16 ° / 11 ° Gewitter

Navigation:
IfW-Präsident Snower: Flüchtlingskrise als Chance nutzen

Wirtschaftspolitik IfW-Präsident Snower: Flüchtlingskrise als Chance nutzen

Drei Tage Brain Storming an der Förde: Beim Weltwirtschaftlichen Symposium haben internationale Experten 60 konkrete Lösungsvorschläge für diverse Probleme erarbeitet. Auch die Flüchtlingskrise war Thema. Ein Experte erwartet hier jährliche Kosten von 45 Milliarden Euro.

Voriger Artikel
Brunsbüttel Ports erwarten Rekord-Jahr bei Windkraftkomponenten
Nächster Artikel
Hapag-Lloyd-Börsengang fällt kleiner aus

Dennis Snower, Präsident des Kieler Institutes für Weltwirtschaft.

Quelle: Carsten Rehder/Archiv

Kiel. Die Flüchtlingskrise ist nach Ansicht des Ökonomen Dennis Snower eine einmalige Gelegenheit für die Welt, auf Grundlage gemeinsamer Werte globale Probleme zu lösen. "Je globaler und vernetzter unsere Welt wird, desto globaler und vernetzter werden auch unserer Probleme", erklärte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) am Mittwoch zum Abschluss des dreitägigen Weltwirtschaftlichen Symposiums. Nur wenn es gelinge, sich auf gemeinsame Werte zu verständigen, sei der Weg frei für Kooperation und Zusammenarbeit.

"Das war ein sehr ergiebiges Symposium, weil wir sehr interessante Lösungsvorschläge für ganz wichtige Probleme unserer Zeit erarbeitet haben", sagte Snower der Deutschen Presse-Agentur. Besonders interessante Erkenntnisse gebe es in Bezug auf das Flüchtlingsproblem und auf Umweltfragen, aber auch im Hinblick auf das Messen von menschlichem Wohlergehen.

Die jährlichen Kosten der Flüchtlingskrise können sich nach einer Expertenschätzung für Deutschland auf 45 Milliarden Euro belaufen. Zu diesem Ergebnis kam der Wissenschaftler Matthias Lücke vom IfW. Zur Finanzierung halte er Steuererhöhungen mittelfristig für wahrscheinlich, erläuterte der Forscher im IfW-Bereich für Armutsminderung und Entwicklung.

Grundlage für Lückes Schätzung ist die Annahme, es kämen nach Deutschland jährlich eine Million Flüchtlinge, die im Durchschnitt drei Jahre brauchen, bis sie in den Arbeitsmarkt integriert sind und für sich selbst sorgen oder ins Heimatland zurückkehren. An jährlichen Kosten je Asylbewerber setzte Lücke 15 000 Euro für Nahrung, Unterkunft, täglichen Bedarf, Gesundheitsdienstleistungen und Integrationsmaßnahmen an. Er plädierte dafür, die Verantwortung für den Umgang mit Flüchtlingen und die Finanzierung allein auf EU-Ebene anzusiedeln. Die Länder müssten sich den Entscheidungen fügen.

Die Suche nach Lösungen in der Flüchtlingskrise war ein Schwerpunkt des Kieler Symposiums. "Nach meinem Eindruck wurde den Teilnehmern sehr klar, dass das Flüchtlingsproblem zu einer Bedrohung werden kann, wenn unsere Einstellung zu den Flüchtlingen nicht positiv ist", sagte Snower. Er verwies auf die Verankerung des Asylrechts in der von den europäischen Staaten unterschrieben allgemeinen Menschenrechtskonvention. "Wir können uns nicht aussuchen, wie viele Flüchtlinge wir haben." Zu den Überlegungen des Kieler Symposiums gehöre auch, Beschäftigungscluster in Ländern wie der Türkei und Jordanien zu schaffen.

Das Symposium in Kiel will rund 60 konkrete Lösungsvorschläge zu diversen Themen an Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik herantragen. Zu den Gästen gehörten Wirtschaftsnobelpreisträger George Akerlof, der türkische Finanzminister Mehmet Şimşek, die Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank, Claudia Buch, und führende Religionsvertreter wie der muslimische Großmufti Mustafa Ceric.

Der türkische Finanzminister kündigte auf dem Symposium nach IfW-Angaben für die kommenden Jahre einen entschiedenen Reformfahrplan an. Das Symposium 2016 wird nach 2010 zum zweiten Mal in Istanbul stattfinden. Damit gebe es die Chance, globale Herausforderungen, bei denen die Türkei eine Schlüsselrolle spiele, vor Ort und mit regionalen Experten zu diskutieren, sagte Snower. Als Beispiel nannte er die Flüchtlingskrise sowie die Situation in Syrien und im Irak. Auch die Frage, wie in einem Land mit einem aufstrebenden Markt wie der Türkei Wohlstand gerecht verteilt werden kann, solle eine Rolle spielen.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3