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Rund um die Krankenversicherug

KN-Telefonaktion Rund um die Krankenversicherug

Welche Krankenkassen passt am besten zu mir? Was muss ich tun, wenn ich wechseln will? Zahlreiche Fragen beantworteten am Dienstag drei Experten am Lesertelefon der Kieler Nachrichten. Das Interesse zum Thema Krankenversicherung war riesig – die Telefone standen von 14 bis 16 Uhr nicht still.

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Beantworteten die Leserfragen: (v.li.) Michael Kleff (Verband der privaten Krankenkassen), Peter Klipp (Stiftung Warentest) und Jens Kuschel (AOK Nordwest)

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Ich fahre nach Frankreich in den Urlaub. Gilt da meine gesetzliche Krankenversicherung auch?

Sie haben auf der Rückseite Ihrer Chipkarte den Aufdruck EHIC. Damit werden im Ausland die Behandlungskosten in dem Umfang übernommen, wie sie in Deutschland üblich sind. Die im Ausland üblichen Eigenanteile sind aus eigener Tasche zu zahlen. Eine private Auslandsreisekrankenversicherung würde auch das übernehmen. Abgesehen davon ist eine private Auslandsreisekrankenversicherung auch deshalb dringend zu empfehlen, weil hier ist auch ein Rücktransport nach Deutschland versichert ist. Kosten, welche die gesetzlichen Kassen nicht übernehmen dürfen.

Kann ich als Rentner die Kasse wechseln?

Selbstverständlich. Wenn Sie 18 Monate Mitglied einer Kasse sind, können sie in eine andere Kasse wechseln.

Ich bin Anfang vierzig, nicht berufstätig und bei meinem Mann familienversichert. Kann ich etwas hinzuverdienen und trotzdem familienversichert bleiben?

Sie dürfen ein monatliches Gesamteinkommen von 415 Euro haben. Dabei werden alle Einkünfte geprüft - also auch Zins- oder Mieteinnahmen. Alternativ ist auch ein 450-Euro-Job möglich.

Wir haben uns scheiden lassen. Damit endete auch meine Beihilfeberechtigung und ich muss nun den Beitrag für eine volle private Krankenversicherung zahlen. Das ist mir zu teuer. Was kann ich machen? Ich bin 54.

Wenn Sie eine Festanstellung mit einem Einkommen von über 450 Euro monatlich annehmen, werden Sie gesetzlich versicherungspflichtig. Damit können Sie Ihre private Krankenversicherung kündigen. Die Rückkehr in die Gesetzliche ist allerdings nur bis zum 55. Lebensjahr möglich.

Ich werden demnächst meinen Rentenantrag stellen. Derzeit bin ich gesetzlich pflichtversichert. Bleibt das so im Rentenalter?

Das hängt von der Dauer Ihrer Mitgliedschaft in der gesetzlichen Kasse ab. Waren Sie 90 Prozent der zweiten Hälfte des Erwerbslebens gesetzlich versichert, werden Sie mit Rentenbeginn Pflichtmitglied der Krankenversicherung der Rentner. Kommen die 90 Prozent nicht zusammen, werden Sie freiwilliges Mitglied. Für die Bruttorente zahlen freiwillig und pflichtversicherte immer 7,3 Prozent plus Zusatzbeitrag. Hinzu kommt der volle Beitrag zur Pflegeversicherung. Der volle Beitrag ist auch auf Betriebsrenten zu zahlen. Im Unterschied zu den Pflichtversicherten müssen die Freiwilligen jedoch auch noch auf weitere Einkünfte Beiträge zahlen. Dazu zählen Mieteinnahmen oder Kapitaleinkünfte. Das gilt bis zur Bemessungsgrenze von 4.237,50 Euro.

Ich bin als Rentner freiwillig gesetzlich versichert und muss auch auf Mieteinnahmen Kassenbeiträge zahlen. Bezieht sich das auf die Brutto-Mieteinnahmen oder kann ich Aufwendungen abziehen?

Grundsätzlich gilt zwar die Bruttomiete - aber Kosten, die Ihnen im Zusammenhang mit der vermieteten Immobilie entstehen, können gegengerechnet werden.

Muss ich bei der privaten Krankenversicherung auch meine Betriebsrente angeben?

Nein. Ihre Einkünfte sind für die private Krankenversicherung nicht relevant. Also auch Ihre Betriebsrente muss nicht angegeben werden.

Momentan sind die Beiträge zu meiner privaten Krankenversicherung kein Problem. Allerdings möchte ich mit Rentenbeginn den Beitrag reduzieren. Wie gehe ich am besten vor? Auf Leistungen will ich nicht verzichten.

Als erstes sollten Sie rechnen: Berufsbedingte Leistungen wie das Krankentagegeld können Sie kündigen. Auch fällt der Beitragsanteil für die Alterungsrückstellungen weg. Dann sollten Sie die Zuschuss des Rentenversicherers einkalkulieren – er zahlt 7,3 Prozent der gesetzlichen Brutto-Rente. Wenn Ihnen der Beitrag dann immer noch zu hoch ist, sollten Sie mit Ihrem Versicherer über Alternativtarife reden. Das Recht zum Wechsel in einen gleichartigen, günstigeren Tarif steht Ihnen gesetzlich zu. Sollte der Tarif höhere Leistungen beinhalten, sind für diese Mehrleistungen Gesundheitsfragen zu beantworten. Sie müssen diese Mehrleistungen aber nicht nehmen. Etwas Sparpotential bietet auch die Erhöhung des Selbstbehaltes. Lassen Sie sich alles detailliert durchrechnen.

Wir werden beide demnächst verbeamtet und sind damit auch Beihilfeberechtigt. Ist es sinnvoll, sich für eine private Krankenversicherung zu entscheiden? Wir müssten ja dann auch für unsere Kinder eine eigene Krankenversicherung bezahlen.

Für Beamte ist eine private Krankenversicherung eigentlich alternativlos. Wenn Sie gesetzlich versichert bleiben würden, müssten Sie den kompletten Beitrag allein bezahlen - ohne Arbeitgeberanteil. Wenn Sie sich privat versichern, übernimmt die Beihilfe des Dienstherren 50 Prozent der Behandlungskosten, Sie selbst brauchen dann nur einen Vertrag für die Restkosten. Kinder benötigen dann zwar auch einen eigenen Vertrag. Doch hier zahlt der Dienstherr 80 Prozent der Behandlungskosten. Es wird also auch nur ein entsprechend kleiner "Restvertrag" benötigt. Ab dem 2. Kind steigt der Beihilfeanspruch des Elternteils, über den der Kindervertrag läuft, auf 70 Prozent.

Wonach richtet sich der Kassenbeitrag, wenn ich während der Selbstständigkeit gesetzlich versichert bleibe?

Sobald Sie hauptberuflich als Selbstständiger arbeiten, werden sie freiwillig versichertes Mitglied. Für Freiwillige gilt generell, dass die „gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“ bis zur Bemessungsgrenze von 4.237,50 Euro für die Beitragsberechnung berücksichtigt wird. Dazu zählen neben Ihrem Erwerbseinkommen auch Zins- oder Mieteinnahmen. Es gibt für Selbstständige ein gesetzlich vorgegebenes Mindesteinkommen in Höhe von 2.178,75 Euro. Daraus ergibt sich ein Mindestbeitrag von rund 318 Euro. Der Höchstbeitrag liegt bei rund 618 Euro. Hinzu kommen der kassenindividuelle Zusatzbeitrag und der Beitrag zur Pflege.

Kann ich als Selbstständiger wieder in die Gesetzliche wechseln?

Nein - es sein denn Sie geben die hauptberufliche Selbstständigkeit auf. Wenn Sie dann eine Festanstellung mit einem Brutto über 450 Euro annehmen, werden Sie gesetzlich versicherungspflichtig. Das ist aber nur bis zum 55. Lebensjahr möglich. Danach ist ein Wechsel nur über die beitragsfreie Familienversicherung möglich. Wenn Sie keine eigenen Einkünfte über 415 Euro monatlich haben, können Sie beitragsfrei bei Ihrem gesetzlich versicherten Ehepartner mitversichert werden.

Mein Sohn geht für vier Monate nach China. Gilt da seine gesetzliche Krankenversicherung?

Nein. Er sollte eine private Auslandsreisekrankenversicherung für längere Reisen abschließen. Damit sind alle Akutbehandlungen, die notwendigen Medikamente sowie ein eventuell nötiger Rücktransport nach Deutschland versichert.

 

Die AOK Nordwest ist im Internet unter www.aok.de/nw erreichbar. Dort findet man auch die regionalen Geschäftsstellen. Weitere Informationen zu privaten Voll- oder Zusatzversicherung, können unter kontakt@pkv.de oder unter Telefon 030-20458966 angefordert werden. Alle Anbieter für private Voll- und Zusatzversicherungen sind im Internet unter www.pkv.de verlinkt. Unter www.test.de können Preis-Leistungs-Vergleiche von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen nachgelesen werden.

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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