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Das empfehlen die Finanzexperten

KN-Telefonaktion Das empfehlen die Finanzexperten

Die Minizinsen sorgen für Frust bei den Sparern. Wie kann man sein Erspartes noch sinnvoll anlegen? Fragen zur Geld- und Vermögensanlage beantworteten in einer Telefonaktion unserer Zeitung vier Experten vom Bundesverband deutscher Banken.

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Kommt bald die Zinswende? Oder gibt es sogar Strafzinsen? Die Bankexperten André Leutz, Jörn Kirstein, Andreas Henrichs und Matthias Krohm (von links) waren sowohl am Telefon als auch im Chat viel gefragt.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Ich bin Student und möchte in den nächsten zehn Jahren für die Zeit nach meinem Studium etwa 100 Euro monatlich sparen. Ich bin begrenzt risikobereit. Was schlagen Sie vor?

Ein Fondssparplan mit Aktien- und Rentenfonds könnte eine gute Lösung sein. Anfänglich mit einer Aktienquote von etwa 70 bis 75 Prozent und nur wenig Renten, weil Aktien langfristig die höheren Renditechancen bieten. Im Zeitablauf kann die Aktienquote nach und nach verringert werden, um von den Schwankungen an den Börsen unabhängiger zu werden.

Muss ich bei einem Fondssparplan eine feste Laufzeit vereinbaren?

Nein, bei einem Fondssparplan ist man an keine feste Laufzeit gebunden. Sie können sparen, solange Sie wollen, Ihr angespartes Fondsvermögen bleibt auch jederzeit frei verfügbar. Sie können zudem die Sparrate jederzeit verändern oder auch mal aussetzen sowie Sondereinzahlungen vornehmen.

Ich habe seit zwölf Jahren vier Rentenfonds. Wie bin ich damit aufgestellt?

In der Vergangenheit war die Wertentwicklung von Rentenfonds durchweg gut, weil die immer weiter zurückgehenden Zinsen zu erheblichen Kursgewinnen bei Anleihen führten. Für die Zukunft ist das kaum noch zu erwarten. Von daher sollten Sie überlegen, ob Sie mit den Rentenfonds weiterhin gut aufgestellt sind. Grundsätzlich sollte man sein Vermögen breit streuen, wobei die konkrete Aufteilung von den Anlagezielen und der persönlichen Risikobereitschaft abhängt.

Lohnt sich noch die Anlage in Bundeswertpapieren?

Urteilen Sie selbst: Zehnjährige Bundesanleihen bieten aktuell eine Rendite von etwa 0,2 Prozent, sechsjährige Bundesanleihen von minus (!) 0,1 Prozent.

Wie kann ich noch eine attraktive Verzinsung für meine Ersparnisse bekommen?

Ohne Risiko ist derzeit keine Rendite mehr möglich. Und je länger Sie anlegen, desto eher können Sie noch Rendite erzielen. So haben sich beispielsweise Aktienanlagen langfristig als attraktiv erwiesen. Anleger müssen bei Aktien und Aktienfonds aber Wertschwankungen ertragen und sollten das Geld langfristig investieren können. Vereinbaren Sie ein Beratungsgespräch mit Ihrem Bankberater, um abzuklären, welche Anlagen beziehungsweise welche Anlagenmischung am besten zu Ihnen passt.

Kommt bald die Zinswende?

In der Euro-Zone ist für die nächste Zeit kaum mit einer Zinswende zu rechnen. Soweit man derzeit absehen kann, dürften die Zinsen in den nächsten Jahren vielmehr auf niedrigem Niveau verharren. In den USA dagegen könnte in diesem Jahr eine Leitzinserhöhung anstehen.

Mir liegt ein Termingeld-Angebot mit einem Zins von 1,4 Prozent jährlich für fünf Jahre vor. Ist das gut?

Der Zins liegt über dem Marktdurchschnitt. Prüfen Sie daher das Angebot sorgfältig, achten Sie auf mögliche Kosten und den Umfang der Einlagensicherung.

Aus einem Hausverkauf erhalten wir 120000 Euro. Das Geld kann längerfristig investiert werden, und wir möchten uns nicht ständig darum kümmern. Was empfehlen Sie uns?

Wenn Sie sich nicht ständig darum kümmern wollen, kann eine Vermögensverwaltung mit Fonds sinnvoll sein. Je höher Ihre Risikobereitschaft ist, desto größer sollte dabei die Aktienquote sein, weil Aktien trotz der Wertschwankungen langfristig die Renditeträger sind. Achten Sie auf die Kosten, eine professionelle Geldanlage ist nicht unentgeltlich zu haben.

Ich bin Rentnerin und habe rund 100000 Euro auf Konten, die fast keine Zinsen mehr bringen. Wie kann ich anlegen, um mehr zu bekommen, vielleicht Immobilien? Aktien sind mir zu riskant…

Als Beimischung zum Vermögen sind offene Immobilienfonds grundsätzlich geeignet. Sie müssen aber beachten, dass offene Immobilienfonds mittel- bis langfristige Anlagen sind. Wenn Sie die Fondsanteile wieder verkaufen möchten, müssen Sie eine 24-monatige Mindesthaltefrist und eine 12-monatige Kündigungsfrist einhalten. Als sichere, schnell verfügbare Liquiditätsreserve für Notfälle ist Kontensparen trotz der extrem niedrigen Zinsen weiterhin unverzichtbar.

Wie ist Ihre Meinung zu Gold?

Gold bringt keine Zinsen, und der Goldpreis schwankt stark. Wir empfehlen Gold grundsätzlich nur als Beimischung, egal ob als Wertpapier oder in Form von Barren oder Münzen.

Was ist Indexsparen?

Darunter versteht man das Sparen mit Indexfonds. Das sind „passiv“ gemanagte Fonds, deren Entwicklung an die Wertentwicklung eines bestimmten Index gekoppelt ist, wie zum Beispiel den Deutschen Aktienindex DAX. Indexfonds sind grundsätzlich kostengünstiger als klassisch gemanagte Fonds, sie können aber natürlich auch nicht besser abschneiden als der zugrunde gelegte Index.

Ich habe drei Aktien aus dem DAX. Soll ich die halten?

Die Aussichten für den deutschen Aktienmarkt schätzen wir langfristig positiv ein. Von daher sind die Renditechancen weiterhin gut. Sie sollten aber unbedingt Ihre Aktienbasis verbreitern, drei Aktien sind einfach zu wenig, um eine angemessene Risikostreuung zu erhalten. Sinnvoll ist eine wesentlich breitere Streuung, wobei Sie auch internationale Aktien einbeziehen sollten.

Gibt es demnächst Strafzinsen für Sparkonten?

Wir können uns nicht vorstellen, dass der Wettbewerb in der deutschen Kreditwirtschaft auf absehbare Zeit Strafzinsen für Privatkunden zulässt.

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

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