zweistelliger Milliardenhöhe aus der inzwischen ausgelaufenen Gewährträgerhaftung. Damit ist die Bank das mit Abstand für beide Länder größte Haushaltsrisiko. Das Institut mit seinen knapp 2500 Vollzeitstellen, davon fast 850 in Kiel, leidet seit Jahren unter der Krise der Schifffahrt und den hohen Gebühren, die es für die Garantie der Länder bezahlen muss. Die Länder flankierten den Umbau mit einer so genannten Zweitverlustgarantie, für die die Bank bislang 2,5 Milliarden Euro bezahlt hat.

Als offizielles Halbjahres-Ergebnis weist die Bank 222 Millionen vor und 147 Millionen Euro nach Steuern aus, das ist jeweils ungefähr gut halb so viel wie im Vorjahreszeitraum. Dieses Ergebnis ist allerdings verzerrt durch zahlreiche Sonder- und Spezialeinflüsse. Die Kernbank, in der die gesunden Teile der Bank gebündelt sind, verdiente in den ersten sechs Monaten 268 Millionen Euro. Diese Zahl ist bereinigt um sämtliche Garantie- und Sondereffekte und liegt um 14 Prozent über dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das zeige, so von Oesterreich, dass der Aufbau des Geschäftsmodells auf dem richtigen Weg sei.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Foto: Die Situation der HSH Nordbank ist offenbar nicht so blumig.

Am Freitag will die HSH Nordbank frische Zahlen veröffentlichen – doch schon am Donnerstag gab es neuen Wirbel um die Zukunft des angeschlagenen Instituts. Medienberichten zufolge erwägen die Eigentümer Schleswig-Holstein und Hamburg eine milliardenschwere Rettungsaktion.

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