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Schwerer Umsatzeinbruch für Schleswig-Holsteins Industrie

Industriebilanz 2015 Schwerer Umsatzeinbruch für Schleswig-Holsteins Industrie

Der Ölpreis-Einbruch, Probleme im Russlandgeschäft und Sorgen um den Euro haben Schleswig-Holsteins Industriebilanz 2015 verhagelt. Nachdem Konjunkturumfragen ein positiveres Bild gezeichnet hatten, liegen nun die Zahlen des Statistikamtes Nord auf dem Tisch.

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Vom Ölpreisverfall getroffen: Raffinerie Heide.

Quelle: Sarah Thiers

Kiel. Danach brachen die Gesamtumsätze der Industriebetriebe mit mindestens 50 Beschäftigten um 6,6 Prozent auf 32,9 Milliarden Euro ein.

Doch es gibt auch Lichtblicke: Nach starken Rückgängen in den ersten Quartalen konnte sich die Branche zuletzt stabilisieren. Bei der Beschäftigung gab es trotz der Umsatzverluste ein Plus von einem Prozent auf 102000 Mitarbeiter. Experten sehen das Umsatzminus daher nicht als böses Omen für die Konjunktur, sondern vor allem als Folge belastender Sonderfaktoren. Dazu zählt der Preisverfall bei Heizöl und Diesel.

Und so traf es die Mineralölwirtschaft – mit der Raffinerie Heide ein industrielles Schwergewicht im Norden – besonders heftig. Hier brachen die Erlöse um fast ein Viertel auf 2,6 Milliarden Euro ein. Der Branchenführer Maschinenbau musste mit 6,3 Milliarden Euro ein Minus von vier Prozent verkraften. Die Ernährungsindustrie kam trotz spürbarer Einbußen im Russlandgeschäft glimpflich davon (minus ein Prozent).

Die Industrie- und Handelskammer Kiel wertet die Zahlen nicht als Indiz für einen Konjunktureinbruch: „Nach unseren jüngsten Erkenntnissen blicken die meisten Unternehmen zumindest verhalten optimistisch in die Zukunft“, sagt Martin Kruse, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Standortpolitik. In den ersten drei Quartalen 2015 seien viele Unternehmen noch durch die Griechenlandkrise verunsichert gewesen und hätten daher Investitionen verschoben. Besonders stark waren allerdings die Einbrüche im Auslandsgeschäft. Die Ursache dafür liegt – zum Teil zumindest – in millionenschweren Großaufträgen, die 2014 vor allem von den Werften abgeliefert worden sind.

Wirtschaftsstaatsekretär Frank Nägele (SPD) sieht die Zahlen dennoch als „warnendes Signal“. Deshalb sei es richtig, das „Bündnis für Industrie Schleswig-Holstein“ zu schmieden. Die Opposition spricht von einem „Schlag ins Kontor“ (CDU) und fortschreitender De-Industrialisierung Schleswig-Holsteins (FDP). „Das wird am Ende Arbeitsplatzverluste bedeuten“, sagt Johannes Callsen, wirtschaftspolitischer Sprecher der Unions-Fraktion. Die Wettbewerbsposition der Unternehmen habe sich offenbar verschlechtert. „Angesichts der mittelstandsfeindlichen Gesetzgebung von SPD, Grünen und SSW war das absehbar.“ Beunruhigt zeigt sich der Unternehmensdachverband UVNord: „Die Zahlen tragen einem Umstand Rechnung, den wir seit geraumer Zeit mit Sorge beobachten: Wachstum und Arbeitsplätze entstehen bei Neuinvestitionen zunehmend im Ausland.“

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Kommentar

Wer die Konjunkturumfragen des vergangenen Jahres Revue passieren lässt und sich dann die Endabrechnung der Statistiker für 2015 ansieht, der muss sich die Augen reiben. Wie können Unternehmen Quartal für Quartal von einer guten Lage berichten, während die Umsätze der Industrie zeitgleich in den Keller rauschen?

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