11 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Erster Preis für ein erhellendes Produkt

Ideenwettbewerb in SH Erster Preis für ein erhellendes Produkt

Viel Meer, viel Mensch, viel Digitales: Das kennzeichnet die Initiativen, die am Montag in der Fachhochschule Kiel erfolgreich aus dem siebten Ideenwettbewerb Schleswig-Holstein hervorgingen. 

Voriger Artikel
Flensburg: Erste RoRo-Fähre abgeliefert
Nächster Artikel
Schleswig-Holsteins Industrie investiert mehr

Tom Kwasnitschka (li.) und Jan Sticklus mit ihrer LED-Leuchte, die selbst in 6000 Meter Meerestiefe funktioniert.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Über den mit 5000 Euro dotierten ersten Preis freute sich ein Forscher-Duo, dessen wahrlich erhellendes Produkt das Zeug für den Massenmarkt hat. Jan Sticklus ist Ingenieur für Elektrotechnik, Tom Kwasnitschka promovierter Biologe, zueinandergefunden haben sie auf dem Gebiet der Meeresforschung. Und in gewisser Weise über die Unzufriedenheit von Kwasnitschka. Der ist Spezialist für fotografische Begegnungen mit dem Boden der Tiefsee und hat sich immer wieder über die schwere, teure, stromfressende und unzureichende Beleuchtungstechnik von der Stange geärgert.

Im Jahr 2013 begannen die beiden Geomar-Wissenschaftler, an einer besseren Lösung zu tüfteln. Und die kommt verblüffend einfach daher. Auf LED-Basis entwickelten sie druckbeständige Leuchten, die dank einer Ummantelung mit Kunstharz unempfindlich gegen Korrosion und Kurzschlüsse sind. Was sich ebenso einfach anhört, wie das 45 Gramm leichte Produkt aussieht, aber dennoch mit einer langen Phase akribischer Denk- und Experimentierarbeit verbunden war.

"Funktioniert wunderbar"

Diese Arbeit wiederum hat sich gelohnt. „Es funktioniert wunderbar“, berichtete Tom Kwasnitschka. Auf mehreren Expeditionen im Nordatlantik und im Pazifik haben die Leuchten, die sich modular an bereits vorhandenen Unterwasserfahrzeugen anbringen lassen, bereits in bis zu 6000 Meter Tiefe ihre Überlegenheit bewiesen.

Als „tolle Idee“ bezeichneten dieses Projekt sowohl Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) als auch Erk Westermann-Lammers von der Investitionsbank Schleswig-Holstein, die den Hauptpreis gestiftet hatte. Noch toller finden es die Herren, dass die Leuchten-Erneuerer bereits mit Firmen im Gespräch sind, um ihr patentiertes Verfahren auf breiterer Basis unter die Leute zu bringen. Die Produktion wollen sie im Erfolgsfall unbedingt in Schleswig-Holstein halten. Das sei „eine Frage der Ehre“ und außerdem auch zweckmäßig, meint Jan Sticklus.

Weitere Preise wurden verliehen

Ebenfalls wirtschaftliche Potenziale bietet der von der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft mit 3000 Euro verschönerte zweite Preis. Meeresbiologe Rafael Meichßner gewann ihn für sein Konzept zum Aufbau einer Aquakultur für Blasentang. Die Fucusfarm, wie sie in Anlehnung an den lateinischen Fachbegriff für diese Alge heißt, soll im Terrain der Kieler Meeresfarm entstehen, wo bislang allein Muscheln gezüchtet werden. Möglich ist das dank einer neuen Methode, die eine Vermehrung des Blasentangs ohne feste Unterlage ermöglicht und zugleich die Erntezeit um ein halbes Jahr verkürzt. Blasentang liefert begehrte Stoffe für die Kosmetik, die Ernährung, die Antifouling-Behandlung von Schiffen und viele andere Anwendungen. Mithin ist die Alge so begehrt, dass ihre Bestände drastisch zurückgegangen sind.

Im Wasser bleibt auch der von den 16 Gründerzentren im Land gestiftete dritte Preis, der zusammen mit 1500 Euro an die Brüder Frederik und Raffael Rimpf geht. Sie erfanden die Online-Plattform „Fischalarm“, die es möglich macht, dass frischer Fisch vom Netz des Fischers übers virtuelle Netz per Reservierung direkt im Einkaufsnetz der Kunden landet. „Große Marktchancen“ für dieses Modell versprechen sich die Brüder über Schleswig-Holstein hinaus.

Drei jeweils mit 1000 Euro dotierte Sonderpreise wurden verliehen für: eine App, die über die Verhaltensbeeinflussung das Abnehmen ohne Diät möglich machen soll, die Entwicklung eines hydropneumatischen Schwungradspeichers, der den Stromnetzen ungeliebte Schwankungen durch Windstrom ersparen hilft, und für ein intelligentes Mundstück, das per Sensor den Laktatgehalt im Speichel misst und Sportler vor ungesunder Erschöpfung bewahren hilft.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3