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Kleine Kinos streiten mit Disney

Höhere Verleihgebühren Kleine Kinos streiten mit Disney

Die kleinen Kinos im Land wollen einen der größten Filmkonzerne der Welt unter Druck setzen. Weil die „Walt Disney Studios Motion Pictures Germany“ kurzfristig die Preise für den Verleih ihrer Blockbuster in Deutschland angehoben haben, zeigen viele Kinos dem Konzern die rote Karte. Sie haben Disney-Filme wie „The Avengers“ oder „Tinkerbell“ vom Spielplan gestrichen. Filmfans zeigen Verständnis für den Boykott.

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Captain America und „The Avengers“ wurden in vielen Kinos aus dem Programm gestrichen.

Quelle: Jay Maidment/Walt Disney

Kiel. Es waren neue Geschäftsbedingungen, die viele Kleinstadtkinos im Norden kalt erwischten: Künftig sollen auch die Lichtspielhäuser in Städten mit weniger als 100.000 Einwohnern 53 Prozent der Einnahmen aus Disney-Filmen an die Deutschland-Tochter des amerikanischen Konzerns abdrücken. Bisher lagen diese Abgaben bei rund 48 Prozent. Die Branche sieht eine rote Linie überschritten und fürchtet, dass andere Filmkonzerne nachziehen. Landesweit haben Kino-Inhaber deswegen die Disney-Filme, darunter den neuen Abenteuer-Spielfilm „The Avengers: Age of Ultron“, der morgen in Deutschland startet, gestrichen.

 Der Dreh an der Preisschraube treffe die Branche in einer angespannten Situation, sagt Andreas Kramer, stellvertretender Vorstand vom Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF). Seinen Angaben zufolge seien die Ausgaben der Kinos in jüngster Zeit erheblich gestiegen. Der Mindestlohn, eine weitere Generation digitaler Vorführtechnik, neue Anforderungen an das Marketing sowie steigende Energiepreise drückten zuletzt auf die Gewinne. Vor allem aber ärgern sich die Kinobetreiber über die Vorgehensweise von Disney. „Die geplanten Änderungen der Konditionen erfolgten ohne vorherige Ankündigungen oder Rücksprachen. Die Kinos haben nur wenig Spielraum, um zu reagieren und ihre Einsatzpolitik zu überdenken“, so Kramer.

 Ganz offensiv geht das Schauburg-Filmtheater in Rendsburg mit dem Boykott der Disney-Filme um. „Wir bedauern sehr, Ihnen einen der meist-erwarteten Filme des Jahres nicht zum Start zeigen zu können und verstehen auch Ihre Enttäuschung“, heißt es auf der Internetseite des traditionsreichen Familienunternehmens. Und weiter: „Wir hoffen aber, gemeinsam mit über 400 Kinos in Deutschland schon bald zu einer Einigung mit den Walt Disney Studios zu kommen.“ Die Reaktionen der Kunden ist eindeutig. „Fast alle zeigen Verständnis und unterstützen uns“, sagt Kinochefin Karen von Fehrn-Stender. „Besonders auf Facebook gibt es sehr ermutigende Nachrichten.“ Einfach sei die Entscheidung zum Boykott nicht gewesen. Schließlich verspricht die Fortsetzung der Avengers-Reihe volle Kinosäle.

 Es gibt aber auch andere Stimmen unter den Kleinstadtkinos: Thies Harm, Inhaber des „Capitol Cine Center“ in Preetz, wird „The Avengers II“ morgen zeigen. „Natürlich ist das grundsätzlich nicht erfreulich, wenn jemand einseitig die Preise erhöht“, sagt der Kino-Chef. Dem Boykott-Aufruf will er sich dennoch nicht anschließen. Er sagt: „Jeder führt sein eigenes Geschäft.“ Von Walt Disney Deutschland gab es am Dienstag keine Stellungnahme.

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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Die Betreiber von Kleinstadtkinos sind in Aufruhr. Das amerikanische Disney-Imperium versucht, mehr Geld von ihnen zu bekommen, und hat ausgerechnet für einen erwarteten Kassenschlager kurz vor dem Filmstart die Leihgebühren erhöht. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Produktionskosten für Blockbuster wie „The Avengers“ steigen kontinuierlich.

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