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So dünnt die Deutsche Bank im Norden aus

Mit Karte So dünnt die Deutsche Bank im Norden aus

Am Wochenende waren nur Schlaglichter an die Öffentlichkeit gekommen. Nun steht fest: Die Deutsche Bank wird bis Ende März kommenden Jahres sieben ihrer 35 Filialen in Schleswig-Holstein schließen.

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Hier ist spätestens Ende März kommenden Jahres Schluss: Kieler Deutsche-Bank Filiale in der Holtenauer Straße. Künftig müssen die Kunden zum Rathausplatz.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Während die Auswirkungen für die Kunden in den beiden betroffenen größeren Städten Kiel und Lübeck überschaubar sind, treffen die Schließungen und Zusammenlegungen die Kunden des Branchenprimus in kleineren Orten massiv. So müssen die Husumer künftig fast 60 Kilometer weit fahren, denn ihre Filiale wird mit der Zweigstelle Flensburg zusammengelegt. Auch Verbraucher in Kaltenkirchen sind künftig eine Weile unterwegs, wenn sie Bankgeschäfte in einer Filiale erledigen wollen oder für eine Beratung einen Ansprechpartner aus Fleisch und Blut benötigen: Gut 20 Kilometer sind es bis zur aufnehmenden Filiale in Norderstedt.

Wie berichtet, will die Deutsche Bank im Zuge ihres Sparkurses und aufgrund eines drastisch veränderten Nutzungsverhaltens bundesweit rund 188 Filialen und damit etwa ein Viertel ihrer Zweigstellen schließen. Deutschlands größte Bank reagiert nach eigenen Angaben darauf, dass immer mehr Kunden Bankgeschäfte im Internet erledigen und immer seltener Zweigstellen besuchen. 50 Prozent der Kunden kämen nur noch einmal jährlich in die Filiale.

Hoffnung auf Umbau ohne Kündigungen

In Schleswig-Holstein hat der Konzern 343 Mitarbeiter, rund 40 davon in Kiel. Wie viele Beschäftigte in den zu schließenden Filialen arbeiten, konnte ein Unternehmenssprecher gestern nicht beziffern. Nach Informationen der Kieler Nachrichten sind es etwa 40. Von dem Umbau betroffen sind jedoch sämtliche Mitarbeiter im Filialbetrieb, denn sie alle müssen sich auf die Stellen in der neuen Struktur mit 535 Standorten bewerben. Man sei optimistisch, das Programm ohne Kündigungen umsetzen zu können, hieß es.

Wie die Wettbewerber auch betont die Deutsche Bank, in den verbleibenden Filialen das gesamte Spektrum an Bankdienstleistungen anbieten zu können. Zusätzlich sei geplant, von den 188 Filialen, die geschlossen werden, etwa 30 an ländlichen Standorten in Finanzagenturen umzuwandeln. Diese würden einen Großteil des heutigen Beratungsangebots fortführen und über SB-Zonen mit Geldautomaten verfügen. „Damit bleiben wir auch auf dem Land für unsere Kunden gut zu erreichen“, so der Sprecher. An welchen Standorten konkret Agenturen eingerichtet werden, ist noch offen.

Rund 750 Millionen Euro will die Bank in den Ausbau ihres digitalen Angebots investieren. So werde es künftig zusätzlich sieben Beratungscenter in Deutschland geben, in denen 360 Bankkaufleute per Video, Chat oder Telefon für Beratungen zur Verfügung stünden – und das außerhalb der Banköffnungszeiten.

Auch andere Banken schließen

Die Deutsche Bank steht mit dem Ausdünnen ihres Filialnetzes nicht alleine da. Grund dafür sind neben dem zunehmenden Online-Banking der wachsende Kostendruck und Ertragsprobleme aufgrund der niedrigen Zinsen. So hat die Hypovereinsbank in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein elf von 41 Zweigstellen mit größeren Standorten zusammengelegt. Die Commerzbank ist im Land noch mit 39 Filialen vertreten. Schließungen seien nicht geplant, allerdings prüfe man das Netz „natürlich laufend“ und passe es an, wie eine Sprecherin sagte. Vereinzelt geschehe das, wenn etwa Mietverträge ausliefen. Auch bei den in der Fläche sehr viel präsenteren Sparkassen und Volksbanken hatte es in jüngster Vergangenheit Standortschließungen und -zusammenlegungen gegeben.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Kommentar

Wann waren Sie das letzte Mal in einer Bankfiliale? Beim Verfasser dieser Zeilen ist dieses Ereignis tief versunken im Sumpf des Vergessens. Irgendwann vor zwei, drei Jahren muss es gewesen sein, als es um die Baufinanzierung ging. Oder war es eine Riester-Beratung?

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