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Mindestlohn führt zu weniger Beschäftigung

Institut für Weltwirtschaft Mindestlohn führt zu weniger Beschäftigung

Mit großer Verärgerung hat der DGB Nord am Donnerstag auf eine Studie des Kieler Instituts für Wirtschaftsforschung (IfW) zum Mindestlohn reagiert. IfW-Experte Dominik Groll kommt zu dem Schluss, der Mindestlohn führe zu „Beschäftigungsverlusten“. Der DGB Nord spricht von einem „Gutachten für die Arbeitgeber“.

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Das Institut für Weltwirtschaft erkennt nicht sehr rosige Konsequenzen durch den Mindestlohn.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Der Kieler Forscher hat neueste Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit analysiert und kommt zum Ergebnis: „Es gibt deutliche Hinweise auf Beschäftigungsverluste durch die Einführung des Mindestlohns.“ Unstrittig ist für DGB wie IfW, dass die Zahl der geringfügig entlohnten Beschäftigten (Minijobs) nach Einführung des Mindestlohns bis April 2015 deutlich, um 167000, zurückgegangen ist. Davon seien aber nur 56 Prozent in reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umgewandelt worden; in 24 Prozent der Fälle hätten die Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz verloren, erklärt Groll. Die restlichen 20 Prozent seien darauf zurückzuführen, dass weniger Minijobs entstanden seien als im Vorjahr. Das sei ein „gesamtwirtschaftlicher Beschäftigungsverlust“.

Es sei erstaunlich, dass sich IfW-Experten „für schlecht bezahlte Minijobs ins Zeug legen, die nachweislich zu Altersarmut führen“, kritisierte Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord. Das Kieler Institut propagiere „Lohndumping“. Polkaehn verwies darauf, dass nach Einführung des Mindestlohns mehr reguläre Jobs entstanden seien, vor allem im Dienstleistungssektor und in der Gastronomie; im schleswig-holsteinischen Gastgewerbe sei die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um neun Prozent gestiegen. „Und viele Beschäftigte in den unteren Einkommensbereichen haben deutlich mehr Einkommen.“

IfW-Forscher Groll setzt sich auch mit dem Argument auseinander, dass die Einführung des Mindestlohnes sich bisher kaum bei der Zahl der registrierten Arbeitslosen bemerkbar gemacht hat. Das stehe nicht im Widerspruch zu Beschäftigungsverlusten. Denn die Hälfte der Minijobber seien Rentner und Studenten, die „nicht arbeitslos im Sinne der Statistik sein können“, sowie Arbeitslose, die sich etwas dazu verdienen. Bei der anderen Hälfte dürfte der finanzielle Anreiz, sich arbeitslos zu melden, nicht vorhanden sein. Minijobber haben keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Bestätigt durch das IfW sieht sich der Arbeitgeberverband UV Nord: „Vor diesen negativen Effekten haben wir gewarnt.“ Viele Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte fänden neue Hürden auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt vor. Insbesondere Studenten, Rentner und Hausfrauen seien betroffen, die auf Hinzuverdienste angewiesen waren oder ihr Haushaltseinkommen aufbessern wollten. Schlimmere Auswirkungen habe die gute konjunkturelle Entwicklung überdeckt.

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Das ist natürlich kein „Gutachten für Arbeitgeber“, was der Kieler Ökonom Dominik Groll vorgelegt hat. Und Groll propagiert auch keineswegs „Lohndumping“, wie der Chef des DGB Nord, Uwe Polkaehn, weiter unterstellt. Die Reaktion des Gewerkschafters auf die Untersuchung zeigt, wie öffentliche Diskussionen manchmal schon im Ansatz schieflaufen können.

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