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Hier dürfen nur Spezialisten ans Werk

Juwelier Mahlberg Hier dürfen nur Spezialisten ans Werk

Wer Roland Haisch bei seiner Arbeit über die Schulter guckt, sieht Scheiben, Stifte und Zahnräder im Mini-Format. Er ist einer von drei Uhrmachern, die in der Kieler Filiale des Juweliers Mahlberg angestellt sind. Seit der Betrieb 160 000 Euro in Umbau und Aufrüstung der Werkstatt investierte, ist es die modernste in Schleswig-Holstein.

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Uhrmacher Roland Haisch (li.) und Lasse Grip in der umgebauten Werkstatt. 160 000 Euro wurden in Umbau und Aufrüstung investiert.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Dass Haischs Arbeit Spezialkenntnisse erfordert, ist offensichtlich ob des Haufens wertvoller Kleinteile, die wieder eine Armbanduhr werden sollen. Sechs Stunden braucht der Uhrmachermeister im Schnitt für eine Reparatur. Sein Arbeitsplatz hat sich verändert. Aus zwei Arbeitsräumen wurde einer. Auch die Maschinen, die er und seine Kollegen Lasse Gripp und Joachim Gogolok benutzen, sind alle neu. Denn Uhrmacher ist nicht gleich Uhrmacher. In diesem Handwerk gibt es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Große Hersteller wie Rolex oder Omega diktieren strenge Regeln, an die Werkstätten sich halten müssen.

Sonst wird ihnen die Konzession zur Reparatur von Uhren dieser Marken entzogen. „In den vergangenen zehn bis 15 Jahren hat sich in der technischen Entwicklung und bei den Materialien viel getan. Die Anforderungen an Uhrmacher sind gestiegen“, sagt Tim Kleinfeld, Geschäftsführer der Kieler Filiale des Juweliers, der seit 1977 in der Landeshauptstadt ansässig ist. „Dass die Reparaturen teurer geworden sind, hat auch mit den Anforderungen zu tun.“ 100000 Euro investierte Kleinfeld in den Umbau der Werkstatt, 60000 Euro in neue Geräte. „Selbst die Quadratmeter pro Uhrmacher werden vorgeschrieben“, sagt er. Grund genug, den ersten Stock im Gebäude in der Holstenstraße umzubauen. Hier stehen nun die neuesten Geräte vom Vakuumreiniger bis hin zum Wasserdichte-Prüfgerät, das Bedingungen bis hin zu 1200 Metern Wassertiefe herstellen kann.

"Die Erwartungen der Kunden sind gestiegen"

„Um den Anforderungen im Maschinenpark gerecht zu werden, mussten wir alle Geräte komplett neu anschaffen.“ Die unterschiedlichen Vorgaben der Firmen reichen noch weiter. Nicht nur, dass viele Geräte direkt beim Uhrenhersteller gekauft werden müssen. Das gilt auch für die Öle zur Reinigung. „Der technische Aufwand, der heute mit Uhrwerken betrieben wird, ist Wahnsinn“, sagt Kleinfeld. „Früher gab es ein Öl zur Reinigung. Heute hat fast jede Firma eigene Öle entwickelt – und zwar für jedes Lager.“ Die müssen ebenso gekauft werden wie Werkhalteringe, in die das Uhrwerk für die Reparatur gespannt wird. Gab es früher universell einsetzbare Plastikwerke, müssen zum Beispiel Rolex-Uhrwerke im für jedes Werk individuell gefertigten Ring repariert werden. „Das erleichtert die Arbeit“, sagt Kleinfeld. Aber: „Monetär lohnt sich das alles nicht.“ Mit Reparatur könne man kein Geld verdienen. „Das ist für uns ein Service-Thema. Die Uhren, die wir verkaufen, wollen wir auch reparieren können.“ Deshalb schickt er seine Mitarbeiter zu den obligatorischen Schulungen in die Schweiz, bei denen drei Wochen darauf verwendet werden, ihnen ein einzelnes Uhrwerk und seine Reparationsweise auseinanderzusetzen. „Natürlich könnten wir ein Rolex-Werk auch reparieren wie früher. Aber die Erwartungen der Kunden sind gestiegen. Und die optimale Funktionsweise erreicht man nur, wenn man sich an die Firmen-Vorgaben und Materialien hält.“

Nur wer den Servicelevel Stufe drei hat, darf ans Uhrwerk. Bei Stufe zwei kann am Gehäuse gearbeitet werden, mit Stufe eins darf eine Werkstatt höchstens das Armband austauschen. Für Kleinfeld bedeutet das: Sieben Konzessionsanträge bei verschiedenen Firmen, die alle zwei bis drei Jahre eine neue Grundzertifizierung durchführen. Regelmäßig schicken die Firmen Kontrolleure und Testkunden. Zu intensiv kontrolliert fühlt Kleinfeld sich und seine Mitarbeiter aber nicht. „Wir sind verpflichtet, die Qualität zu halten. Und durch die Rückmeldung der Firmen lernen wir.“

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