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Tausende Ex-Mitarbeiter wieder im Job

Insolvenz der Baumärkte Tausende Ex-Mitarbeiter wieder im Job

Tausende Beschäftigte der insolventen Baumarktketten Praktiker und Max Bahr haben wieder einen Job gefunden. Das ergab eine wissenschaftliche Untersuchung über die Arbeit der Transfergesellschaften, die nach den beiden Insolvenzen eingesetzt worden waren.

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Am Ende rettet auch der Werbeslogan „20 Prozent auf alles – außer auf Tiernahrung“ die Baumarktkette Praktiker nicht vor der Insolvenz. Denn zum einen waren die Artikel gar nicht so billig wie versprochen, zum anderen schreckte die Werbung manchen Kunden ab.

Quelle: Oliver Dietze

Kiel/Hamburg. Den Juli 2013 werden viele Mitarbeiter des Heimwerkermarktes Bauhaus an der Kieler Gutenbergstraße so schnell nicht vergessen: Erst meldet Baumarkt-Riese Praktiker Insolvenz an, zwei Wochen später folgt auch Tochter Max Bahr mit 132 Filialen, darunter auch der erst im Jahr 2000 eröffnete Standort an der Gutenbergstraße.

Für die 80 Mitarbeiter beginnen Monate des Hoffens und Bangens. Gehaltsverzicht, Absage von möglichen Investoren wie der Supermarktkette Globus, drohende Arbeitslosigkeit.

 Auch der Ausverkauf in der Filiale verlangt den Kieler Mitarbeitern alles ab. Kunden feilschen, wollen die drastisch reduzierten Artikel noch billiger erstehen: „Ihr seid doch sowieso weg vom Fenster“, müssen sich die Kassiererinnen immer wieder anhören. Einige Mitarbeiter ziehen die Konsequenz, wechseln den Arbeitgeber oder die Branche. Dann der Durchbruch: Konkurrent Bauhaus kündigt Ende November 2013 an, 24 Max-Bahr-Märkte zu übernehmen – darunter auch der Standort an der Gutenbergstraße und in Lübeck-Moisling. Am 7. Februar 2014 erhalten die verbliebenen 60 Mitarbeiter neue Verträge, „zu verbesserten Konditionen“, sagte damals Bauhaus-Nord-Geschäftsführer Marcus Wegener. Anfang Juni 2014 ist es soweit: Der grundrenovierte Markt mit 11000 Quadratmetern eröffnet als insgesamt dritte Bauhaus-Filiale in Kiel ihre Pforten – und macht bis heute richtig gute Umsätze, betont Wegener auf Anfrage von KN-Online.

Ein gutes Ergebnis

Laut einer am Donnerstag in Hamburg vorgestellten Studie fanden rund zwei Drittel der Beschäftigten von Max Bahr und Praktiker eine neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigung oder gingen in die Selbstständigkeit. Ein Viertel sei dagegen arbeitslos geblieben. Rund 20 Prozent der Beschäftigten konnten am gleichen Standort weiterarbeiten.

 Das sei ein sehr gutes Ergebnis – auch im Vergleich zu ähnlichen Fällen, sagte Studienleiter Gernot Mühge vom Bochumer Helex-Institut. Bei der Schlecker-Insolvenz fanden etwa 49 Prozent der Beschäftigten wieder eine Stelle, 39 Prozent blieben dagegen arbeitslos. Viele Vergleichsmöglichkeiten gibt es jedoch nicht. Mit 7600 Beschäftigten (von 8200 Berechtigten) in sechs verschiedenen Transfergesellschaften war der Fall Praktiker/Max Bahr der größte seit 1998.

Nur wenige Monate in der Transfergesellschaft

Insgesamt beschäftigten beide Baumarktketten in über 300 Filialen rund 15000 Arbeitnehmer, von denen aber 5500 geringfügig beschäftigt waren und nicht für eine Transfergesellschaft infrage kamen. Über ihr berufliches Schicksal ist nichts bekannt. An den Kosten für die Transfergesellschaften beteiligen sich die Unternehmen oder Gläubiger sowie die Agentur für Arbeit. Bei Praktiker/Max Bahr lagen die Kosten in der Größenordnung von 100 Millionen Euro. Dabei waren die Beschäftigten nur drei bis sechs Monate in den Transfergesellschaften. Andernfalls hätten die Gesellschaften noch erfolgreicher arbeiten können, meinte Mühge.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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