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HSH: Wirbel um neuen Schuldenschnitt

Rickmers Maritime Trust HSH: Wirbel um neuen Schuldenschnitt

Erneut Schuldzuweisungen zwischen Regierung und Opposition – wie immer, wenn es um die HSH Nordbank geht. Das staatlich gestützte Institut verhandelt mit der in Singapur ansässigen Reederei Rickmers Maritime Trust (RMT) um die Rückzahlung von Krediten in dreistelliger Millionenhöhe.

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Bertram Rickmers, Eigentümer Rickmers-Gruppe.

Quelle: dpa

Kiel/Hamburg. Aufgeschreckt durch entsprechende Medienberichte brachten die Liberalen das Thema eines möglichen neuen Schuldenerlasses am Mittwoch auf die Tagesordnung im Landtag. Die Landesregierung müsse „alles tun, um einen zweiten Fall Kortüm zu verhindern“. Im vergangenen Frühjahr hatte die HSH dem Hamburger Reeder und Immobilienunternehmer Bernd Kortüm mehr als 500 Millionen Euro Schulden erlassen.

 Nun also wackelt RMT. An der börsennotierten Gesellschaft mit ihren aktuell 14 Schiffen ist die Hamburger Traditionsreederei Rickmers mit gut 34 Prozent beteiligt. Nachdem bisherige Verhandlungen gescheitert waren, hat die ländereigene HSH Nordbank RMT nun ein Ultimatum gestellt: Entweder präsentieren die Fondsmanager bis zum 15. April ein verbessertes Angebot zur Restrukturierung der Verbindlichkeiten, oder der Fonds rutscht in die Pleite. FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki kündigte an, die FDP werde „nicht lockerlassen, zu verhindern, dass schleswig-holsteinische Steuerzahlerinnen und Steuerzahler die Bankschulden vermögender Reeder bezahlen müssen.“ Dem Reeder Bertram Rickmers wirft der Liberale vor, „nennenswerte Beträge“ aus dem Fonds in sein Privatvermögen übertragen zu haben.

 In der vergangenen Woche hatte HSH-Vorstandschef Stefan Ermisch im Interview mit den Kieler Nachrichten mit Blick auf die Krise der norddeutschen Reeder betont, dass es Wertberichtigungen oder Abschreibungen immer geben werde, „zumal wenn eine Branche am Boden liegt“. Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) sagte, sie könne „die Empörung vieler Bürgerinnen und Bürger gut verstehen“. Diese erwarteten zu Recht, dass Reeder mit Privat- und Firmenbesitz ihre Kredite an eine Bank in öffentlicher Trägerschaft vollständig zurückzahlten. „Das ist auch meine Erwartung.“ Dennoch werde es auch zukünftig zu Forderungsverzichten kommen. Und zwar immer dann, wenn dies die wirtschaftlichste Lösung für die Bank und damit auch für das Land als Anteilseigner sei.

 Der Zahlungsausfall von RMT habe „keinerlei Auswirkungen auf die Finanzierungen der Rickmers Holding AG und ihrer Tochtergesellschaften“, teilte das Hamburger Unternehmen mit. Wie die gesamt Branche kämpft die Rickmers-Gruppe mit erheblichen Umsatz- und Ertragseinbrüchen. Das Unternehmen managt 114 Schiffe, davon rund die Hälfte mit eigener Beteiligung. Von der TochterRMT hatten die Hamburger sich im Oktober bis auf eine Finanzbeteiligung getrennt. Ende November hatte der Fonds sich für zahlungsunfähig erklärt. Bertram Rickmers, Alleinaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender der Rickmers-Gruppe, ist jedoch nach wie vor Vorstandsvorsitzender der RMT-Dachgesellschaft. Die HSH wollte sich gestern offiziell nicht äußern.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Kommentar

Wieder könnte zumindest indirekt ein Reeder, dem man persönliche Armut nicht gerade nachsagen kann, von einem Schuldenerlass der HSH Nordbank profitieren. Bertram Rickmers ist nicht Bernd Kortüm, und diesmal geht es auch nicht um eine halbe Milliarde, sondern um erheblich weniger.

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