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Frohe Botschaft und viele Fragezeichen

HSH Nordbank Frohe Botschaft und viele Fragezeichen

Draußen prasselt der Regen an die Scheiben des Konferenzsaals im achten Stock der Hamburger HSH-Zentrale. Drinnen bemühen sich ein Finanzchef und sein Vorstandsvorsitzender, Erfolge herauszustreichen und Dinge zu erklären, die kaum noch zu vermitteln sind.

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Die HSH Nordbank sieht sich wieder gut im Geschäft und schreibt erstmals seit vier Jahren schwarze Zahlen. Über den Berg ist die einstige Landesbank damit aber noch nicht.

Quelle: dpa/Bodo Marks

Hamburg/Kiel. Warum braucht eine Bank auf der Gewinnspur mehr Geld von ihren Eigentümern? Warum ist das Garantiegebäude, das die Nordbank stützt, als „windschief“ zu bezeichnen? Fast geht da die frohe Botschaft unter: Die HSH Nordbank verdient wieder Geld.

Nach vier bitteren Verlustjahren ist die einstige Krisenbank in die Gewinnzone zurückgekehrt: 160 Millionen Euro Gewinn nach Steuern kann die HSH für 2014 ausweisen. Kein schlechtes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass die zu rund 85 Prozent den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein gehörende Bank im Jahr zuvor noch ein Minus von 769 Millionen Euro verkraften musste. Das Neugeschäft legte um 25 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro zu, mit einem Schwerpunkt im boomenden Immobilienbereich. Die Kernbank mit einer Bilanzsumme von 76 Milliarden Euro erreichte ein bereinigtes Ergebnis von 330 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

Und so versprühte Konzernchef Constantin von Oesterreich Stolz, macht aber auch deutlich, dass zwar die Kernbank auf der Erfolgsspur fährt, dass das Institut insgesamt jedoch noch nicht über den Berg ist: „Wir haben wie versprochen geliefert und sind operativ deutlich besser geworden. Jetzt geht es darum, im Schulterschluss mit unseren Eigentümern auch strukturelle Veränderungen anzustoßen, damit die HSH Nordbank auf lange Sicht die starke Regionalbank im Norden ist.“

Wenn Unternehmen von „strukturellen Veränderungen“ sprechen, dann sind in der Regel organisatorische Einschnitte gemeint, die meist einen erheblichen Personalabbau bedeuten. Das ist, wie bereits berichtet, auch bei der HSH Nordbank der Fall. Das Institut, dass nach Vorgaben der EU seine Bilanzsumme um die Hälfte auf 110 Milliarden Euro reduzieren musste, hatte in den vergangenen drei Jahren bereits ein Drittel seiner Arbeitsplätze gestrichen und wird bis 2017 weitere 500 Vollzeitstellen abbauen, so dass dann noch 2200 Stellen übrig sind. Der Bankchef betonte, dass von diesem Abbau beide Hauptstandorte ihrer Größe entsprechend betroffen sein werden. In Kiel hatte die Bank Ende vergangenen Jahres 851 Vollzeitstellen, in Hamburg 1249.

Doch „strukturelle Veränderungen“ bedeuten aus Sicht der Nordbank vor allem eine Neuordnung des Garantie-Gerüstes, das die HSH seit 2009 einerseits am Leben hält, andererseits jedoch zunehmend belastet und den Blick auf die Erfolge der Kernbank verstellt: „Wir brauchen gezielte chirurgische Eingriffe“, sagt Finanzvorstand Stefan Ermisch. Das Institut zahlt Hamburg und Schleswig-Holstein für die Absicherung jährlich hohe Prämien. Zwar werden die Folgen durch eine Kapitalschutzklausel gemildert, aber allein 2014 belasteten die Gebühren das Institut mit 861 Millionen Euro. Nach den Hochrechnungen des Instituts werden die Länder von 2019 bis 2025 mit 2,1 Milliarden Euro aus dieser Garantie in Anspruch genommen, müssen also für Verluste der Bank geradestehen. Das sind 500 Millionen Euro mehr als bisher vorausberechnet – vor allem, weil der teure US-Dollar die Risikovorsorge für Schiffskredite dramatisch in die Höhe getrieben hat.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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