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„Käufer sind von Gier getrieben“

Immobilienpreise „Käufer sind von Gier getrieben“

Die Preise für Immobilien in Schleswig-Holstein klettern weiter. Das Berliner Forschungsinstituts Empirica hat in einer aktuellen Studie untersucht, wie groß die Gefahr einer Immobilienblase im Land ist.

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Knappes Angebot, hohe Preise: Wer jetzt ein Haus kaufen möchte, muss tief in die Tasche greifen.

Quelle: dpa

Kiel. Während in ländlichen Gebieten noch ausreichend Wohnungen und Häuser auf dem Markt sind, stellt sich die Situation in Städten wie Kiel trotz eines Baubooms genau umgekehrt da: „Viele Käufer sind von der Gier getrieben und bezahlen mehr, als die Immobilie eigentlich wert ist. Der Markt ist überhitzt“, sagt Reiner Braun. Der stellvertretende Vorsitzende des Berliner Forschungsinstituts Empirica hat in einer aktuellen Studie untersucht, wie groß die Gefahr einer Immobilienblase in Schleswig-Holstein ist. Sein Fazit: „Ich würde zu den heute üblicherweise aufgerufenen Preisen nicht kaufen.“

 Empirica hat den Immobilienmarkt nach vier Kriterien untersucht und dabei das Jahr 2004 als „Normalphase“ mit der aktuellen Situation verglichen: Dabei wurde der Kaufpreis in Abhängigkeit zur erwarteten Jahresmiete, zum Jahreseinkommen, zur Zahl der Fertigstellungen je Einwohner und zum Umfang abgerufener Kredite verglichen. Obwohl nicht jeder Preisanstieg die Gefahr einer Preisblase berge, sei die Wahrscheinlichkeit dafür aber umso höher, wenn beispielsweise die Kaufpreise schneller als die Mieten oder die Einkommen steigen würden. Laut Empirica-Index für das zweite Quartal des Jahres ist mit einer erhöhten Blasengefahr unter anderem in der Stadt Kiel und den Kreisen Ostholstein, Plön, Rendsburg-Eckernförde und Segeberg zu rechnen. Entwarnung gibt es dagegen für Neumünster, Lübeck und Flensburg. „Die Preisentwicklung ist teilweise sehr ungesund, das kann auf Dauer nicht gutgehen. In manchen Regionen kann man bereits von einem Bläschen sprechen“, sagt Braun.

 Als Grund für den „überhitzten Markt“ nennt Braun die niedrigen Bauzinsen und die fehlenden lukrativen Anlageformen auf dem Geldmarkt: „Wer jetzt noch auf den Zug aufspringt, um sein eigenes Geld in Immobilien anzulegen oder diese gar fremdfinanziert, ist bereits zu spät dran.“ Spätestens wenn die Bauzinsen oder das Angebot an Immobilien wieder steigen würde, könnte der Wert einer Immobilie wieder sinken oder sei nicht mehr vernünftig über Mieteinnahmen zu refinanzieren. „Wir beobachten auch, dass vermehrt Schrottimmobilien zu überhöhten Preisen angeboten werden“, sagt Braun.

 „Noch ist die Preisrallye nicht vorbei. Wir haben derzeit Preise, die sind nicht immer gut“, sagt auch der Kieler Makler Björn Petersen. Von einer Preisblase will der Vizepräsident des Immobilienverbands IVD jedoch keinesfalls sprechen: „Da wird nichts platzen, sondern der Markt wird sich auch wieder zusammenziehen und beruhigen.“ Wer über ausreichend Eigenkapital verfüge und ein Objekt sorgfältig nach langfristigen Renditeaussichten auswähle, könne deshalb auch trotz der vielfach hohen Preise kaufen. Wer dagegen eine kreditfinanzierte Immobilie zur Eigennutzung kaufen möchte, der müsse sich das aber leisten können, weil die Preise durch die niedrigen Zinsen in die Höhe gegangen seien. Zudem gebe es Makler, sagt Petersen, „die Dinge aufrufen, an die sie selber nicht glauben“. Es gebe regelrecht „Überhitzungswettkämpfe“ – mit der Folge, dass Käufer sich gegenseitig überbieten würden, „um nicht immer Zweiter zu sein“. Sein Rat: „Wer wirklich kaufen möchte, sollte gründlich seine finanziellen Möglichkeiten ausloten und sich Sachverstand bei der Besichtigung mitbringen. Keinesfalls sollte man jetzt in Hektik verfallen.“

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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