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Werften gehen die Aufträge aus

IG-Metall-Umfrage Werften gehen die Aufträge aus

Auf den deutschen Werften geht wieder die Angst vor einem Personalabbau um. Grund sind rasant schrumpfende Auftragsbestände bei den Werften, die auf zivile Schiffe setzen. Die Gewerkschaft IG Metall Küsten hatte die Betriebsräte von 40 Schiffbaubetrieben befragt und stellte die Ergebnisse am Montag in Hamburg vor.

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Der Bau großer Handelsschiffe wie hier in Flensburg bei der Werft FSG ist heute in Deutschland die absolute Ausnahme. Diese Aufträge sind überwiegend nach Osteuropa und Asien abgewandert.

Quelle: Frank Behling

Hamburg. „Einige Betriebe wie Nordic Yards in Wismar, Rostock-Warnemünde und Stralsund, die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft oder Nobiskrug in Rendsburg benötigen dringend neue Aufträge“, sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

 Die gute Nachricht: Am 31. Dezember 2014 arbeiteten 15.592 Menschen in den 40 deutschen Werftbetrieben. Das sind 400 mehr als 2013. Doch diese Zahl ist nur ein Lichtblick. Im Vergleich zu 2009 sind fast 5000 Menschen weniger auf den deutschen Werften beschäftigt. Und es droht neuer Kummer. „Die Auslastung reicht teilweise nur noch für einige Monate“, so Geiken. An den drei Standorten der Nordic Yards in Wismar, Warnemünde und Stralsund wackeln derzeit mehrere Hundert der 1300 Jobs. In Schleswig-Holstein entwickeln sich besonders die Nobiskrug Werft in Rendsburg sowie die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) zu Sorgenkindern.

 Die Flensburger Werft dominierte über Jahre den Fährschiffbau. Jetzt ging die Werft innerhalb weniger Monate im Wettbewerb um Aufträge leer aus. Ein Auftrag der kanadischen Fährreederei BC Ferries ging nach Polen – zuvor hatte die Reederei vier Fähren aus Flensburg bekommen. Und auch an der Obereider in Rendsburg ist es still geworden. Am Stammsitz der Nobiskrug-Gruppe gibt es zwar Verhandlungen über mögliche Aufträge aus dem Segment der Luxusjachten und Spezialschiffe. Im Moment reicht bei Nobiskrug der Auftragsbestand laut IG Metall aber nur noch für zwölf Monate – genauso wie in Flensburg. Die Zahl der Auftragseingänge sank von September 2014 bis August 2015 auf 25 Schiffe – von September 2013 bis August 2014 waren es noch 33.

 Ganz anders die Situation bei den Werften Meyer, TKMS und Lürssen. Die Bremer Lürssen-Gruppe ist mit ihren Standorten an der Weser in Wolgast und Schacht-Audorf bei Rendsburg über 33 Monate ausgelastet. Die Werften, die keine Probleme haben, sind sämtlich im Kriegs- oder Kreuzfahrtschiffbau aktiv. Erstmals seit fünf Jahren gab es keinen neuen Auftrag aus dem Offshore-Bereich. Geiken sieht darin „ein erschreckendes Signal“. Einen Monat vor der Nationalen Maritimen Konferenz fordern die Gewerkschafter deshalb ein klares Signal von der Bundesregierung. Die Vergabe von Bauaufträgen für Offshore-Windparks an Werften aus Asien hatte bereits heftige Kritik ausgelöst.

 Besonders wichtig und dringend erwartet seien für die Werften zudem Aufträge zum Bau neuer Spezialschiffe. So wird das Kieler Forschungsschiff „Poseidon“ in Kürze 40 Jahre alt und sollte längst ersetzt werden. Aber auch Mehrzweckschiffe des Bundes, wie die „Scharhörn“ oder die Bundespolizei-Schiffe, sind längst am Ende ihrer Lebensdauer angekommen.

 Trotz der teilweise düsteren Aussichten ist das Interesse beim Nachwuchs am Schiffbau groß. Laut IG Metall gibt es im Durchschnitt 23 Bewerber auf einen Ausbildungsplatz auf einer Werft.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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Die Werften sind kein x-beliebiger Wirtschaftszweig in Deutschland. Sie sind der Ort, an dem Schlüsseltechnologien gepflegt werden. Schiffbau ist Motor für Innovation, durchaus vergleichbar mit der Luft- und Raumfahrttechnologie.

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