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2014 wird Jahr der Wahrheit

HSH Nordbank 2014 wird Jahr der Wahrheit

Mehr als 800 Millionen Euro Verlust, voraussichtlich 300 Millionen Garantie-Euro mehr, die die Länder ab 2019 in die Bank pumpen müssen: Trotz dieser Horrorzahlen reagierte die Landesregierung in Kiel vergleichsweise gelassen. Ein Grund dafür ist Normalsterblichen kaum zu vermitteln: Ob die HSH Nordbank nun 400, 600 oder 800 Millionen Euro Verlust ausweist, ist in der derzeitigen Lage der Bank relativ schnuppe.

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Operativ hat sich die HSH Nordbank als „Bank für Unternehmer“ neu positioniert und mit dieser Strategie nach eigener Aussage ihre Stellung bei Firmenkunden im Norddeutschlands „gesichert“, in Mittel- und Süddeutschland jedoch neue Kunden gewinnen können.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Viel entscheidender ist diese Frage, die sich die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein als Mehrheitseigentümer seit Langem bereits stellen: Wird das Institut mit seinen noch rund 3000 Mitarbeitern dieses Jahr überhaupt überleben? Oder wird die Europäische Union, die die deutschen Landesbanken seit jeher auf dem Kieker hat, der HSH-Nordbank vielleicht schon im Herbst die Lebensfähigkeit absprechen – und das einst so stolze Institut damit in die Abwicklung treiben? Ein Szenario, für das sich beide Länder zu wappnen beginnen.

 Klar ist: 2014 wird für die HSH, die im Kerngeschäft eigentlich gut unterwegs ist, zum Jahr der Wahrheit. Denn ab Herbst gilt es, große Hürden zu meistern. Da ist zunächst das Ergebnis der sogenannten Asset-Quality-Review (AQR) durch die Europäische Zentralbank, die künftig für alle großen Banken der Europäischen Union als Aufsichtsbehörde zuständig ist. Für diesen Stresstest knöpfen sich die EZB-Prüfer vor allem das noch gut 20 Milliarden Euro schwere und von der Branchenkrise gebeutelte Schifffahrtsportfolio der Bank vor. Sollten sich hier in größerer Zahl faule Kredite finden, für die die Bank keine Vorsorge getroffen hat, dann wäre das im laufenden Beihilfeverfahren um die Ausweitung der Ländergarantie für die EU möglicherweise das entscheidende Signal, den Daumen zu senken und der Bank die Lebensfähigkeit abzusprechen. Bislang hat Brüssel die für die Nordbank existenziell wichtige Wiederaufstockung der Ländergarantie von sieben auf zehn Milliarden Euro lediglich vorläufig genehmigt.

 Ein handfestes Liquiditätsproblem bekäme die Bank, wenn die großen Rating-Agenturen Fitch und Moody’s die Kreditwürdigkeit der HSH neu bewerten, und das dürfte bereits kurz nach Bekanntgabe der EZB-Stresstest-Ergebnisse im Herbst der Fall sein. Sollte die Bank für ihre Wertpapiere den sogenannten Investmentgrade verlieren, wäre ein massiver Kapitalabzug kaum zu vermeiden.

 Ob die Bank, wie vom Vorstand prognostiziert, in diesem Jahr wirklich die Rückkehr in die Gewinnzone schafft, hängt in erster Linie von der Entwicklung der Schifffahrtsmärkte ab. Voraussagen, dass sich hier langsam eine Erholung abzeichnet, hatten sich in der Vergangenheit immer wieder als Makulatur erwiesen. Aus Sicht der Ratingagentur Moody’s zählt das HSH-Schifffahrtsportfolio zu den schwächsten in der Branche. Für das laufende Jahr plant die HSH in diesem Geschäftsbereich einen Rückgang des Neugeschäfts um 13 Prozent auf knapp eine Milliarde Euro.

 Das alles hört sich nicht gut an. Aber wie sagte Vorstandschef Constantin von Oeterreich jüngst mit Blick auf die Länder als Eigner: „Wir haben Gürtel und Hosenträger. “

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Foto: Die HSH Nordbank ist 2013 wieder tief in die roten Zahlen gerutscht, jetzt soll es aber wieder aufwärts gehen.

Die HSH Nordbank will nach tiefroten Zahlen im Vorjahr 2014 wieder Gewinn ausweisen. 2013 betrug der Konzernverlust 814 Millionen Euro, wie die Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein am Donnerstag mitteilte. Das Ergebnis sei vor allem von einer höheren Risikovorsorge für Schiffskredite, einem gestiegenen Aufwand für die Kapitalgarantie der Länder sowie Steuerrückstellungen für Altlasten belastet worden.

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