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Wertvoller Kompost aus Bioabfällen

Holsteiner Erdenmanufaktur Wertvoller Kompost aus Bioabfällen

Es ist ruhig an diesem Nachmittag in der Alten Mu, wo sich Christoph Hohenschurz-Schmidt in der Thinkfarm ein Büro mit mehreren Kreativen teilt und am Schreibtisch über Excel-Tabellen brütet. Gemeinsam mit Knud Keller (25) hat er im vergangenen April die Holsteiner Erdenmanufaktur gegründet.

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Christoph Hohenschurz-Schmidt glaubt, dass es einen Markt für hochwertige Erde gibt.

Quelle: Frank Peter

Kiel/Fockbek. Nur eine kleine Schale voller Erde verrät, dass der 25-Jährige den Großteil seiner Zeit nicht hier verbringt, sondern sich beim Kompostieren auch die Hände schmutzig macht.  „Wir wollen den Kompost, den es sowieso in der Region gibt, möglichst gut nutzen“, sagt Hohenschurz-Schmidt. „Und das klimaneutral und nachhaltig tun.“ Aus Grünabfällen produzieren er und sein Kompagnon auf einer Fläche der Recyclinganlage Fockbek hochwertigen Humus, Rasen- und Gartenerde. Den Impuls für die Gründung gab sein Vater Ralph Hohenschurz-Schmidt. Der Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft Rendsburg-Eckernförde ist auch mit Recycling-Unternehmer Bernhard Scheil Gesellschafter des Start-ups.

 Der Markt für hochwertige Erde aus der Region ist da, ist sich Hohenschurz-Schmidt sicher. „Immer mehr Leute legen Wert auf den Zusammenhang zwischen Erde und einer gesunden Pflanze.“ Zielgruppe seien private Gärtner sowie Landschaftsgartenbauer. Für ihre Erde fügen die beiden Gründer dem Kompost Gesteinsmehl zu, um den Anteil der Spurenelemente zu erhöhen. Dann muss er häufig bewässert und umgesetzt werden für eine gute Versorgung mit Sauerstoff. „Wir setzen dabei auf kleine, etwa anderthalb Meter hohe Mieten“, erklärt Hohenschurz-Schmidt. So nennen Profis den Haufen, der aus organischem Material aufgeschüttet wird. Ist der Kompost nach drei bis fünf Monaten reif, wird er abgesiebt und mit verschiedenen Zuschlagstoffen gemischt. Bei Blumenerde ist das zum Beispiel Lavagestein. Das stamme allerdings aus der Eifel und nicht aus Schleswig-Holstein.

 „Da befinden wir uns im Zwiespalt, einerseits ein möglichst gutes Produkt zu schaffen und gleichzeitig Sorge für Regionalität zu tragen“, sagt Hohenschurz-Schmidt. Bei Lavagestein findet er das vertretbar, eine „rote Linie“ sei für ihn allerdings beim Thema Torf überschritten. „Den wollen wir auf keinen Fall in unserer Erde.“ Das organische Sediment werde vor allem in Osteuropa abgebaut, wofür zahlreiche Moore trockengelegt würden. „Durch den Abbau wird nicht nur Vegetation zerstört. Torf speichert viel Kohlenstoffdioxid, das dann freigesetzt wird. Das ist schlecht fürs Klima.“ Pro Kubikmeter soll die torf- und keimfreie Rasenerde den Kunden am Ende 44 Euro kosten. Im Baumarkt gibt es einen 30-Liter-Sack vergleichbarer Erde für rund zehn Euro, ein Kubikmeter würde also 330 Euro kosten.

 Neu ist die Idee der ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft und des regionalen Vertriebs nicht. Auch die OAR Biokompostierung in Altenholz und andere Abfallwirtschaftsbetriebe im Land bieten schon Kompostprodukte und Erden an. „Sie verdienen ihr Geld aber schon mit der Annahme des Grünschnitts“, erklärt Hohenschurz-Schmidt. „Die Erde ist nur ein Nebengeschäft.“ Die Holsteiner Erdenmanufaktur wolle neue Wege in der Kompostierung gehen und sich besonders intensiv mit der Produktentwicklung auseinandersetzen.

 Ein bloßer Idealist ist der Jungunternehmer, der Betriebswirtschaftslehre und Politikwissenschaft studiert hat, aber nicht. „In diesem Frühjahr ist unser erstes Ziel ein erfolgreicher Markteintritt“, sagt der Gründer. „Wir wollen nicht nur die Versicherung, dass das eine klasse Idee ist, sondern dass die Leute unsere Erde auch kaufen.“

 Zwar sei im Herbst schon die erste Fuhre Humus fertig gewesen, aber zu dieser Zeit war die Gartensaison schon so gut wie am Ende und auch das Corporate Design der Firma stand noch nicht. Deswegen wollen die Jungunternehmer in diesem Frühjahr richtig durchstarten. Den ersten Großauftrag hat die Holsteiner Erdenmanufaktur nach eigenen Angaben schon in der Tasche.

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Ein Artikel von
Anne Holbach
Wirtschaftsredaktion

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