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Lotto-Chefin hofft selbst aufs Glück

Karin Seidel Lotto-Chefin hofft selbst aufs Glück

Karin Seidel (59) ist seit 2012 Chefin von 87 Mitarbeitern bei NordwestLotto in Kiel. Jetzt ist ihr Jahresgehalt von 179000 Euro in die Kritik geraten, das Piraten-Fraktionschef Patrick Breyer einen „Hauptgewinn“ nannte. Im Interview spricht die Mathematikerin und EDV-Expertin über Geld und Glück.

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Karin Seidel, Geschäftsführerin NordwestLotto, spricht im Interview mit den Kieler Nachrichten über Geld und Glück.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Frau Seidel, halten Sie die Debatte über Ihr Jahresgehalt für angemessen?

Karin Seidel: Man soll darüber gern diskutieren, Gehalt ist doch immer ein Thema. Aber verglichen mit anderen Lotto-Gesellschaften in Deutschland sind wir im unteren Drittel. Bedenken Sie, dass man ein Haftungsrisiko und auch keine 40-Stunden-Woche hat. In Hamburg gibt es Pensionsrückstellungen, da liegt man dann schnell bei 260000 Euro. Ich selbst habe keine, da bin ich doch noch relativ günstig. In Hamburg verdient ein Geschäftsführer 113000 Euro, aber es gibt dort zwei. Die Hamburger machen etwa 150 Millionen Euro Jahresumsatz, da haben wir zwei Drittel mehr. Und die großen Lottogesellschaften wie in NRW zahlen ohnehin sehr viel mehr.


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Was macht eine Lotto-Chefin?

Ich bin im Auftrag des Landes aktiv. Wir sind gehalten, ein Angebot verschiedener Glücksspiele zu gestalten, um den Kunden mit seinem natürlichen Spieltrieb richtig zu kanalisieren. Es geht darum, das Unternehmen strategisch zu führen, eine ordnungsgemäße Durchführung der Spiele sicherzustellen, dem Schwarzmarkt etwas entgegenzusetzen und die Gefahren des Glücksspiels zu bekämpfen. Der Staat hat großes Interesse daran, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Glücksspiel ist eben kein beliebiges Wirtschaftsgut.

Wie viele Menschen spielen in Schleswig-Holstein eigentlich jede Woche Lotto?

Die Reichweite liegt im Schnitt bei ungefähr 30 Prozent. Das ist etwas mehr als in den vergangenen Jahren.

Woran liegt die Steigerung?

Wir schärfen unsere Produkte: Lotto, Glücksspirale, Keno, unsere Rubbellose, Toto und die Sportwette Oddset als Nischenprodukt. Mitunter haben wir attraktive Jackpots. Und wir unternehmen Anstrengungen, die Menschen auf dem digitalen Weg zu erreichen. Unser Hauptgeschäft machen wir aber noch immer auf dem herkömmlichen Weg, sprich über unsere 750 Annahmestellen im gesamten Land. Es ist unsere Pflicht, in der Fläche präsent zu sein und die Spieler zu erreichen. Wir stellen das technische Equipment zur Verfügung, stellen Spielscheine und weitere Materialien, schulen das Personal und haben ein flächendeckendes Netz, um die 300000 Transaktionen jede Woche zu gewährleisten.

Um wie viel Geld geht es?

Über alle Produkte verteilt sind es etwa fünf Millionen Euro pro Woche. Wir haben ein Umsatzvolumen von etwa 250 Millionen Euro pro Jahr.

Man sagt, dass ein Millionengewinn das ganze Leben verändert – aber nicht nur zum Positiven.

Das kann ich nicht bestätigen. Die Schleswig-Holsteiner sind sehr besonnen und bodenständig. Es geht darum, Ruhe zu bewahren, den Gewinn etwas kleinzureden, Zeit verstreichen zu lassen. Aber manchmal bin ich wirklich überrascht, wenn mir jemand sagt, dass er trotz eines zweistelligen Millionengewinns in seinem sozialen Umfeld bleiben möchte.

Das ist nicht so einfach.

Das stimmt. Wobei ich mir die Frage stelle, was ich selbst machen würde. Ich spiele selbst ja auch in einer Spielgemeinschaft mit Kollegen, wir lassen Quicktipps generieren. Der Millionengewinn war bislang nicht dabei. Das kann ja noch kommen. Aber wenn man in meinem Alter noch einmal alles ändern würde, hätte man vermutlich etwas falsch gemacht, oder? Geld ist nicht das einzig Erstrebenswerte. Ich würde mir sicher etwas für die Altersvorsorge zurücklegen.

Was hat Sie zuletzt glücklich gemacht?

Ich bin gern draußen in der Natur. Wenn man da mal ein besonderes Tier beobachten kann oder einen tollen Himmel sieht, dieses Wolkenbild – dafür kann ich mich begeistern. Manchmal ist es auch toll, sich mit Freunden zu treffen und zusammen zu kochen. Es sind oft die Dinge des Augenblicks.

Die Schleswig-Holsteiner zählen zu den glücklichsten Menschen Deutschlands.

Das stimmt! Und wenn ich an unsere Gewinne in diesem Jahr denke, haben wir eine richtige Glückssträhne. Wir hatten fünf neue Lotto-Millionäre und zwei Fast-Millionäre mit Gewinnen von etwa 900000 Euro. Bei uns geht es um den doppelten Gewinn: Wir schütten von dem, was eingesetzt wird, 50 Prozent als Gewinn wieder aus. Den Rest stecken wir uns nicht in die Tasche, sondern haben ja auch Abgaben, mit denen wir Menschen und Projekte fördern. Übers Jahr kommen da 60 Millionen Euro zusammen und 40 Millionen Lotteriesteuern. Es gehen also 100 Millionen ans Land zurück.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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