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Mehr Öko- als Atomenergie

Statistikamt Nord Mehr Öko- als Atomenergie

Auf diesen Tag hat die Öko-Branche mehr als 30 Jahre gewartet. Am Donnerstag gab das Statistikamt Nord bekannt, dass in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr erstmals mehr Strom aus Wind, Sonne, Biogas & Co erzeugt wurde als mit Hilfe der Atomkraft.

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Erneuerbare Energien haben in Schleswig-Holstein die Atomkraft als Hauptquelle in der Stromproduktion abgelöst.

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Kiel. „Der Norden kann stolz auf diese Leistung sein“, sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Der Erfolg ist allerdings teuer erkauft. Nach Angaben des Statistikamtes bedurfte es mehrerer tausend Windräder, Photovoltaik- und Biogasanlagen, um 2014 rund 12,4 Millionen Megawattstunden einzuspeisen. Das sind 43,3 Prozent der Landesbruttostromerzeugung und in der Gesamtschau nur etwas mehr, als das Kernkraftwerk Brokdorf lieferte. Der letzte der drei Meiler in Schleswig-Holstein (Krümmel und Brunsbüttel sind vom Netz) lieferte 11,5 Millionen Megawattstunden und kam damit allein auf einen Stromanteil von 40,2 Prozent.

Habeck fasste bereits die nächsten Ziele ins Auge. Im laufenden Jahr sollen Wind, Sonne und Biomasse rund 100 Prozent des Stromverbrauchs in Schleswig-Holstein decken. Das Land könnte sich damit zumindest rechnerisch erstmals selbst aus regenerativen Energien versorgen und bliebe dank der Atomkraft ein großes Stromexportland. Damit nicht genug: Im Jahr 2025 soll Schleswig-Holstein dank großer Windparks in der Nordsee bereits dreimal mehr Strom erzeugen als verbrauchen.

Trendsetter bei der Öko-Energie sind schon jetzt die Windkraftanlagen. Sie liefern 28,5 Prozent der Bruttostrommenge. Biogasanlagen steuern 8,8 Prozent bei, Sonnenkollektoren weitere 4,7 Prozent. Fossile Energieträger spielen in Schleswig-Holstein eine im Bundesvergleich untergeordnete Rolle. Kohlekraftwerke haben einen Anteil von 12,3 Prozent, Gaskraftwerke einen von 2,2 Prozent.

Im Landeshaus wurde der Siegeszug der Öko-Energie gefeiert. „Die Energiewende ist machbar“, sagte Olaf Schulze (SPD). Brokdorf nannte er einen „Wermutstropfen“. Der Irrweg der Atomkraft sei leider noch nicht ganz zu Ende.

„Atomkraftwerke sind nicht nur gefährlich, sondern vor allem teuer“, ergänzte Detlef Matthiessen (Grüne). Auch Angelika Beer (Piraten) sieht Schleswig-Holstein auf dem richtigen Weg. „Im Gegensatz zu den Erneuerbaren Energien kann uns Brokdorf jederzeit um die Ohren fliegen.“

In die Freude mischten sich kritische Töne. Jens Magnussen (CDU) forderte Habeck auf, für Speicherkapazitäten zu sorgen und den Netzausbau voranzubringen. Oliver Kumbartzky (FDP) forderte mit Blick auf die Windenergie mehr Transparenz. „Die Energiewende kann nur mit, nicht gegen die Bürger gelingen.“

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Die Energiewende ist oft belächelt und noch häufiger als Öko-Rohrkrepierer kritisiert worden. Die vom Statistikamt Nord gestern vorgelegte Bilanz für 2014 belegt das Gegenteil. In Schleswig-Holstein kommt erstmals mehr Strom aus Wind, Sonne und Biomasse als aus der Atomkraft. Und schon in diesem Jahr wird sich Schleswig-Holstein statistisch betrachtet selbst mit Strom versorgen. Wir sind also auf einem guten Weg. Die Energiewende kann gelingen.

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