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Eine neue Zeit beginnt

HSH Nordbank Eine neue Zeit beginnt

Die HSH Nordbank wird nicht abgewickelt. Die Einigung der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg mit der EU-Kommission weist einen anderen Weg: Das angeschlagene Institut wird finanziell deutlich entlastet. Und – das ist nicht nur für die Mitarbeiter die große Überraschung: Die Landesbank soll schon bald komplett in privaten Händen sein.

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Neue Perspektiven: Für die HSH Nordbank (hier die Kieler Zentrale) ist eine lange Phase der Unsicherheit beendet.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Für Dienstag hat der Vorstand die rund 2500 Mitarbeiter, davon rund 1000 in Kiel, zu Versammlungen eingeladen, um neun Uhr in Hamburg und um zwölf Uhr in die Halle 400 in Kiel. Vorstandschef Constantin von Oesterreich und Finanzvorstand Stefan Ermisch wollen dann persönlich Rede und Antwort stehen. Und in einem zweiseitigen Schreiben, das am Montag mit der Einladung kam, haben sie schon einmal die Richtung vorgegeben. Zurücklehnen und entspannen dürfen sich die Mitarbeiter demnach nach diesem wichtigen Tag zunächst nicht: „Der Blick muss konzentriert und mit klarem Fokus nach vorne gehen.“ Einen Blick zurück oder gar langwierige Diskussionen dürfe es nicht geben. Dafür fehle schlichtweg die Zeit. Für den Erfolg der Bank sei eine „hohe Umsetzungsgeschwindigkeit“ besonders wichtig. „Wir erwarten, dass jeder aus eigenem Antrieb an die Leistungsgrenze geht“, schreiben die beiden Vorstände. Denn die Einigung der Länder mit der EU-Kommission habe Gewicht, doch einen „zusätzlichen geschäftlichen Erfolg“ habe sie der Bank nicht gebracht.

 Aber nicht nur aus Sicht des Vorstandes, sondern auch aus Sicht der Eigentümer, neben den Ländern die Sparkassen in Schleswig-Holstein sowie der US-Investor Flowers, wurde am Montag die Basis für geschäftlichen Erfolg gelegt. Insgesamt werde sich das „Finanz- und Risikoprofil der HSH Nordbank nachhaltig verbessern“, die Abhängigkeit von der „krisenbehafteten Schifffahrt“ nehme deutlich ab, so fasste Stefan Ermisch den Kompromiss in einer Pressemitteilung zusammen. Der soll nun in eine rechtlich bindende Entscheidung der EU einfließen, mit der im ersten Halbjahr 2016 gerechnet wird.

 Und spätestens dann beginnt eine neue Zeitrechnung für die Bank. Zunächst wird sie von acht Milliarden Euro notleidenden Krediten entlastet. Zudem sinkt die Grundprämie auf die Garantie der Länder (zehn Milliarden Euro) von derzeit vier auf 2,2 Prozent. Die jährlichen Kosten reduzieren sich dadurch laut Vorstand von jetzt 400 auf nur noch 100 Millionen Euro; gleichzeitig verbessern sich die Finanzkennziffern in der Bilanz, weil die Summe der notleidenden Kredite von derzeit rund 15 Milliarden Euro um mehr als die Hälfte sinken wird.

 Und die künftige HSH Nordbank wird schon in wenigen Jahren keine Bank mehr im Mehrheitsbesitz der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein sein. „Das steht uns gut zu Gesicht“, so der Vorstand in seinem Mitarbeiter-Schreiben, und sei ein echte Zäsur, aber auch „anspruchsvolle Herausforderung“. Für die Privatisierung haben die Länder 24 Monate Zeit, beginnend ab der offiziellen EU-Entscheidung. Die Frist kann um sechs Monate verlängert werden, sollten Verzögerungen nicht von der Bank oder den Ländern zu verantworten sein. Die Gewerkschaft Verdi sieht bei der Privatisierung noch zahlreiche offene Fragen. „Es darf auf keinen Fall passieren, dass Arbeitsplätze im Norden verloren gehen“, sagte Frank Schischefsky. Da werde man die Landesregierung nicht aus der Verantwortung lassen.

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Das war sozusagen Rettung in letzter Minute. Denn der HSH Nordbank lief zuletzt die Zeit davon. Die anhaltende Unsicherheit über die Zukunft des Instituts hätte schon sehr bald existenzbedrohend werden können. Dann nämlich, wenn Ratingagenturen die ohnehin schlechte Einstufung der Bank nochmals herabgesetzt hätten.

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