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Handel braucht immer mehr Kapital

Schleswig-Holstein Handel braucht immer mehr Kapital

Vom kleinen Handwerksbetrieb bis zum jungen Hightech-Unternehmen: Trotz niedriger Kreditzinsen wächst in der Wirtschaft Schleswig-Holsteins der Hunger nach relativ teurem Beteiligungskapital. Am auffälligsten klettert der Kapitalbedarf im Handel. Denn die Branche leidet unter einer vergleichsweise dünnen Eigenkapitalausstattung und kommt damit oftmals nur schwer an Bankkredite.

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Ihre Hilfe ist gefragt: MBG-Geschäftsführer Hans Peter-Petersen (links) und Gerd-Rüdiger Steffen.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Gleichzeitig verlangen Kunden ständige Lieferfähigkeit – was die Finanzierung großer Warenbestände erfordert. Ein schwieriger Spagat.

 Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Laufe des vergangenen Jahres sprang die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein (MBG) 30 Handelsunternehmen im Land mit einer Kapitalbeteiligung von 5,4 Millionen Euro zur Seite – ein Plus von 67 Prozent gegenüber 2013: „Die Branche leidet unter strukturellen Schwächen, die unsere Hilfe immer häufiger erforderlich machen“, sagt Gerd-Rüdiger Steffen. Genau wie sein Geschäftsführungskollege Hans-Peter-Petersen beobachtet der MBG-Chef eine zunehmende Spaltung des Marktes für Bankkredite: „Gute Unternehmen können sich vor Angeboten der Banken kaum retten, junge Firmen oder Betriebe mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten oder schwacher Eigenkapitalausstattung jedoch werden nur unter Einbindung von Förderinstituten bedient.“ Anders als viele Bankkritiker werfen weder Steffen noch Petersen den Instituten Rosinenpickerei vor. Steigende Regulierungskosten und strengere Risiko-Auflagen würden die Banken geradezu zwingen, im Kreditgeschäft verstärkt auf die Marge zu achten. Und da ein 50000-Euro-Darlehen im Prinzip die gleiche Arbeit macht wie ein Kredit über die zehnfache Summe, kassieren Kleinbetriebe immer häufiger eine Absage.

 Genau wie die beiden anderen Förderinstitute im Land, die Investitions- und die Bürgschaftsbank, springt die MBG in die Bresche, wenn Geld gebraucht wird, um Arbeitsplätze zu sichern und Innovationen zu ermöglichen. Mit insgesamt 18 Millionen Euro beteiligte sich die MBG im vergangenen Jahr an 128 Unternehmen und begleitete damit ein Finanzierungsvolumen von 117 Millionen Euro. Insgesamt 3462 Arbeitsplätze wurden gesichert, 232 neu geschaffen. Einen Schwerpunkt bildet die Unterstützung vielversprechender Technologiefirmen im Rahmen des Seed- und Startup-Fonds: Allein aus diesem Topf erhielten 27 Jungunternehmen vier Millionen Euro an Beteiligungskapital.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion