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Hansapark-Chef stichelt gegen Konkurrenz

Interview Hansapark-Chef stichelt gegen Konkurrenz

Seit mittlerweile 40 Jahren zieht der Hansa-Park in Sierksdorf (Kreis Ostholstein) Besucher in seinen Bann – 1,4 Millionen waren es im vergangenen Jahr. Über Potenziale, virtuelle Realität und mächtige Finanzinvestoren spricht der Geschäftsführer des Freizeitparks, Christoph Andreas Leicht (55).

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Freizeitpark Hansapark Sierksdorf: Geschäftsführer Christoph Andreas Leicht und Ehefrau Claudia im Gespräch mit den Kieler Nachrichten.

Quelle: Ulf Dahl

Sierksdorf. Herr Leicht, finanzstarke Investoren und Konzerne dominieren den Markt der Freizeitparks, nicht nur in Deutschland. Haben Sie Angst davor, übernommen oder verdrängt zu werden?

Nein, das habe ich nicht – aus mehreren Gründen: Im Gegensatz zu Private-Equity-Fonds setzen wir als familiengeführtes Unternehmen nicht auf die schnelle Rendite, sondern verfolgen eine langfristige Strategie. Die lautet seit Jahrzehnten ,Jede Mark in den Park’ – 25 Prozent unseres Umsatzes werden also jedes Jahr reinvestiert und eben nicht von ausländischen Miteigentümern herausgezogen. Und außerdem sind wir, anders als viele Mitbewerber, ganz nah dran an den Gästen. Die führen bei uns den Park. Über Befragungen und ein unmittelbares Feedback-System können wir dann sofort reagieren...

... wie zum Beispiel auf das Trendthema virtuelle Realität?

Da gibt es sicherlich einen Hype, der aber aus meiner Beobachtung bereits abflacht. Ein Erlebnis durch die VR-Brille kann man nicht mit Freunden oder der Familie teilen, in unseren Erlebniswelten will man das aber gerade. Deshalb setzen wir zum Teil auf eine inszenierte Umgebung mit digitalen Effekten, also auf die computergestützte Erweiterung des tatsächlich optisch und haptisch Erlebbaren. Und das kommt richtig gut an.

Etwa 60 große Freizeitparks gibt es in Deutschland, darunter vier Familienunternehmen. Ist der Markt damit gesättigt?

Es ist heute sicherlich schwierig, einen neuen und dann auch noch erfolgreichen Park aufzubauen, nicht nur aufgrund der bürokratischen Hemmnisse. Ein Beispiel: Für den Nachbau des Hansa-Parks müsste ein Investor bestimmt 600 Millionen Euro in die Hand nehmen. Und im Gegensatz zu unseren holländischen Nachbarn ist es hier auch nicht ganz einfach, zusätzliche Besuchergruppen zu binden.

Sind die Deutschen also eher Freizeitpark-Muffel?

Anders gesagt: Es gibt noch Wachstum- und Gewinnchancen, speziell für uns, wenn die feste Fehmarnbelt-Querung kommen sollte. Wir rechnen mit einem Einzugsbereich von 2,5 Fahrstunden, das wäre in Richtung Dänemark ein Potenzial von 2,5 Millionen Einwohnern. Wenn nur jeder Zehnte zu uns in den Park käme, wäre das ein Hammer. Statistisch gehen etwa vier von zehn Deutschen einmal pro Jahr in den Freizeitpark, in Holland jeder Bewohner etwa 1,2 Mal. Deshalb ist es auch so wichtig, Besucher mit Qualität zu überzeugen und als Stammkunden zu binden.

Und das gelingt Ihnen wodurch?

Durch die Präsentation spektakulärer Neuheiten Jahr für Jahr, durch ein mehrfach ausgezeichnetes Serviceniveau, durch unsere hochmotivierten 850 Mitarbeiter und durch zusätzliche Sicherheit. Weil Freizeitparks gerade bei Unglücken im Fokus der Öffentlichkeit stehen, investieren wir als einziges deutsches Freizeitpark-Unternehmen neben dem Europa-Park jedes Jahr einen sechsstelligen Betrag in eine Tüv-Zertifizierung. Das bedeutet für unsere Besucher ein wichtiges Quäntchen mehr Sicherheit. Das alles zusammen wird honoriert: 80 Prozent unsere Besucher kommen mehrfach.

Sie bezeichnen einen Freizeitpark auch als „geronnenes Volksfest“...

...ja, weil die Lust, gemeinsam mit Freunden und Familie einen Ausflug zu machen, den Deutschen im Blut liegt – ein Trend, der als Kulturgut übrigens völlig zeitlos ist. Etwa 14 000 Volksfeste gibt es in Deutschland, da sind wir Weltmeister, ähnlich wie in unserer Organisation in Vereinen. Und wir greifen die Idee eines modernen Volksfestes auf, vermitteln nebenbei die Geschichte der Hanse und bieten damit ein Stück Heimat.

Ein Tag Heimat, der aber seinen Preis hat.

Bei uns zahlen Erwachsene 37 Euro Eintritt, nach oben hat das sicherlich irgendwann Grenzen. Weltweit werden da ganz andere Preise aufgerufen, teilweise bis zum Fünffachen. Wichtiger ist es, Besucher zu überzeugen, immer wieder zu kommen. Mit Rabattaktionen gelingt das nicht, davon bin ich überzeugt. Damit gibt es nur Vorzieheffekte. Wir müssen einfach mit Qualität überzeugen und sind damit zur Spitzenleistung verpflichtet. Der Gast soll sagen, dass es ein Supertag im Park war.

Zufriedener Gast, gute Marge?

Ein zufriedener Gast ist die beste Werbung für uns. Seit einiger Zeit setzen wir zudem verstärkt aufs Eventgeschäft, bieten Unternehmen, Behörden oder Vereinen unserer Infrastruktur an. Dabei profitieren wir – genau wie bei den Tagesbesuchern – von den vielen neuen Unterkünften in der Region. In den vergangenen Jahren ist die Übernachtungskapazität um mehrere Tausend Betten gestiegen, auch qualitativ. Und das spüren wir im Park schon genau, denn 40 Prozent der Besucher sind Urlauber. Deshalb habe ich auch keine Sorge für die Zukunft.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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