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Viele Pläne, unsichere Perspektiven

Junglandwirte Viele Pläne, unsichere Perspektiven

„Make Schleswig-Holstein great again – Was Junglandwirte wirklich wollen“ – der kritische Witz im Titel der Podiumsdiskussion des Landjugendverbunds Schleswig-Holstein lockte am Donnerstag 200 Junglandwirte zum Politiker-Grillen bei einer Podiumsdiskussion in der Landwirtschaftskammer.

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Malte Blöcker (22) auf dem Hof seiner Eltern in Schmalstede: Er wollte von Politikern wissen, wie viel Planungssicherheit ein Landwirt in Zukunft hat.

Quelle: Beate König

Rendsburg. Mitglieder der Landjugend hatten die Parteiprogramme zur Landtagswahl speziell auf Positionen zur Landwirtschaft durchgeharkt und konfrontierten in Zweiergesprächen Heiner Rickers (CDU), Kirsten Eickhoff-Weber (SPD), Bernd Voß (Bündnis 90/Die Grünen), selbst Landwirt, Patrick Breyer (Piraten) und Flemming Meyer (SSW) mit Fragen.

 Doch die Antworten zu staatlicher Krisenintervention, zur praktischen Umsetzung einer Erlaubnis für Camper, auf Ackerbauflächen zu zelten, zur Steuerung der Fleischpreise über gesetzliche Verordnungen für den Handel – nicht nur für Landwirte, zu Eintags-Kükentötung, Schweinehaltung, Wasserschutz oder Planungssicherheit bei neuen Investitionen blieben häufig im Allgemeinen.

 Für den Nachwuchs in der Landwirtschaft gibt es drängende Probleme, berichtete Lars Kuhlmann, Landjugend-Geschäftsführer. „Die Förderungen von der EU wird es in Zukunft nicht mehr so geben, es müssen Lösungen für die Landwirte gefunden werden.“

 „Ich fordere, dass Sie etwas für uns tun“, sagte Junglandwirt Lewe Danfeldt. Der 23-Jährige will auf dem Familienbetrieb weiter wirtschaften, „um meine Familie davon zu ernähren.“ Er warf den Politikern vor: „Wir wurden in den letzten zwei Jahren mit der Marktsituation alleingelassen. Kleinste Überziehungen im Export lassen unsere Preise fallen.“ Er machte sich für ein staatliches Kriseninstrument stark. „Es muss Anreize geben, um weniger zu produzieren.“ Flexible Mengensteuerung – das heißt ein zeitlich begrenztes Zurückfahren der Produktion um drei, vier Monate – ist für ihn ein Weg dorthin. Der Junglandwirt machte dem Podium klar: Nicht jeder Milchvieh-Halter will seinen Betrieb auf 500 Kühe ausbauen und die Tiere im Stall halten. Auch für den Erhalt kleiner Betriebe müssten politische Entscheidungen getroffen werden. „Ich finde es schön, wenn die Tiere, auch die Nachzucht, im Sommer auf der Wiese steht.“

 Finn Ole Regenburg aus Jevenstedt nutzte den Vormittag zur Positionsbestimmung: „Was mich an den Piraten stört: Sie haben kein eigenes Konzept, die holen sich Ideen aus anderen Ländern, die sich in Deutschland so nicht umsetzen lassen,“ stellte der 22-Jährige fest. „Und die SPD ist nicht kompromissbereit.“ Seine Position zur Betriebsgröße zeigte, wie heterogen die Interessen der Landwirte sind: „Nicht jeder kleine Betrieb arbeitet automatisch besser als große“, sagte Regenburg, der einen Job als Herdenmanager anstrebt.

 Junglandwirt Christof Koep war zum Schluss der Diskussion zum Thema Tierwohl und Dokumentationspflicht richtig sauer: „Die Politiker lassen sich nicht auf die Landwirte ein. Wir brauchen gegenseitiges Vertrauen. Jeder Landwirt arbeitet gern mit Tieren, weil es Spaß macht. Mit der Zettelwirtschaft verliert man irgendwann die Lust, das ist Zwangsarbeit im Büro“, sagte der 20-Jährige.

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